Keiner weiß nix
Heute fragt die Bild-Zeitung: „Gehen jetzt die ersten Bundesländer bankrott?“. Hamburg und Schleswig-Holstein müssen mal eben 3 Milliarden Euro in die HSH-Bank pumpen, damit die nicht über die Wupper geht. Dummerweise haben Hamburg und Schleswig-Holstein das Geld selber nicht. Aber da sie den bravsten Bürgen aller Zeiten in Anspruch nehmen können – den Steuerzahler – bekommen sie von den Banken das Geld geliehen, dass sich die Banken nicht leihen …
Dummerweise, aber darüber spricht man ja nicht gerne, sind die zukünftigen Zinslasten auf die Staats- und Bundesländerschulden schon jetzt höher als die derzeitigen Schulden (knapp 1,6 Billionen Euro Schulden, denen – je nach Lesart, knapp 2 Billionen Euro an zukünftigen Zinszahlungen (inklusive Zinseszinseffekt) gegenüberstehen). Aber der Steuerzahler wird es schon richten.
Oder ist es der Steuerzahler, der es überhaupt anrichtet? Ist er der Verbraucher, der eben keine Schießer-Unterwäsche mehr kauft und die dicken Autos von BMW und Mercedes links liegen lässt?
Oder ist der Steuerzahler nur der Dumme, der, verunsichert von ständig neuen Diskussionen über CO2-Steuer und Strafsteuer auf große Autos, eben keine großen Autos mehr kauft und erst dadurch die Autobauer in die Krise bringt? Schade nur, dass die großen Autos (z.B. von VW) in Deutschland und die kleinen im Ausland gebaut werden.
Aber in Zeiten wie diesen weiß man ja eigentlich, dass man nichts weiß. Umso erstaunlicher, wie viele Menschen trotzdem behaupten, etwas zu wissen. Zum Beispiel die so genannten Experten für Energiefragen. Heute vor 1 Jahr berichtete Bild: „Ölpreis nie wieder unter 100 Dollar“. Dabei berief sie sich auf die Aussagen so genannter Energie-Experten der Weltbank. Heute steht der Ölpreis bei knapp 40 Dollar.
Solche Experten sitzen aber nicht nur in Weltbank und Energieagenturen. Wie sagte der Chef der „Wirtschaftsweisen“ Bernd Rürup im September 2007? „Die internationale Finanzmarktkrise schlägt nicht unmittelbar auf die realwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland durch.“ Falsch! Siehe Auto und andere Branchen. Und: „Keine Bankenkrise in Deutschland.“ Das würden Schleswig-Holstein und Hamburg heute gerne so haben. Aber vielleicht haben sie ja die Experten befragt, was sinnvoller ist: „Geld nachschießen, oder nicht?“ Wobei die Frage eigentlich überflüssig ist. Denn die Rechnung bekommt am Ende der Gleiche präsentiert. Der Steuerzahler. Und die Diskussion über den „Krisen-Soli“ hat gerade erst begonnen …
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