Die Reichen können doch nichts dafür!

Freitag 23. Januar 2009 von admin
Kategorie: Allgemein, Lohn & Gehalt |
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Die Schere zwischen Arm und Reich

Heute ist es wieder so weit. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung stellt das Ergebnis der neuen, von ihr in Auftrag gegebenen Vermögensstudie vor. Die Erkenntnis: Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Deutschland weiter auseinander.

Konnten im Jahr 2002 die reichsten zehn Prozent knapp 58 Prozent des gesamten privaten Vermögens ihr Eigen nennen, waren es 2007 sogar über 61 Prozent. 27 Prozent der Bevölkerung wiesen dagegen so gut wie kein Vermögen auf oder sind sogar verschuldet.

Ich empfinde es als Unverschämtheit von den Armen, dass die sich nicht mehr anstrengen!

Jahr für Jahr müssen sich die armen Reichen anhören, dass sie mehr und mehr Geld scheffeln und die Armen einfach nichts tun, um zu verhindern, dass die Schere weiter aufgeht. Können die sich nicht etwas mehr anstrengen, damit nicht die Reichen immer am Pranger stehen?

Also, wenn ich so ein richtig Armer wäre, mir wäre das peinlich, wenn mein reicher Nachbar immer so komisch angeschaut und angemacht wird: „Hallo, Sie haben schon wieder mehr Geld gescheffelt. Das ist doch unanständig.“

Was bleibt meinem armen, reichen Nachbarn denn dann anderes übrig, als zu antworten: „Ich kann doch nichts dafür. Die Armen sind schuld.“

Nun sagen Sie nicht: „Das stimmt nicht“ oder auch „Wie kann der Stein so was sagen?“

Die Schere zwischen Arm und Reich muss sich zwangsläufig spreizen! Nehmen Sie nur mal die üblichen Lohnrunden (bei Guthaben auf dem Konto funktioniert das genauso!). Beispiel:
Arbeitnehmer A und B sind beide nach Tarif bezahlt. A verdient 2.000 Euro/Monat, B verdient 5.000 Euro im Monat.

Da die Gewerkschaft Jahr für Jahr aggressiv verhandelt, steigen die Löhne mit jeder Lohnrunde um 5 Prozent. Und dann passiert Folgendes:

Lohnrunde Arbeitnehmer 1 Arbeitnehmer 2
Start 2.000 Euro 5.000 Euro
+ 5 % 2.100 Euro 5.250 Euro
+ 5 % 2.205 Euro 5.512 Euro
+ 5 % 2.315 Euro 5.788 Euro
+ 5 % 2.431 Euro 6.077 Euro
+ 5 % 2.552 Euro 6.381 Euro
+ 5 % 2.680 Euro 6.700 Euro
+ 5 % 2.814 Euro 7.035 Euro
+ 5 % 2.954 Euro 7.387 Euro
+ 5 % 3.102 Euro 7.756 Euro
+ 5 % 3.257 Euro 8.144 Euro

Sie sehen: Betrug der Unterschied vor der ersten Lohnrunde 3.000 Euro, sind es am Ende 4.887 Euro. Auf das Jahr gerechnet, inklusive 13. Monatsgehalt, sieht die Rechnung sogar so aus:

Arbeitnehmer A am Anfang = 26.000 Euro/Jahr (= 13 * 2.000 Euro)
Arbeitnehmer B am Anfang = 65.000 Euro/Jahr (= 13 * 5.000 Euro)

Jahresdifferenz zwischen A und B: 39.000 Euro

Nach der letzten Lohnrunde aber folgendes Ergebnis:

Arbeitnehmer A: = 42.341 Euro/Jahr
Arbeitnehmer B: = 105.872 Euro/Jahr

Jahresdifferenz zwischen A und B: 63.531 Euro

Deshalb ihr Armen: Strengt euch an. Die Reichen können doch gar nichts dafür. Oder so ähnlich…

Ein Kommentar zu “Die Reichen können doch nichts dafür!”

  1. Von Torsten Irion:

    also ohne Not würde ich mich nicht auf Terrain begeben, auf dem mein Wissen nicht über Allgemeinplätze ausreicht…

    bei dem Beispiel der Lohnerhöhung hinken mehrere Beine:

    1) der Reiche hat zu Beginn das Zweieinhalbfache und das hat er nach vielen Jahren und Erhöhungen auch, also wäre danach die Schere nicht weiter aufgegangen;

    2) unser Steuersystem begradigt das etwas: der Reiche rutscht stärker als der Arme in die Progression, so dass das Verhältnis nach all den Erhöhungen die Schere eher wieder zugehen ließe.

    Die eigentliche Ursache für die aufklappende Schere: die Reichen bekamen in den letzten Jahren eher 10% pro Jahr Erhöhung und die Armen eher 2%; das hat mit der Tarifmacht zu tun, mehr noch aber damit, dass in den letzten Jahren mit Kapital (via Aktien, Merger etc.) erheblich mehr Geld verdient wurde, als mit Arbeit.

    Ich les den Newsletter gerne und akzeptiere um der schönen Lesbarkeit willen auch seine häufige Grobschlächtigkeit in der Argumentation, aber hier würde ich die “BILD-Leser bitte draußen bleiben” Fahne hoch halten und um Schweigen bitten (oder um Gehaltvolleres als das Obige)

 

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