Kennen Sie die Abgeltungssteuer?

Freitag 24. Oktober 2008 von admin
Kategorie: Politik, Steuern |
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Abgerechnet wird zum Schluss

Mal Hand aufs Herz, haben Sie sich schon mit dem Thema Abgeltungssteuer beschäftigt? Ich nicht. Und prompt muss ich heute lesen, dass ich mich damit in allerbester Gesellschaft befinde. Nach einer aktuellen Umfrage haben knapp 80% der Deutschen sich ebenfalls noch nicht mit dem Thema beschäftigt. Mehr noch: 57% geben an, den Begriff „Abgeltungssteuer“ gar nicht zu kennen.
Deshalb im Schnelldurchgang:

Ab 1.1.2009 ziehen die Banken von Ihren Geldanlagen und Veräußerungsgewinnen automatisch 25% ab (zuzüglich Solidaritätszuschlag sind es exakt 26,375%, zahlen Sie Kirchensteuer sind es insgesamt 28%!) um Ihr Geld dem Finanzminister zu überweisen. Gemein ist das schon. Vor allem, wenn das Geld, dass Sie anlegen (und das nicht gerade durch die Bankenkrise vernichtet worden ist), aus dem Arbeitseinkommen stammt. Denn dann gehören Sie zu den treuesten Lieferanten für Peer Steinbrück:

Zunächst wird Ihnen die Einkommensteuer vom Gehalt abgezogen. Wird der Rest konsumiert, schnappt die Mehrwertsteuer zu. Legen Sie es an, greift die Abgeltungssteuer – übrigens auf alle Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne.

Dafür bekomme ich heute ja auch ungefragt den Rat:

„Wer rechtzeitig bis zum Jahresende seine Finanzen ordnet und vorausschauend investiert, kann den Fiskus 2008 noch ausbremsen und Geld sparen.“

Haha. Nichts leichter als das in Zeiten einer Banken- und Börsenkrise. Mal Hand aufs Herz: Trauen Sie sich gerade in neue Anlageformen zu investieren? Mag ja sein, dass ich zu den ganz besonders schissigen Anlegern gehöre. Aber ich trau mich nicht …

(Mein Schwiegervater schwört ja auf Tagesgeld. Aber ab 1.1.2009 gilt auch da etwas Neues: Statt des Sparerfreibetrags gibt es ab 1. Januar 2009 der „Sparerpauschbetrag“ in Höhe von 801 Euro im Jahr, pro Steuerzahler. Diese Grenze ist schnell erreicht – etwa mit 20 000 Euro Tagesgeld, das 4 % Zinsen abwirft. Für jeden Euro darüber geht dann auch gut ein Viertel an den Staat).

Aber keine Sorge: Der Abzug passiert geräuschlos. Banken, Sparkassen und Fondsgesellschaften behalten die Abgeltungsteuer automatisch ein und führen sie direkt ans Finanzamt ab. Damit Herr Steinbrück nicht so viel Arbeit hat mit dem Geldeinziehen.

Und wenn nicht Tagesgeld – wohin soll denn mein spärlicher Sparbetrag fließen? In Aktien oder Fonds? Dann aber schnell. Denn wenn Sie nächstes Jahr kaufen, geht beim Verkauf ein Viertel des gesamten Gewinns an den Staat, egal wie lange Sie die Wertpapiere gehalten haben. Heißt im Klartext: Von 1.000 Euro Kursgewinn drücken Sie an Peer Steinbrück oder dessen Nachfolger 250 Euro ab.

Ich will auch mal so Geld verdienen!

Einfach die Hand aufhalten – und schwups, ist Geld drin. Aber dummerweise sehen meine Kunden das grundsätzlich anders. Gemein. Aber so ist das Leben nun mal. Dafür sind ja auch meine Spareinlagen sicher, hat die Bundeskanzlerin versprochen. Sie hat ja alle Spareinlagen in Deutschland per Versprechen (oder war es gleich eine Bürgschaft) abgesichert. Wunderbar.

Doch ich frage mich die ganze Zeit…

…mit wessen Geld sichert sie das ab? Mal überlegen … Ach so, mit dem Geld des Steuerzahlers. Also mit meinem! Jetzt ist mir alles klar! Sie nimmt also mein Geld, um mein Geld zu sichern. Und dann schimpft Sie über Banker, die merkwürdige Deals abschließen. Nun ja…

Ein Kommentar zu “Kennen Sie die Abgeltungssteuer?”

  1. Von Lothar Baumann:

    Mit großem Vergnügen lese ich immer Ihre Zeilen, allerdings finde ich es nicht sehr schön, wenn Sie die Angst vor der Abgeltungssteuer dadurch verstärken, dass Sie schreiben, dass von den Geldanlagen 25%+ einbehalten werden, da es sich ja nicht um eine Vermögensteuer handelt und Sie das sicherlich auch so nicht gemeint hatten.

 

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