Steins Blog

4. Februar 2009

Oops, I did it again

Das heutige Titelbild der Financial Times Deutschland wird vom Kopf des Bahnchefs Mehdorn geprägt. Mit einer Sprechblase versehen: „Oops, I did it again!“ Und tatsächlich – selbst ich frage mich angesichts der Meldung, dass bei der Bahn ein weiteres Mal im Jahr 2005 alle Mitarbeiter im Rahmen eines Massen-Screenings gescannt worden sind:

WIE BLÖD KANN EINE EINZELNE FÜHRUNGSKRAFT EIGENTLICH SEIN???

Es geht hier gar nicht darum, dass gescreent worden ist (dass also die Arbeitnehmeradressen mit denen von Lieferanten, Beratern und anderen Zulieferern der Bahn abgeglichen worden sind, um Scheinfirmen zu enttarnen). Es geht um die Art und Weise, wie der Bahnchef meint, mit der Wahrheit umgehen zu können.

Ihm muss zugute gehalten werden, dass er am Auftrag für das erste Screening (2002 und 2003) nicht beteiligt war. Das hatte sein Amtsvorgänger veranlasst. Ihm muss aber entgegengehalten werden, dass er über das weitere Screening in 2005, das in seine Amtszeit fällt, so lange geschwiegen hat, bis es sich nicht mehr verheimlichen ließ. Ganz nach dem Motto: Erst mal schauen, was überhaupt rauskommt.

Was hat er mit diesem Verhalten erreicht?

  • Allerorten werden Rücktrittsforderungen laut (auch wenn sich kaum ein Top-Manager in Deutschland den Posten des Bahnchefs antun will).
  • Das Vertrauen des Aufsichtsrats in den Bahnchef ist dahin.
  • Die Bahngewerkschaften bekommen Munition gegen den Boss.
  • Die Mitarbeiter sind zutiefst verärgert.
  • Die wenigen korrupten Arbeitnehmer der Bahn reiben sich die Hände. Sie sind nun auf Jahre hinaus vor Screenings sicher.

Der nicht immer glücklich agierende Verkehrsminister Tiefensee hat durchaus Recht, wenn er sagt: „Die Aufklärung dauert zu lange. Es kommt nicht konsequent und im Ganzen ans Tageslicht.“

Genau das ist der Vorwurf, der dem Bahnchef – und darauf wette ich eine Kiste Wein – den Job kosten wird: Statt beim Bekanntwerden der ersten Fälle alle Karten auf den Tisch zu legen, fährt er eine Salamitaktik, die nicht aufgehen kann.

Der Super-Gau im Verhalten einer Führungskraft!

Wie lautet die oberste Regel, wenn vermeintliche Vergehen entdeckt werden? Karten auf den Tisch. Entschuldigung abgeben. Donnerwetter über sich ergehen lassen. Maßnahmen besprechen. Fertig.

Ist dagegen durch Mauschelei und Trickserei das Vertrauen erst einmal zerstört, gibt es kein Zurück mehr. Die Führungskraft, egal in welcher Position und wie scheinbar unersetzlich sie auch sein mag, ist nicht mehr zu halten.

Deshalb: Wenn Ihnen mal so etwas im Kleinen passiert. Immer daran denken: Angriff ist die beste Verteidigung.

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