Der poetische Guido

Freitag 13. Februar 2009 von admin
Kategorie: Allgemein |
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Guido.

Kennen Sie Guido? Ich bin sicher, DIESEN Guido kennen Sie noch nicht. Er ist nämlich ganz anders als die Guidos, die man sonst so kennt! Viel poetischer. Und so sprachgewandt.

Woher ich das weiß?

Heute berichtet die Tageszeitung „Die Welt“ unter der Überschrift „Meine Liebe zu dir ist so tief“ über eine sensationelle Entdeckung! Im italienischen Verona haben Studenten in einer Bibliothek die vermutlich älteste Anleitung zum Verfassen werbender und buhlender Briefe entdeckt.

Das Lehrbuch „Modi dicataminum“ auf Pergament und in lateinischer Sprache geschrieben, stammt aus dem 12. Jahrhundert und enthält ein ganzes Kapitel über formvollendete Formulierungen und Floskeln, mit denen sich Frauen im Mittelalter gern betören ließen.

Autor dieses Kompendiums ist – Sie ahnen es – Guido. Der greift eindrucksvoll in die rhetorische Trickkiste, um angebetete Damen zu betören:

„Meine Liebe zu dir ist so tief, dass ich sie mit Worten nicht auszudrücken vermag, könnte auch jede Membran meines Körpers sprechen.“

Na bitte, das hat Stil, was der galante Guido da schreibt. Er empfiehlt auch folgende Formulierung:

„Ich schicke dir so viele Grüße, wie es Fische im Meer gibt“. Alternativ für die späteren Liebesbekundungen schlägt Guido „so viele Blumen wie der Sommer bringt“ als gute Schlussformel vor.

Eine weitere Empfehlung von Guido:

Erfolg bei den Damen verheißen auch Vergleiche mit Edelsteinen. Nicht zu vergessen: Das Zuschreiben von Attributen wie Güte und Sanftmut.

Tja, er hat sich wohl ausgekannt, der Guido. Und schreibt so ganz anders als die SMS-Generation von heute. Da kommt höchstens ein „HDGDL“ (hab dich ganz doll lieb) oder vielleicht auch ein ZUMIOZUDI, also ein „zu mir oder zu dir?“ Dahinter steht die Absicht „Mömidiku“, also „möchte mit dir kuscheln“. Und wenn das schiefgeht, bleibt immer noch ein LEIA, ein „Liebling, es ist aus“.

Und wie lesen sich Liebesgeschichten heute? So:

Jan und seine Dudes spachtelten erst eine Assischale und lasen dabei die Maurerbibel, danach gingen sie in den Fummelbunker. Jan lernte eine tuffige Tschaia mit Schlampenstempel kennen und kaufte sich einen Leuchtkeks. Jetzt wollte Jan Welle machen und literte zu viel. Daheim fuhr er den Porzellanbus, ohne dass die Erzeugerfraktion es checkte. Sonst hätten die ihn noch in eine Fantafarm verfrachtet.

Hier die Auflösung:

Jan und seine Kumpel aßen erst Pommes mit Ketchup und Majo und lasen die Bildzeitung, danach gingen sie in die Disko. Jan lernte ein hübsches Mädchen mit einem Steißbeintattoo kennen und wurde ganz aufgeregt. Jetzt wollte er angeben und trank zu viel Alkohol. Daheim übergab er sich, ohne dass seine Eltern es mitbekamen. Sonst hätten die ihn noch in eine Entziehungsklinik gesteckt.

Was würde Guido wohl dazu sagen?

 

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