Es gibt Redner, die halten sich für ungemein witzig. Schade nur, wenn das Publikum das ganz anders sieht. Gestern war es so weit. Der Redner – ein Banker – erzählt seinem staunenden Publikum (geschröpfte Anleger), dass derzeit die merkwürdigsten Empfehlungen kursieren. „Stellen Sie sich vor (haha), es gibt doch Menschen, die empfehlen derzeit, Gold zu kaufen. Gold (hahaha)! Das bringt doch über die Jahre maximal 1 bis 2 % Rendite. Das ist doch lachhaft. Das ist nicht mal der Inflationsausgleich. Hahaha. Da kann man sein Geld ja auch gleich in Zigaretten anlegen (hahahaha).”
Dummerweise war der Banker der Einzige im Raum, der lachte. In die Stille meldete sich ein Mann aus dem Publikum: „Ich wäre sehr, sehr froh, wenn ich nur 1 % Rendite hätte. Ich schiebe derzeit in meinem Depot 35 % Verluste vor mir her …”
Tja, Sie können sich vorstellen, dass der Abend in wenig humorvoller Stimmung weiterverlaufen ist. Da hat der witzige Banker aber ganz schön danebengegriffen.
Es ist aber auch so eine Sache mit Humor in der Rede. So etwas muss man können!
Was aber tun, wenn man es nicht kann – und sein Publikum trotzdem mit einem Schmunzeln gewinnen will? Das ist doch gar kein Problem! Dann bedienen Sie sich einer Expertenmeinung, die unzutreffend oder inzwischen überholt ist – und haben damit gleichzeitig einen wunderbaren Einstieg in IHR Thema. Hier mal ein paar Beispiele:
„640 KB sollten genug für jedermann sein.”
Bill Gates (*1955), amerikanischer Software-Unternehmer. Das Zitat stammt aus dem Jahr 1981.
„Computer der Zukunft werden nicht mehr als 1,5 Tonnen wiegen.”
Die Zeitschrift „Popular Mechanics” im Jahr 1949
„Aber für was ist das gut?”
Ein IBM-Ingenieur im Jahr 1968 zum Microchip
„Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt.”
Thomas Watson (1874-1956), Vorstandsvorsitzender von IBM. Das Zitat stammt aus dem Jahr 1943.
„Ich habe die Länge und Breite dieses Landes bereist und mit den besten Leuten geredet, und ich kann Ihnen versichern, dass Datenverarbeitung ein Tick ist, der dieses Jahr nicht überleben wird.”
Richard Ettinger, Gründer des US-Verlags Prentice Hall, im Jahr 1957
„Es gibt keinen Grund, warum irgendjemand einen Computer in seinem Haus wollen würde.”
Ken Olson (* 1926), Gründer und Präsident von Digital Equipment Corp., im Jahr 1977
„Es gibt nichts Neues mehr. Alles, was man erfinden kann, ist schon erfunden worden.”
Charles H. Duell, Angestellter im US-Patentamt im Jahr 1899
„Tut mir leid, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was U-Boote im Krieg bewirken könnten – außer, dass sie ihre Besatzungen dem Erstickungstod aussetzen.”
Herbert George Wells (1866 – 1946), englischer Romancier und Essayist. Zitat aus dem Jahr 1901.
„Dieses Telefon hat einfach zu viele Mängel, als dass man es für Zwecke der Kommunikation einsetzen könnte. Das Gerät ist wertlos für uns.”
Ein frühes internes Papier der Western Union (ehemals führendes Telegrafie-Unternehmen in den USA, heute führender Anbieter von weltweitem Geldtransfer) zum Thema Telefon aus dem Jahr 1876
„Nach Öl bohren? Sie meinen, Löcher in die Erde bohren und hoffen, dass Öl rauskommt? Sind Sie verrückt?”
Antwort eines Bankers, den der Pionier für Ölbohrungen, Edwin L. Drake (1819-1880), für ein Bohrprojekt gewinnen wollte
Haben Sie es bemerkt? Mit dem letzten Zitat habe ich elegant den Bogen zurück zum Thema „Banker” geschlagen. Deshalb hier noch mein abschließendes Fazit zu dem „lustigen Banker” von gestern:
Wie behandeln Banker ihre Kunden? – Wie rohe Eier. Und wie behandelt man rohe Eier? – Man haut sie in die Pfanne!
Ganz in diesem Sinne wünsche ich IHNEN, dass Sie nicht in die Pfanne gehauen werden, sondern ein schönes Maiwochenende verbringen. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie nie vergessen, weshalb es Banken gibt:
Wozu gibt es Banken? Das ist eine sehr wichtige Wirtschaftseinheit: Die Bank gibt dir Geld, das du nicht hast, damit du dir Sachen kaufst, die du nicht brauchst, um damit Leuten zu imponieren, die du nicht magst!
Mit besten Grüßen
Ihr Günter Stein
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Danke für die interessante Zusammenstellung, das unterstützt meine Meinung von den unfehlbaren Prognosen der meisten Experten