Ich glaube, ich lese ab sofort keine Zeitung mehr. Am Wochenende jedenfalls hat mir die Lektüre von Bild am Sonntag, der Welt am Sonntag und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Laune verdorben. So langsam, aber sicher bekommt man das Gefühl, dass die Weltwirtschaft nicht mehr zu retten ist. Aber für mich stellt sich die Frage: Wieso ist diese Rezession bei MIR angekommen? Bei mir als kleinem Steuerzahler. Und dann fiel es mir ein…
Nur zur Erinnerung. Angefangen hat es damit, dass in Amerika massenweise Häuser auf Pump gekauft wurden. Dummerweise wurde dafür auch in Massen Geld an diejenigen Leute verliehen, die eigentlich gar keins haben, um es zurückzuzahlen. „Macht aber nix. Dein Häuschen steigt ja jedes Jahr im Wert. Und falls du es eines Tages verkaufen musst, hast du durch die Wertsteigerung so viel Geld in der Tasche, dass du locker deine Schulden zurückbezahlen kannst und noch einen Batzen Geld hast, um dann wieder irgendwo nett zur Miete zu wohnen.“ So das Argument der Bank. Wer kann da nicht nicken und sagen: „Prima Idee“?
Es wurde Geld geliehen. Es wurde gekauft. Und irgendwann war es dann so weit. Die Leute fingen an, ihre Häuser zu verkaufen. Nicht ganz freiwillig, aber immerhin. Genauso hatte es der Banker ja auch erzählt. Dummerweise blieb aber nach dem Verkauf kein Geld über, sondern eher das Gegenteil dessen. Schulden.
„Houston, wir haben ein Problem“, dämmerte es da einigen Banken. Und die überlegten sich flugs: „Wer ist noch dümmer als wir, die gute Kredite an schlechte Kunden ausgegeben haben? Wer ist also so dumm, diese faulen Kredite zu übernehmen, wenn wir sie nur hübsch genug verpacken?“
Stellen Sie sich einen großen Besprechungsraum mit lauter Bankern vor. Der Chef hat gerade diese Frage in den Raum geworfen, wo sie nun bedeutungsschwanger über dem Konferenztisch und den Stühlen der Sitzungsteilnehmer wabbert.
Vermutlich hat in diese heilige Stille hinein ein zum Kaffeenachschenken eingesetzter Azubi vor sich hingemurmelt: „So blöd können nur andere Banken sein…“ – und wurde nicht nur sofort zum Hedgefonds-Manager befördert, sondern auch als Retter der Banken gefeiert.
Und siehe da, es waren tatsächlich andere Banker, die nicht widerstehen konnten, als ihnen die Kollegen ein totsicheres Geschäft anboten:
„Wir haben hier ein Päckchen voller schöner Kredite. Wert 50 Milliarden. Das bekommst du für 40 Milliarden. Hihihi. Und du weißt ja – hihihi –, dass die Kreditausfallrate in den letzten 25 Jahren bei unter 6 Prozent lag – hihihi –, das bedeutet: Wenn du dieses Päckchen kaufst, machst du garantiert 14 Prozent Gewinn. Hihihi. Wir verkaufen dir diese attraktive Anlage auch nur deshalb, weil wir selber jetzt noch ein viel besseres Geschäft in Aussicht haben – hihihihihi – und dafür Geld benötigen. Deshalb trennen wir uns schweren Herzen –hihihi – von diesem lukrativen Paket!
Dann hat der andere Banker nachgerechnet. Hat genickt und gekauft…
Dummerweise saß der nun damit auf einem riesigen Berg von blöden Krediten. Doch das dämmerte ihm erst langsam. Doch als es ihm dämmerte, merkte er schnell, dass das auch bei der eigenen Bank zu einer Abenddämmerung führen kann. Was also tun?
Man beruft flugs eine Konferenz ein. Die einzige Frage lautet: „Wer ist so blöd und kauft uns diese faulen Kredite ab?“ Langes Schweigen im Raum. Einige der Banker starren an die Decke. Andere pfeifen stumm vor sich hin. Andere inspizieren ihre Nägel… Und in diese Stille hinein ist vermutlich die Sekretärin des vierten Vorsitzenden, Abteilung Kleinkredite, hineingeplatzt: „Chef, Anruf für Sie aus Europa. Die Bayerische Landesbank ist dran…“
Sie können sich die leuchtenden Augen der Banker vorstellen…
Nun ging es nur noch darum, eine Liste der möglichen europäischen Kunden zu erstellen – und die mittlerweile superfaulen Kredite in neuen Paketen zu bündeln. So wurden die superfaulen Kreditpapiere auf den Tisch gelegt, gemischt und – schweren Herzens – mit ein paar weniger faulen Kreditpapieren aufgehübscht, in Päckchen gebündelt und sackweise nach Europa geschickt. „So billig können wir uns nie wieder in den boomenden amerikanischen Häusermarkt einkaufen“, frohlockten derweil die Banker in der Bayerischen Landesbank. Und ließen es sich nicht nehmen, den Kollegen von der nicht weit entfernten Real Estate-Zentrale auch noch ein paar gute Tipps mit auf den Weg zu geben…Die wiederum gaben Tipps an die Kollegen in Neuseeland. Die reichten die Geheiminformation weiter an die Kollegen in England und Frankreich…
Doch irgendwann war es dann auch hier so weit. Die Papiere hielten irgendwie nicht das, was man sich versprochen hatte. Dummerweise saß man damit jetzt auf einem Haufen Papier, hatte aber keine Scheine mehr. Bargeld alle. Doch da der Virus Gierikus mittlerweile alle europäischen Banken befallen hatte, wurde flugs eine europaweite Telefonkonferenz einberufen.
Einzige Frage: „Wo bekommen wir jetzt Geld her?“
Es muss ein langes Schweigen in der Leitung geherrscht haben. Und irgendwann ist es passiert. Vermutlich war es Herr Ackermann, der in die Stille hineinposaunte: „Lange kann ich nicht mehr in der Leitung bleiben. Ich muss noch unsere Regierungschefin anrufen.“
Das war es doch. Das war doch die Idee. „Wonderful, Mr. Ackermann. That’s it. Let’s call our chancellors and presidents. They must give us money! We will tell them: Without new fresh money – no more honey!
Tja, und so ist es gekommen…
Nachdem bei den verschiedenen Regierungen die Telefone Sturm bimmelten und denen dämmerte, dass die Bitten der Banken Geld kosten werden, wurde flugs eine europaweite Konferenz einberufen. Einzige Frage: „Wer ist so blöd und gibt uns Geld, damit wir den Banken Geld geben können.“
Und da ist unsere Kanzlerin aufgestanden und hat gesagt: „Da kenne ich nur einen, der so blöd ist. Das ist der Steuerzahler.“
Genau so ist es auch gekommen! Und jetzt wissen Sie, warum die Rezession auch bei Ihnen gelandet ist – und warum die deutsche Kanzlerin sich so gegen Steuersenkungen stellt. Dafür sind wir Steuerzahler einfach nicht da!



Soweit war ich mit meiner Analyse der Situation auch gekommen. Unser Staat, vertreten durch die jeweilige Regierung, ist ja schon lange so pleite, dass die Finanzminister – wären sie in der freien Wirtschaft – allesamt wegen Konkursverschleppung hinter Gittern sitzen müssten. Trotzdem kann der Staat jedes jahr neue Schulden machen. Meine Frage ist, wer leiht diesem Staat immer noch Geld und wohin fließen die Zinsen?(jedes Jahr 70 Milliarden €?)Haben Sie eine Antwort? MfG Möller
Woher das Geld kommt? Hierhr:
Grundsätzlich ist jeder, der Geld übrig hat, als Gläubiger für Deutschland willkommen. Selbst Kleinanleger werden über die Bundeswertpapierverwaltung direkt angesprochen: Bundesschatzbriefe, Bundesobligationen und Finanzierungsschätze gibt es dort ab einer Mindesanalge von 50 Euro.
Die dicksten Kredite stammen aber aus anderen Quellen. Mitte 2004 stellten Banken aus dem In- und Ausland 525 Milliarden Euro. 539 Milliarden kamen von ausländischen Investoren also „Heuschrecken“. Der Rest von Privatleuten, Versicherungen, Bausparkassen und Sozialversicherungen. Das Geld besorgen übrigens die 90 Mitarbeiter der „Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur“.
Am effektivsten ist der Verkauf von Anleihen die per Auktion in der „Bietergruppe Bundesemissionen“ angeboten werden. Das sind ca. 40 handverlesene Banken, unter anderem die Deutsche Bank, Morgan Stanley, Dresdner Bank und Merill Lynch sowie weitere Schwerkaliber der internationalen Finanzwelt.
Das jeweils beste Angebot bekommt den Zuschlag
Für die Banken ist das Ganze ein Bombengeschäft mit geringem Risiko. Sie kassieren neben den Zinsen noch satte Provisionen beim Weiterverkauf – denn nach der Emission werden die Anleihen an der Börse gehandelt.
Als Privatanleger gerate ich allerdings beim Kauf von Bundeswertpapieren in eine paradoxe Situation: Ich freue mich über den Zinszuwachs, während das Freibad um die Ecke schließt, weil der Staat so verschuldet ist. Aber was mache ich mir Sorgen um die Schulden. Die müssen meine Kinder irgendwann zurückzahlen. Wahrscheinlich durch höhere Steuern.
Den Artikel sollte man schön leserlich gedruckt an alle Haushalte verschicken. Somit könnte der Masse der Bevölkerung das Dilemma erklärlich gemacht werden. Eventuell könnten einige (viele) erkennen, was nicht OK ist in diesem Ländle.
MFG