Warum jeder 6. Lehrer ungeeignet ist
Stimmt.
Als hätte ich es nicht aus eigener Erfahrung gewusst! Aber jetzt ist es raus. Der Potsdamer Psychologe Uwe Schaarschmidt hat es herausgefunden und heute veröffentlicht. Jeder sechste Lehrer in Deutschland ist ungeeignet. Mal überlegen. Wie war das denn bei mir in der Oberstufe?
- Religion und Literatur war bei Frau Ostermann. Die war prima. 1,60 m breit, 1,60 m hoch – und ein Herz für ihre Schüler von mindestens 1,60 m mal 1,60 m im Quadrat.
- Mathe war bei Herrn Schwan. Der war zwar ununterbrochen krank. Das fanden aber wir wiederum prima. Allerdings nur bis zur Mathe-Abi-Klausur. Da hat er uns dann einen reingewürgt.
- Englisch war bei Herrn Hamann. Frisch gebackener Vater und Hobbyfotograf. Keine Englischstunde ohne mindestens 30 neue Fotos. Wir haben auf Englisch darüber gesprochen. Unterricht aus dem Leben. Sonst wüsste ich heute noch nicht, dass Windel auf Englisch „nappy“ heißt und ein Windelwechsel entsprechend ein nappy change ist. Nappy change statt happy hour. So ist das mit dem Vaterdasein.
- Sport war bei Herrn Sommer. Ja, der war ganz in Ordnung. Vor allem hatte er schnell verstanden, dass ich eher zu den Talenten gehöre, die den theoretischen Aspekten des Sports mehr Begeisterung schenken als den praktischen Ansätzen. Aber bitte: Systemtheoretiker hat es zu jeder Zeit gegeben – und das sind schließlich auch wichtige Menschen.
- Bio war bei Frau Esser. Eine sehr interessante Frau. 1,80 m groß und sehr schlank. Mitte fünfzig. Ihr wurde damals ein Verhältnis mit dem Direktor nachgesagt. Der war allerdings nur 1,70 Meter groß und nicht so schlank. Dafür hatte er immer eine dicke Zigarre im Mund. Was ihm nach oben fehlte, wurde eben einfach nach vorne kompensiert.
- Deutsch war bei Frau Kreudel. Ein Name, ein Programm. Es gibt einen Grund dafür, warum sie an sechster Stelle hier steht. Oh ja!!!
Aber warum ist denn nun jeder 6. Lehrer ungeeignet?
Nach Meinung des Psychologen Uwe Schaarschmidt liegt das daran, dass bereits ein Viertel aller Lehramtsstudenten ausgebrannt sind, obwohl sie nie gebrannt haben. Und dieses Verhaltensmuster fände sich dann auch an den Schulen wieder: Dort würden rund 30 Prozent der Lehrer Zeichen eines Burnout-Syndroms zeigen, und 15 Prozent wären schlichtweg ungeeignet.
Der Frankfurter Pädagogik-Professor Udo Rauin geht sogar noch weiter. Seiner Einschätzung nach gehen rund 25 Prozent der Lehrer in die Schule, weil sie nicht arbeiten wollten. Aha. Ich meine, das haben wir als Schüler ja auch so gemacht. Aber warum ist denn jetzt so ein Kampf um die Lehrer entbrannt? Und warum wurde in dieser Woche beschlossen, den Lehrern in Berlin 10 Prozent mehr Lohn zu zahlen, und die Verbeamtung wieder in Aussicht gestellt? Damit sie arbeiten – oder damit sie nicht arbeiten. Oder damit die, die arbeiten, mehr arbeiten, damit nicht auffällt, dass 25 Prozent überhaupt nicht arbeiten? Fragen über Fragen, die da wieder im Raum stehen.
Aber vielleicht liegt es ja auch an den Pausen. Das sage nicht ich. Das sagt der Frankfurter Pädagogik-Professor. Zitat: „Der Lehreralltag in der Schule ist nicht menschengerecht, da es an Erholungsraum fehlt.“
Meint er das jetzt eigentlich in Bezug auf die Schüler – oder in Bezug auf die Lehrer? Und was heißt da, es fehlt an Erholungsraum? Wie ist das denn mit den Sommerferien, Herbstferien, Weihnachtsferien, Osterferien, Faschingsfrei und Pfingstferien?
Also, ich hätte auch gerne so viel frei! Mein Chef meinte: Das könne ich haben. Aber soooooo habe ich das dann nun auch wieder nicht gemeint. Und überhaupt:
Wenn jeder sechste Lehrer ungeeignet ist. Wie sieht es denn dann aus mit den Chefs? Ich werde mal nach einer entsprechenden Studie suchen. Gibt es bestimmt.
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