Es geht den Banken wohl doch schlimmer als gedacht
Mal ehrlich, haben Sie sich nicht auch die ganze Zeit gewundert? Da hat die Bundesregierung ein Riesenrettungspaket geschnürt – und keine Bank (außer den Landesbanken, also sozusagen die von den (Landes-)Regierungen selbst ins Chaos gesteuerten Institute) nimmt dieses Rettungspaket in Anspruch.
„Holla“, habe ich die ganze Zeit gedacht. „Dann geht es den deutschen Banken ja möglicherweise gar nicht so schlecht.“ Allerdings wurden diese meine Gedanken gestern jäh zerstört. Ausgerechnet die Postbank – also jene Bank, der ich auch mein Gehaltskonto anvertraue (auch wenn es sich dabei um ein ausgesprochen schlankes Konto handelt) – braucht plötzlich Geld ohne Ende. Also ich meine: Postbank. Das klingt so wie Altenheim oder „Deutsche Bundesbahn“. Da rechnet man doch nicht mit so was!
Als dann aber die Postbank-Meldung rumging, dämmerte mir: Vermutlich geht es jetzt los. Wenn schon die Postbank…
Und genau so ist es heute:
Zwei Wochen lang haben sich die mehr als 2.000 deutschen Kreditinstitute geziert wie die Jungfrauen. Und nun gibt es kein Halten mehr. „Wenn schon die Postbank Geld braucht – dann dürfen wir auch den Finger heben!“ Das scheint der Gedanke zu sein, der plötzlich in die Chefetagen der deutschen Bankhäuser gesprungen ist. Und auf einmal schnellen sie in die Höhe – die wurstigen, manikürten Bankerfinger…
Die Hypo Real Estate machte den Anfang und will nun Sicherheiten aus dem Staatsfonds. Ein Konsortium aus Deutscher Bank, Commerzbank, Dresdner Bank und Postbank will gemeinsam milliardenschwere Garantien beantragen (Ausgerechnet die Deutsche Bank. Hatte Herr Ackermann nicht gesagt, dass er sich schämen würde, wenn er das Geld braucht? Mal schauen, wie er sein „Ich schäme mich“ zum Ausdruck bringt…). Die DSL-Bank (gehört zur Postbank) überlegt noch…
Alles in allem zeigt das aber:
Die Situation ist viel schlimmer, als sich der „kleine Mann“ auf der Straße (warum spricht man eigentlich nie von der „kleinen Frau auf der Straße“?) das vorstellen kann.
Noch werden wir ja damit beruhigt, dass der Stabilisierungsfonds zwar insgesamt 400 Milliarden Euro beträgt – dass die Ausfallrate aber nur 5 % betragen darf. Im Klartext: Nur 5 % von 400 Milliarden € könnte das Rettungspaket den Steuerzahler kosten. Das sind 20 Milliarden €.
Hahahahahahahahaha.
Was ist denn, wenn die Banken irgendwie nicht mitbekommen, dass der Finanzminister nur mit 5 % Ausfallquote rechnet? „Wir haben uns schon nicht an die Spielregeln der Vernunft gehalten – warum sollten wir uns denn jetzt an die Spielregeln des Finanzministers halten…“
Für diesen Fall biete ich Ihnen schon jetzt eine Wette an!
Falls die 20 Milliarden Steuergelder nicht zu halten sind, wird es eine Lösung geben, die uns alle überraschen wird. Denn dann wird der Stabilisierungsfonds aus „dringenden weltpolitischen Gründen“ einfach so weit aufgestockt, dass die 5 %-Grenze wieder erreicht wird – und fertig. Dann muss der Steuerzahler zwar vielleicht 30, 40 oder 50 Milliarden aufbringen. Aber das ist egal. Die Grenze steht. Und dann hören Sie in etwa folgendes Statement:
„Wir haben immer davon gesprochen, dass die 5 %-Grenze nicht überschritten wird. Durch eine Kraftanstrengung aller Parteien ist es uns in dieser außerordentlich schwierigen Lage gelungen, dieses Versprechen gegenüber dem Steuerzahler einzuhalten.“
So was erinnert mich immer an den Spinat mit dem „Blubb“.
Doch eine ganz andere Meldung geht heute leider unter:
Die Zahl der Zahl der Erwerbslosen ist im Oktober erstmals unter die 3 Millionen-Grenze gesunken. In „normalen“ Zeiten hätte es dafür Jubelstürme gegeben. Und jetzt?
Jetzt sagt der Präsident der Bundesagentur für Arbeit: Das ist zwar alles ganz nett. Aber demnächst schlägt die Konjunkturkrise durch, und dann haben wir wieder viel mehr Arbeitslose und teuer wird das auch und überhaupt.
Bäääh.
Warum – Krisenzeiten hin oder her – darf man so was nicht mal feiern? Im Rheinland heißt es: „Et kütt wie et kütt – et is wie et is“. Es kommt wie es kommt, es ist wie es ist. Und daraus leitet der Rheinländer messerscharf ab: „Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Und danach gucken wir weiter.“
Also ich werde heute Abend ein Gläschen auf all diejenigen Menschen trinken – die wieder Arbeit gefunden haben. Sorgen machen, kann ich mir auch morgen. Und außerdem sieht das Ferdi ganz genau so!
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