Renten-Rechenspiele – viel schlimmer
Letztens habe ich an dieser Stelle über die „Rendite“ der gesetzlichen Rentenversicherung geschrieben. Die sieht nach meinem (vereinfachten) Beispiel so aus:
Arbeitnehmer Müller verdient zeitlebens 3.500 Euro brutto im Monat. Er arbeitet 30 Jahre lang. Dann zahlen er und sein Arbeitgeber rund 12 x 700 Euro x 30 Jahre ein. Also insgesamt 252.000 Euro an Beiträgen. Herr Müller geht mit 65 in Rente. Seine statistische Lebenserwartung: 19 Jahre. Er bekommt nach aktuelle Stand (Rentenrechner) eine Monatsrente von 990 Euro. Das sind – bei einer Lebenserwartung von 19 Jahren also 990 x 12 * 19 = 225.720 Euro. Im Klartext: Einbezahlt 252.000 Euro. Rausbekommen: 225.720 Euro.
Dazu schrieb jetzt ein Leser:
Mit Freude habe ich Ihren Artikel über die Rendite der RV gelesen. Leider sind die 19 Jahre Lebenserwartung ab 65 und damit die komplette Rechnung falsch.
Als 1950 geborener gab die Sterbetafel für Jungen damals 64 Jahre an. Für Mädchen 68 Jahre. In 2007 waren es 76,6 und 82,1 Jahre.
Wer das 60. Lebensjahr erreicht hat, hat eine Lebenserwartung von 19 Jahren als Mann oder 24 Jahren als Frau, also 79 bzw. 84.
Bei Männern liegt das zu erwartende Alter ab Anfang Arbeitsleben also zwischen 64 und 76,6. Bei 72 Jahren sieht die Rechnung bei 40 Jahren Durchschnittsverdienst von 2.450 € wie folgt aus:
Auszahlung 89.208 Euro (40 Rentenpunkte zu je 26,56 Euro multipliziert mit den 7 Jahren Bezugsdauer) = 89.208 Euro Auszahlung. Dem stehen Einzahlungen von 223.440 Euro gegenüber.
Frauen leben 5 Jahre länger, würden bis 77 etwa 153.000 € bekommen, haben wegen der geringeren Rente (etwa Hälfte) auch nur etwa die Hälfte eingezahlt, müssen also mit ca. 1/3 gewichtet werden. Bei 75,5 Jahren wären dies 108.300 € im Schnitt (ohne Witwen-, Waisen- und Berufsunfähigkeitsrenten. Auch der 7%-Anteil zur Krankenkasse, nicht PV).
Im Osten wird zwar weniger verdient, aus sozialen Gründen aber mittels Hochwertungsfaktor von ca. 118% auf Westniveau angehoben, denn es ist sozial ungerecht, dass jemand weniger bekommt, nur weil er weniger leistet. Rechnet man zu den 108.000 € also noch ca. 20% dazu, wären 130.000 € immer noch deutlich unter den eingezahlten 223.440 €.
Besonders dreist ist angesichts obiger Zahlen die Behauptung der Regierung, sie würde jährlich 80 Milliarden zur Rente zuschießen ohne Umschulung, Ausbildung usw. zu Lasten der RV zu nennen. Auch wird meines Wissens nicht nur Besoldung und Pension der RV-Beamten (auch Betriebsprüfer) von den Beiträgen gezahlt, sondern auch die Pensionsrückstellung für zukünftige Pensionen.
Tja, Geld vermehren sieht irgendwie anders aus. Herzlichen Dank an den Leser!
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