Steins Blog

22. Mai 2009

Haben wir einen „Armuts-Alarm“ in Deutschland?

mittwoch_armutArm sein

Heute fällt mir die Bild-Zeitung von gestern in die Hand. Riesenüberschrift auf Seite 1: „Ab wann bin ich arm?” Darunter geht es weiter im Text: „Neue Studie: Jeder 7. Deutsche von Armut bedroht”.

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Für einen Alleinstehenden heißt das: Er ist mit weniger als 764 Euro im Monat arm. Bei einer Familie mit drei Kindern liegt die Grenze bei 2.064 Euro im Monat.  Bei einem Paar mit 1 Kind bei 1.605 Euro, bei einem Paar ohne Kind bei 1.376 Euro.

Bild zeigt dann auch das gleich das Foto einer vierköpfigen Familie, sie nicht ausgebildet und Harzt-IV-Empfängerin, er in einer vom Staat gezahlten Umschulung, die sich bitter darüber beschwert, dass sie nur 1.817 Euro netto pro Monat von Staat und Steuerzahlern bekommt, und dass das hinten und vorne nicht reicht. Zitat: „Wir kommen nur gerade so über die Runden. Dabei würden wir den Kindern so gerne mal einen Tag im Zoo bieten.”

Ich weiß nicht, was SIE verdienen. Aber in Deutsche Mark ausgedrückt 3.600 Mark netto halte ich jetzt nicht für wenig. Natürlich kann man damit keine großen Sprünge machen. Aber ich halte eine Gesellschaft, die ungelernte Menschen wie diese Frau und einen in Umschulung befindlichen Mann) mit 3.600 Mark, pardon 1.817 Euro unterstützt, für großartig. Höre ich da jemanden „Danke” sagen?

Daneben wird noch eine andere Familie abgebildet, fünfköpfig. Er, Installateur, hat seinen Job verloren. Sie arbeitet nicht. Beide beklagen sich, dass sie nur 2.030 Euro netto zur Verfügung haben – und das damit an einen Familienurlaub nicht zu denken ist …

Ich habe wirklich ein Problem damit!

Ja, wenn man lange arbeitslos ist – oder erst gar nicht in eine Ausbildung wollte, verdient man wenig Geld. Ja, es kann jeden treffen. Und trotzdem:

Wie wären denn mal Worte gewesen á la:

„Wir werden jetzt vom Steuerzahler mit über 2.000 Euro im Monat unterstützt. Das ist nicht sehr viel Geld, aber wir haben ein Dach über dem Kopf, wir und unsere Kinder haben zu Essen – und uns verschafft das den Freiraum, uns um unsere Weiterbildung zu kümmern, damit wir wieder in Lohn- und Brot kommen, damit wir dann mithelfen können, andere, die in Not gekommen sind, zu unterstützen.”

Aber vielleicht sehe ich das ganze ja auch nur zu naiv. Und bekomme wieder Prügel für Zeilen wie diese.

Eines dürfen Sie aber nicht vergessen …

Haben wir wirklich einen „Armuts-Alarm” in Deutschland? Nein. Das ist Unsinn!

Die Berechnung der „Armutsgrenze” ist ein statistischer Taschenspielertrick! Kommen morgen tausend neue Millionäre nach Deutschland, steigt das Durchschnitseinkommen – und plötzlich haben wir in Deutschland etliche tausend „Arme” mehr, ohne dass sich sonst irgendetwas geändert hat!

Umgekehrt funktioniert das auch: Verlassen plötzlich tausend Millionäre sinkt auch die Zahl der „Armen”. Insofern müssten die Parteien, die jetzt am lautesten schreiben, früh um jeden Millionär sein, der im Land bleibt oder ist.

Ich schließe mich (ausnahmsweise) dem Chefredakteur der Bild-Zeitung an, der schreibt:

„Wahr ist: Natürlich gibt es ärmere und reichere Regionen in Deutschland. Natürlich gibt es ein Gefälle von Süd nach Nord, von West nach Ost.

Aber ungleich heißt nicht automatisch auch „ungerecht”. Beispiel Bayern: Vor Jahrzehnten fast noch ein Agrar-Armenhaus, steht es heute an der Spitze.

Die Unterschiede in Deutschland haben viele Wurzeln, manche reichen Jahrhunderte zurück. Daran ändert auch keine Statistik etwas, die Armut wahllos definiert, um Gleichmacherei zu rechtfertigen.”

Jawohl, that’s it!

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