Wer hat denn nun recht? – Die Antworten

Montag 15. Dezember 2008 von admin
Kategorie: Allgemein, Politik |
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Am Freitag habe ich an dieser Stelle wie auch im Personal-Newsletter die Frage gestellt, ob die Kritik des Nobelpreisträger Paul Krugmann berechtigt ist. Er hat in seiner Kolumne auf der Internetseite der New York Times geschrieben:

Der deutsche Finanzminister richtet derzeit eine „beachtliche Menge Schaden“ an. Und weiter: „Die Weltwirtschaft befindet sich in einem Furcht einflößenden Sturzflug, der überall sichtbar ist. Und Mr. Steinbrück bleibt strikt gegen staatliche Ausgabenprogramme.”

Seine Aufforderung: Sofort ein großes, Schulden-basiertes Konjunkturprogramm starten. Meine Frage dazu an Sie lautete: Halten Sie es für richtig neue Schulden zu machen (die ja dann unsere Kinder und Kindeskinder zusammen mit den 1,5 Billionen Euro bereits aufgelaufener Schulden mit ihren Steuergeldern zurückzahlen müssen)? Oder sind Sie gegen ein Schulden-basiertes Konjunkturpaket?

Ich habe viele Leserbriefe zu diesem Thema erhalten. Und durchaus kontroverse. Ein Leser schreibt:

„Die Staatsschulden haben jetzt schon ein Ausmaß erreicht, dass sie innerhalb einer Generation nicht mehr getilgt werden können. Die Sicht, es einfach den nachfolgenden Generationen zu überlassen, ist indes sehr egoistisch, nach dem Motto “nach mir die Sintflut”. Würde man den Konsumenten und Betrieben mehr Geld übrig lassen zum Ausgeben, wäre das allein schon ein “Konjunkturprogramm”, und so etwas würde ich auch begrüßen. Die Bundesregierung muss lernen, ihre Ausgaben zu kürzen, so wie es jeder Betrieb machen muss, der in einer Flaute ist, und sie muss lernen, weniger auszugeben als sie einnimmt, damit am Ende die Schulden getilgt werden können.“

Ein anderer Leser schreibt:

„Das was Sie geschrieben haben (Anmerkung: dass Schulden bezahlt werden müssen) gilt zwar für den Ottonormalverbraucher, für Unternehmen aber schon nicht mehr (Bsp. Insolvenz) und für Staaten wohl am aller wenigsten.

Es ist nicht mehr das Ziel Schulden abzubauen, sondern höchstens die aktuellen Zinsen zu bedienen. Welcher sich selbst als Intelligent bezeichnender Mensch wird denn behaupten, dass die USA jemals Ihre Schulden zurückzahlen werden? Dasselbe gilt für Deutschland … Und eins zum Schluss: Es gab mal einen Goldstandard, dieser wurde Anfang der 70er Jahre aufgelöst. Wissen Sie warum?

Weil die USA mehr Schulden gemacht haben, als es überhaupt GOLD auf der Erde gibt.
Also: Schulden sind nicht gleich Schulden, bzw. Schuldner ist nicht gleich Schuldner.”

Der nächste Leser meint:

„Also, früher in Wirtschaftslehre haben wir gelernt, dass “der Staat” in guten Zeiten Geld sammeln soll, um dann in schlechten Zeiten mit diesem Geld die Konjunktur zu beleben.
Das hat “unser Staat” aber nicht gemacht. Von noch mehr Schulden machen, die dann die nächste Generation belasten, war da nicht die Rede.

Unser Finanzminister und unsere Bundeskanzlerin bemühen sich, weitere Staatsverschuldung zu vermeiden. Das ist ihnen doch hoch anzurechnen. Wie viel einfacher wäre es für sie, mehr Schulden zu machen und “das Geld mit vollen Händen auszugeben”. Es könnte ihnen sogar Pluspunkte bei der nächsten Wahl einbringen. Also ich finde, beide erfüllen Ihren Auftrag gerade sehr verantwortungsbewusst.“

Ein anderer Leser ist findet:

„Ich bin der Meinung, dass der Staat nicht eingreifen darf, da sich der Markt wieder selbst regulieren wird. Das hat die Vergangenheit immer wieder gezeigt. Es werden erst etliche Millionen und Milliarden in einen Wirtschaftszweig gesteckt und nach wenigen Monaten, evtl. auch Jahren stellt man dann fest, dass der Zweig nicht mehr konkurrenzfähig war.
Es geht also vielmehr darum Standortvorteile zu schaffen und innovative neue Zweige zu fördern, das ist die Aufgabe der Politiker und nicht immer nur den kleinen Mann zur Kasse bitten, wenn eine Subvention mal wieder den Bach runter gelaufen ist.“

Diese Leserin sieht es ganz pragmatisch:

„Wäre es nicht an der Zeit, dass unser Staat unternehmerisch handelt?
Kosteneinsparungen (Personalkosten, Reisekosten etc.), jede unnötige Ausgabe vermeiden und dafür in Wachstum investieren, so reagiert doch ein vernünftig geführtes Unternehmen.“

Dazu ergänzt diese Leserin und Unternehmerin so:

„Es macht einen rasend, die Welt wirft mit Geld um sich, das nicht da ist. Mein Mann und ich führen ein kleines Unternehmen mit 6 Mitarbeitern. Ich kann auch nicht Schulden ohne Ende machen, nur damit ich jetzt besser dastehe. Irgendwann kommt man da nicht mehr raus und wir sind überschuldet pleite, können dicht machen und unsere Leute nach Hause schicken. In dem Punkt finde ich die Standhaftigkeit der Bundesregierung ganz toll und bin überzeugt, dass sie den richtigen Weg geht.“

Doch auch Herr Krugmann, der Nobelpreisträger, muss sich Kritik gefallen lassen:

„Es ist schon interessant, dass ausgerechnet ein so genannter Wirtschaftsexperte aus den USA uns sagen will, wo es lang geht. Wenn meine Beobachtungen richtig sind, fing der ganze Schlamassel doch erst in den USA an … Ausgerechnet von dort kommt die Kritik.“

Tja, wer mit dem Schlamassel angefangen hat, ist wirklich eine gute Frage. Was mich ja auch interessiert: Bis September war zum Beispiel die Auto-Welt noch in Ordnung. Seit Oktober werden angeblich plötzlich keine Autos mehr gekauft. Wissen Sie was, ich habe das Gefühl – da hat jemand ganz schön gepennt … Irgendwie.

Einen herzlichen Dank auch an die Leserinnen und Leser, deren Zuschriften ich heute noch nicht berücksichtigen konnte. Ich hole es nach. Versprochen!

 

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