Schlechte Zahlungsmoral in der deutschen Wirtschaft

Freitag 5. Juni 2009 von admin
Kategorie: Allgemein, Lohn & Gehalt, Politik |
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050609_dienstagImmer mit gutem Beispiel voran

Wenn ich ganz ehrlich bin – ich finde das unglaublich! Franz Müntefering (SPD) stellt sich hin und sagt: „Nun ist der Staat gefordert. Er muss alles tun, um die Betriebe im Land zu stützen und zu schützen.”

Und Angela Merkel (CDU) pflichtet bei: „Es ist jetzt die dringlichste Aufgabe des Staates, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass die hier ansässigen Unternehmen – und damit Arbeitgeber – Rahmenbedingungen vorfinden, die es ihnen möglich machen, auch in diesen Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise zu bestehen.”

Und wie sieht die Realität aus?

Über die bin ich heute Morgen in der Süddeutschen Zeitung gestolpert. Demnach hat sich nicht nur die Zahlungsmoral in der deutschen Wirtschaft stark verschlechtert – vor allem die öffentliche Hand lässt sich mittlerweile sehr viel Zeit mit dem Bezahlen …

In Zahlen:

  • Deutschlands Firmen geben ihren Kunden in Deutschland durchschnittlich 24 Tage Zeit, um Rechnungen zu bezahlen.
  • Tatsächlich geht das Geld im Durchschnitt nach 28 Tagen ein (letztes Jahr: 25 Tage).
  • Behörden zahlen fällige Rechnungen im Schnitt dagegen nach zwei bis drei Monaten – weshalb die EU jetzt in einer neuen Richtlinie Behörden dazu verpflichten will, Rechnungen nach 30 Tagen zu bezahlen.

Wer aber lässt sich aus der Wirtschaft am meisten Zeit mit dem Bezahlen?

  • Unternehmen aus dem Großhandel zahlen im Durchschnitt 13 Tage, nachdem eine Rechnung bereits überfällig ist.
  • Unternehmen aus der Baubranche brauchen nochmal zwei Tage länger – also 15 Tage (und mehr).
  • Einsamer Spitzenreiter sind die Unternehmen aus dem Verkehrs- und Logistikbereich: 16 Tage für die Bezahlung einer bereits überfälligen Rechnung sind der Durchschnitt.

Wer sind die Allerpünktlichsten?

Unternehmen aus der Chemie- und der Metall- und Elektrobranche. Sie zahlen meistens, bevor eine Rechnung überfällig wird.

Eine Zahl zum Merken

Angenommen ein Unternehmen mit einer Umsatzrendite von 2,5 % hat einen Forderungsausfall von 10.000 Euro. Wie viel muss das Unternehmen mehr an Umsatz erwirtschaften, um diesen Ausfall auszugleichen?

Thomas Langen, Chef von Atradius Deutschland, hat es ausgerechnet: 400.000 Euro!

 

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