Steins Blog

15. Oktober 2008

Börsianer spielen doch eh nur Nintendo

Mach mal auf Krise

Mit Freude habe ich Dienstag natürlich zur Kenntnis genommen, dass es an den Börsen rasant aufwärts geht. (Nein, mein Passwort weiß ich immer noch nicht). Jetzt sehe ich auf dem „Laufband“ bei n-tv (das ist dieser rote Streifen unten im Bild, der mir ständig zusätzliche Informationen vermittelt, während mir der Sprecher im Bild auch Informationen vermittelt, die von Grafiken auf der linken Bildschirmseite unterstützt werden, die mir noch andere Informationen liefern sollen … da soll der Mensch nicht blöd bei werden), dass es an den Börsen wieder abwärts geht.

Ich kenne mich ja nicht wirklich aus mit den Börsianern. Ich kenne nicht mal einen persönlich. (Was vielleicht auch daran liegt, dass diese Menschen dauernd vor dem Computermonitor hocken, gespannt irgendwelche Bewegungen verfolgen und dann klicken und drücken, dass es eine Freude ist … also genau wie die Kinder der Nitendo- und Playstation-Generation …)

Trotzdem beschleicht mich manchmal das Gefühl, dass an den Börsen dieser Welt eine Unmenge an Alkohol vernichtet wird. Anders als „besoffene Aktionen“ lässt sich das Börsengeschehen manchmal nicht beschreiben.

Heute heißt es in den Nachrichten: „Die Börsen rutschen ab, weil Börsenexperten eine weltweite Rezession befürchten?“

Was heißt denn „Experten“? Was heißt denn „befürchten“? Hallo – wir sind mittendrin! Also wer solche „Experten“ an die Börse schickt, der braucht sich über nicht mehr zu wundern. Die wissen wahrscheinlich gar nicht, was die da tun. Die spielen nur. Nintendo- und Playstation-Generation eben…

Aber alles im Leben hat natürlich auch sein Gutes.
Wie Sie vielleicht wissen, bin ich ja auch als Werbetexter unterwegs – und prompt klingelt gegen Mittag mein Telefon. Einer meiner Kunden ist am Apparat. „Also Herr Stein, wir haben alle Werbeaktivitäten gestoppt. Wir müssen jetzt auf Krise machen…“

Aha. „Machen Sie jetzt auf Krise, weil sie wegen der gestoppten Werbung in eine solche schlittern. Oder sind sie in eine solche geschlittert und machen nur darauf, obwohl sie gar nicht mehr nur darauf machen müssten, weil die Krise ja schon da ist. Oder greifen wir das Thema Banken- und Finanzkrise jetzt in der Werbung auf?“

„Sie machen mich verrückt. Genau darum geht es. Wir können doch nicht so tun, als sei alles in Ordnung. Die Kunden glauben doch, wir lassen sie im Stich.“

Da hat der Kunde natürlich Recht. Obwohl es sich um einen Gesundheitsversender handelt, der gesunde Nahrungsmittelergänzungsprodukte verschickt. Mir fallen auch gleich ein paar Slogans ein:

„Mit Dr. Quangs Kalzium, haut dich keine Finanzkrise um.“

Oder:

„Liegen Deine Aktien im Keller – natürliches Baldrian wirkt schneller“

Vielleicht auch:

„Gibt die Bank Dir keine Gelder mehr, muss Q10 in Massen her…“

Eine Alternative wäre auch:

„Erholt sich Dein Depot gar nie – dann nimm Zyankali.“

Gut, ich seh‘ schon, wir müssen noch ein wenig daran arbeiten. Auf jeden Fall verabrede ich mich für kommenden Montag mit dem Kunden. „Machen Sie bitte schnell. Wir müssen jetzt geschwind reagieren. Es wäre doch zu schade, wenn die Krise vorbei ist, bevor wir fertig mit allem sind.“

Nun ja. Das wiederum kann man jetzt so oder so sehen. Eigentlich.

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