Bis vor kurzem dachte ich, wir stecken mitten in einer Rezession. Und hat heute nicht die Bundesagentur für Arbeit verkündet, dass die Arbeitslosenzahlen in Deutschland gestiegen sind? Immerhin haben von Dezember bis Januar in Deutschland 387.000 Menschen ihren Job verloren. Damit ist die offizielle Arbeitslosenzahl auf 3,489 Millionen Menschen gestiegen.
Und was machen die Flugbegleiter der Lufthansa? Die streiken und wollen 20 % mehr Geld.
Was macht das Bahnpersonal. Es streikt ebenfalls – und will 10 % mehr Geld.
Nun arbeite ich, wie Sie vielleicht wissen, freiberuflich auch als Werbetexter für Versandhandelsunternehmen. Und das sind schrecklich geizige Menschen. Die sparen, wo sie nur können. Und dummerweise auch bei mir. Aber vielleicht könnte ich ja folgenden Brief versenden:
Lieber Kunde,
wie Sie aus den Medien wissen, fordern die Flugbegleiter der Lufthansa 20 % mehr Lohn für ihre anstrengende Tätigkeit. Das tägliche Ausschenken von Getränken, die Ausgabe von weichen Semmeln und die lästigen Fragen von Kunden zu Verspätungen stressen die Mitarbeiter so sehr, dass das bisher gezahlte Gehalt einfach nicht mehr als angemessen bezeichnet werden kann.
Auch Sie haben mich kürzlich bezüglich Verspätungen gefragt, und ob ich denn gedenke, das ausstehende Mailing in Kürze zu liefern. Das wiederum hat mich so sehr gestresst, dass ich umgehend mit dem Ausschenken von Getränken an mich beginnen musste. Lediglich der Verzehr einer weichen Semmel konnte Schlimmeres verhindern.
Da ich der Meinung bin, dass ich Sie seit Jahren ebenso gut begleite wie die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter, fordere ich hiermit ebenfalls eine Erhöhung meines Honorars um 20 %.
Mit freundlichen Grüßen
Natürlich werde ich diesen Brief nicht abschicken!
Schließlich bin ich – anders als die Flugbegleiter – nicht gewerkschaftlich organisiert. Deren Gewerkschaft heißt übrigens Ufo. Wie passend. Dann würde ich die der Seeleute Titanic und die der Werbetexter Duden nennen …
Im Übrigen kann ich diesen Brief auch nicht abschicken, weil ich für ähnliche Fälle bereits für einen Kunden einen Antwortbrief formuliert habe, der mir dann vermutlich persönlich um die Ohren fliegen würde:
„Sehr geehrter Herr Stein,
vielen Dank für Ihren Brief. Wie Sie wissen, können wir auf Sie nicht verzichten. Gestern haben wir beschlossen, es trotzdem zu versuchen.“
Beste Grüße …
Nun ja. Klassisches Eigentor. Aber wie heißt es so schön? Besser mit dem Kopf durch die Wand, als gar kein Fenster…


