Am Sonntag hat meine Schwester angerufen. Sie beschwerte sich bitterlich. Sie hat einen neuen Chef. „Der ist ein richtiges Ar…l…”, sagte sie. „Jaja”, antwortete ich. „Den Charakter eines Menschen erkennt man erst dann, wenn man ihn als Vorgesetzten hat”. Das hat übrigens Erich Maria Remarque gesagt.
Meine Schwester kennt Remarque nicht. Dafür aber ihren neuen Chef umso besser. „Der mobbt mich, wo er nur kann. Seit er da ist, hat er mich als Opfer ausgeguckt.”
Ich will Sie jetzt nicht mit dem Leid meiner Schwester behelligen. Doch was macht man in so einer Situation? Er will sie ganz offensichtlich loswerden. Und da hilft nur: „Mobbingtagebuch führen”, damit später wenigstens noch Geld raus verhandelt werden kann. Ich weiß, dass das wenig befriedigend ist. Aber ganz ehrlich: Wenn man einen Ar…-Chef hat, hat man als Arbeitnehmer auch die Ar…-Karte gezogen.
Und es scheint nicht wenige Arbeitnehmer zu geben, die so einen Chef abbekommen haben:
Ich habe vor einiger Zeit mal das Buch der „Ar…lo…Faktor” (ich trau mich gar nicht, das Wort auszuschreiben) gelesen. Geschrieben von einem Harvard-Professor! Und der hat nachgewiesen, dass Mitarbeiter, die ständig mit einem Ar… zusammenarbeiten müssen, auf Dauer selbst zu einem solchen werden!
Das Problem:
Das Arsenal der Ar…l… ist groß:
Manche konzentrieren sich lieber auf subtile Formen: kleine, tägliche Sticheleien und Kränkungen, die das Arbeiten zur Qual machen. Andere lassen das Hinterteil dagegen gleich offen zuvorderst heraushängen. Nur:
- Was ist beispielsweise, wenn der Chef einen ständig rüde unterbricht oder anstarrt?
- Wenn ein Kollege herabsetzende E-Mails verschickt oder sein Gegenüber wie Luft behandelt?
Natürlich – das betont auch Sutton, so heißt der Professor, der das Buch geschrieben hat – kann jeder mal einen schlechten Tag haben und Anstandsregeln verletzen. Aber ein ,,amtliches Ar…lo…” verhält sich regelmäßig so fies wie Meryl Streep in dem Film ,,Der Teufel trägt Prada” oder Dieter Bohlen, wenn er angehende Superstars niedermacht.
Abschreckende Beispiele aus dem richtigen Leben gibt es genug: Hollywood-Produzent Scott Rudin schaffte das Kunststück, in nur sechs Jahren 250 persönliche Assistenten zu verschleißen.
Aber:
Ar…l… können sich nur verbreiten, lehrt Sutton, wenn sie im Unternehmen geduldet werden. Was im Umkehrschluss heißt: Gegen Tyrannen und Intriganten kann man sich wehren. Etwa indem man Netzwerke mit gleichgesinnten Kollegen bildet, in Konfliktfällen emotionale Distanz entwickelt, gelegentlich auf Tauchstation geht und lernt, sich nicht in die Opferrolle drängen zu lassen. Das nennt der Professor ,,Effektives Arschlochmanagement”. (Jetzt musste ich es doch ausschreiben.)
Hinter dieser Art Management verbirgt sich eine Unternehmenskultur, die respektlose Verhaltensweisen und Erniedrigungen nicht toleriert. Was schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen Sinn macht und deshalb von den „guten” Chefs ausdrücklich gefördert werden sollte. Denn: Die Kündigungen von frustrierten Fachkräften sind meist teurer als Konfliktlösungen.
Brauchen Sie also ein A…lo…-Management?
Ja, wenn Ihr Chef zu dieser Gruppe gehört. Ob er das tut, können Sie schell herausfinden! Die folgende Übersicht hilft dabei:
Der gute Chef …
- Er gibt den Mitarbeitern klare, realistische Ziele vor.
- Er behandelt Mitarbeiter neutral und nach ihrer Leistung.
- Wenn er Mitarbeiter kritisiert, tut er es sachlich und unter vier Augen.
- Er ist für die Mitarbeiter ansprechbar.
- Er holt sich die besten Mitarbeiter in die Führungsriege.
- Er informiert die Mitarbeiter regelmäßig über Umstrukturierungen, Personalien sowie die Lage der Firma am Markt.
- Er ist entscheidungsfreudig; wer ihm Vorschläge macht, bekommt eine rasche Antwort.
Der andere Chef …
- Er schwafelt auf Betriebsfeiern gern Vages, Illusorisches wie „Nächstes Jahr werden wir ein Global Player sein.”
- Er hätschelt unabhängig von deren Können Kumpel aus alten Seilschaften, mit denen er Leichen im Keller hat.
- Er putzt Mitarbeiter vor versammelter Mannschaft nach Strich und Faden runter.
- Er schottet sich durch Zwiebelringe von Unterchefs gegen den Plebs ab, benutzt einen eigenen Aufgang, isst nie in der Kantine, bunkert sich im Chefzimmer ein.
- Er umgibt sich mit bestenfalls mittelmäßigen Figuren, von denen er annimmt, dass sie ihm nicht gefährlich werden können.
- Er hortet sein Herrschaftswissen, um durch dunkle Andeutungen die Belegschaft jederzeit verunsichern zu können.
- Er schiebt alles auf die lange Bank, reagiert nicht auf Mitarbeiteranregungen, gibt aber gute Ideen grundsätzlich als seine eigenen aus.
So – und wenn Sie jetzt ehrlich geantwortet haben, wissen Sie auch, welche Art von Chef Sie haben … 3-mal auf der rechten Seite geantwortet ist ein deutliches Alarmsignal!



Sehr geehrter Herr Stein,
es ist immer wieder erfrischend, Ihre lockeren Ausführungen genüsslich auf der Zunge zergehen zu lassen. Und ich bin Ihnen dankbar, dass Sie diese Sprache beherrschen. Es so selten in der heutigen Zeit, Menschen mit einem kritischen Background anzutreffen. Die meisten schaffen es nur, wenn sie ihrem Gesprächspartner (Anonymität) nicht gegenüber sitzen. Obwohl man sich nicht kennt, noch nie gesehen hat, genügt ein Wort und man benimmt sich am Telefon als wären wir alte Freunde.
Ich kenne z. B. eine Unternehmung, die hat einen Geschäftsführer, der nur sehr schwer erreichbar. Das Wunderbare ist aber, diese Firma macht keinen Umsatz, produziert nichts und hat trotzdem seit 2001 ungefähr € 7,0 Mio ausgegeben.
Ich habe die Möglichkeit eine Anlage ins Ausland zu verkaufen. Leider ist das nicht möglich, weil es keine verkaufsfördernden Unterlagen gibt.
Hier geht es letztlich darum, dass man als Unternehmens-Partner um ein mögliches Geschäft \gemoppt\ wird. \Was, Du willst mich dazu bringen zu arbeiten\?
In einer anderen Firma habe ich als Freiberufler 3 Baustellen betreut. Eine in Ludwigshafen, eine in Wilhelmshaven und eine in Berlin. Jede Woche bin ich ca. 2.500 km mit meinem Privatwagen gefahren. Den Wechsel von einer Baustelle zur anderen habe ich stets in meiner Freizeit gemacht. Tagsüber von 07:00h bis ca. 19:30h gearbeitet und anschließend zur nächsten Baustelle gefahren. Nach ca. 600 km bin ich angekommen und nach ca. 3 Std. war ich wieder im Einsatz. Dem Bauleiter in Ludwigshafen war das zu wenig. Er fühlte sich vernachlässigt und hat mich bei der Geschäftsleitung schlecht gemacht. Der Werkvertrag wurde mir von der Geschäftsleitung gekündigt.
Deutschland ist ein Land der Duckmäuser und Intigranten geworden. Verständlich, seit das Gerücht in die Welt gesetzt wurde, das man sich langsam aber sicher darauf einstellen müsse, dass es keine \lebenslangen Arbeitsplätze\ mehr geben wird.
Wünsche Ihnen ein schönes Pfingstwochenende.
Gruß
Helmut Schmidt
Ich kann folgendes dazu schreiben: Ich habe seit zwei Monaten endlich 2 Chefs, die in die gute Kategorie gehören. Davor war ich leider ein Jahr lang mit 2 Chefs konfrontiert die mich regelmäßig innerliche und äußerliche Wutattacken bekamen ließen. Sowohl in der Fa. als auch permanent zuhause. Ein abschalten war unmöglich. Mein armer Freund musste regelmäßig Aufbauarbeit leisten, ich wäre am liebsten garnicht mehr hin gegangen, und das heißt schon viel. Normalerweise stecke ich nicht den Kopf in den Sand.
Nach einem Jahr hab ich gekündigt da ich sonst schon vor meinem 30.ten Lebensjahr einen Herzinfakt erlitten hätte. Oder ein Magengeschür !!!
Ich ärger mich immernoch maßlos über soviel Sturheit, Intolleranz, Blödheit und Machtbesessenheit!
Der Seniorchef war 77 (!!) und das reicht eigentlich schon aus als Beschreibung. Leider ist er hängen geblieben in den 50´ern oder so. Frauen haben eigentlich garnichts zu melden. Kaffee machen, Dinge kopieren, und abheften.
Widerworte? Um Himmels Willen. Verbesserungsvorschläge? Oh mein Gott. Bloß keine Veränderungen. Das Büro sieht heute noch so aus wie 1950 eingerichtet. Sogar mit den selben Gardinen!!! Ich schwöre!
Alles muss schnell gehen, Qualität bleibt auf der Strecke. Dabei werden aber jegliche Neuerungsvorschläge, die eben auch die Arbeit erleichtern und verschnellern würden, ausgeschlagen. Alles bleibt beim alten!
Ich werd schon wieder super sauer.
Vereinbart war eine Arbeitszeit von wöchentlich 37,5 Stunden. Niemand hat etwas gegeb Überstunden. Aber wenn diese regelmäig vorausgesetzt werden (Freitag bleib man im Wechsel auch bis 5 Uhr (obwohl man 15Uhr hätte gehen können) und die Mitarbeiter sich kaum trauen das anzusprechen (außer ich!!) dann ist schon alles zu spät.
Man traute sich auch kaum püntklich das Büro zu verlassen. Denn auch das war nicht gern gesehen!
Wehe man kam morgens auch mal 2 Minuten später! Hilfe, das geht wohl garnicht.
Wenn keine Zeit war die Arbeiten zu erledigen für die man eingestellt war, weil man mit abheft-Blödsinn zugemüllt wurde, dann mussten die Mandanten eben mal 4 Tage länger auf Ihr Ergebnis warten.
Diskussionen darüber endeten indem ich sehr scharf angefahren wurde. Ich habe sehr klar und sachlich diskutiert, aber er ging nicht mal ansatzweise darauf ein:
WORTWÖRTLICH: ich solle nur das tun was mir aufgetragen wird..
MITDENKEN / VORSCHLÄGE ZUR VERBESSERUNG MACHEN
V E R B O T E N
Und das alles gipfelte dann noch in einem schlechten Arbeitszeugnis…
(ich hab von meinen vorherigen Arbeitgebern SEHR GUTE Zeugnisse erhalten)
Unglaublich möchte man meinen solche Seniorchefs wären langsam mal ausgestorben.
Naja hier drüfte es ja auch nur noch 10-20 Jahre dauern, dann hat die Welt ein Problem weniger!
So, und das musste mal gesagt werden!!!
Wenn ich das so lese, denke ich: Es gibt Erfahrungen, die man im Leben wirklich nur einmal machen muss.
Da fällt mir ein Bericht ein, den ich Klasse fand:
Eine Arbeitnehmerin ist während ihrer Probezeit zum Chef gegangen und teilte ihm mit: “Es tut mir leid Ihnen mitteilen zu müssen, dassSIE die Probezeit nict bestanden haben.” Klasse, so was!
Wie wär´s mal die Gegenseite zu nennen. Ich bin auf ehrenamtlicher Basis Arbeitgeber (gemeinnütziger Verein) und muss die A…los von Arbeitnehmer aushalten. Die
- übertafiflich bezahlt werden
- bezahlte Pausen haben
- Bezuschusstes Essen haben
- großzügig Verfügungszeit (>10% von der
Gesamtsarbeitszeit)
- Personalschlüssel 1:3 (normal 1:bis 23)
- u.s.w.
Ich arbeite wöchentlich 60 Std. ehrenamtlich und hab mehr als die A…karte.
Ich kenne auch beide Seiten. Zuerst als Angestellter (wobei ich ausgesprochenes Glück mit meinen Chefs hatte) – dann als Chef von 90 Mitarbeitern. Das war in der Tat nicht mit jedem Arbeitnehmer einfach. Das gebe ich zu. Es gibt halt auf jeder Seite solche und solche. Leider!!!
Beste Grüße
GS
Hallo Herr Stein,
vielen Dank für die amüsanten und gleichfalls realistischen Anekdoten.
Das mit den Chefs ist so eine Sache. Früher, als Arbeitnehmerin, hatte ich eine Vielzahl von Vorgesetzten, die man getrost als inkompetent in Mitarbeiterführung betrachten konnte. Mangels Menschenkenntnis und totaler Überforderung kam es zu häufigen Konflikten.
Inzwischen bin ich selber Arbeitgeberin und versuche, es besser zu machen. Das gelingt mir natürlich nicht immer, aber ich denke allein der Versuch zählt. Eine möglichst neutrale, i.S. von obkjektiver Bewertung meiner Bewertung ist für mich das Maß der Dinge.
Grüße, E. Willing
Tja, das kenne ich aus vielen Unternehmen. Man wird zum Chef gemacht – und dann los. Da bleibt die Mitarbeiterführung gerne auf der Strecke ….
SChön, dass Sie dies in die “Arbeitgeber-Position” mit übernommen haben um es selber anders zu machen. Wollen wir hoffen (siehe Bericht des Chefs vorher) dass auch die MItarbeiter mitmachen. Aber ich halte es da auch mit dem Grundsatz: So wie man in den Wald hineinruft …
Beste Grüße
GS
Hallo Herr Stein,
ich lese als Arbeitnehmerin gerne Ihre Newsletter und die aktuellen Gerichtsurteile. Wie schön wäre es, wenn die neuen Tarifverträge auch für mich zutreffen würden!
Ich arbeite in Frankfurt (Oder) in einem Mittelständischem Unternehmen. Heute kam in den Nachrichten, dass Ostdeutschland von der Wirtschaftskriese nicht so stark betroffen ist wie Westdeutschland, weil mehr Klein- und Mittelständische Unternehmen sesshaft sind als Konzerne. Cool! Klein- und Mittelständische Unternehmen haben keine Tarifverträge, springen mit den Mitarbeitern, bevorzugt Frauen, derart abwertend um,unbequeme Arbeiten werden von oben nach unten delegiert, Stellenbeschreibungen existieren nicht, Email und Internetbenutzung wird überwacht und bei einzelnen Personen angeprangert… “Sei doch froh dass du Arbeit hast”, so oft der Kommentar, “andere würden Deine Arbeit sicher gerne machen”… “Such Dir doch einen Arbeitgeber, der Arbeitnehmerfreundliche Arbeitsverträge macht”…
Unsere Kollegen in München würden und haben sich die “Schreiattaken” und Cholerischen Anfälle meines Chefs nicht gefallen lassen, die gehen sofort zu Betriebsrat und finden dort ihren Rückhalt, nicht so bei uns. Jeder stirbt für sich allein.
Ich würde gerne in einer anderen Firma anfangen, leider gehen die Stellenangebote seit Anfang des Jahres gegen 0.
Aber es ist immer wieder gut zu wissen, dass nicht ich schief gewickelt bin und welches Recht ich im Zweifelsfall vor dem Arbeitsgericht Recht bekommen würde.
Liebe Grüße aus FF