Phrast Ihr Chef oder spricht er mit Ihnen?
Die Woche fängt ja richtig gut an! Kaum schlage ich die Zeitung auf, schon springt mir die Headline entgegen: „So entlarven Sie die Chef-Phrasen”. Das klingt interessant. Erstens, weil ich im Laufe der Jahre selber ganze Reihen von Chefs hatte – und zweitens, weil ich später selber Chef gewesen bin.
Und Hand aufs Herz:
Jeder hat einen: Chef, Boss, Vortuner, Häuptling. Und manchmal ist das, was er oder sie an der Spitze eines Teams oder einer Abteilung so von sich gibt, ein Buch mit sieben Siegeln. Vor allem, wenn der Chef vermeintlich kompetent klingende Phrasen und Worthülsen benutzt.
Doch jetzt habe ich etwas Tolles für Sie!
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Ab sofort können Sie Ihren Chef lesen. Denn Karrierecoach Martin Wehrle und Unternehmensberater Hans Rudolf Jost haben die Phrasen der Chefs dechiffriert! Deshalb: Achten Sie doch mal auf folgende Aussagen Ihres Chefs (oder natürlich auch Ihrer Chefin) – und übersetzen Sie, was er/sie wirklich meint:
| Chef sagt | Chef meint |
| Ich gebe einen Denkanstoß. | Das ist nicht ernst gemeint. |
| Wir müssen uns eng abstimmen. | Ich befehle Ihnen das. |
| Wir arbeiten ergebnisorientiert | Wir gehen ohne Rücksicht auf Verluste vor. |
| Das ist grenzwertig. | Das ist unzumutbar. |
| Das ist eine Herausforderung. | Wir haben ein Problem. |
| Hier besteht Anpassungsbedarf. | Sie arbeiten so lange weiter, bis die Hölle zufriert. |
| Das ist ein interessanter Einwand. | Sie langweilen mich zu Tode. |
| Das ist der Knackpunkt. | Mir ist das Problem bekannt, aber ich löse es bestimmt nicht. |
| Lassen Sie uns das diskutieren. | Ich habe sowieso Recht. |
| Wir müssen nachhaltig denken. | Wir müssen bis zur nächsten Konferenz denken. |
| Offen gesagt | Ich lüge gerade. |
| Wir müssen Ihre Arbeit optimieren. | Ich presse Sie aus. |
| Roundabout | Ich weiß es auch nicht. |
| Wir brauchen eine Streitkultur. | Ich muss hier die Meinung des Vorstandes durchboxen. |
| Das ist ein umsetzungsorientierter Macher. | Das ist eine Kampfsau / ein Haudrauf. |
| Wir sollten es zeitnah umsetzen. | Schauen Sie bloß, dass es am besten gestern erledigt ist. |
| Bleiben Sie zu Hause, wenn Sie krank sind. | Hähä! – Dauerkranken kann man kündigen. |
| Als Frau haben Sie dieselben Chancen. | Aber mir fällt schon ein Grund ein, warum Sie nicht befördert werden. |
Übrigens:
Unternehmensberater Jost hat herausgefunden und (in seinem Buch „Best of Bullshit”) beschrieben, was Führungskräfte gerne für Ausreden benutzen. Hier die
Top 10 der Ausreden bei Erfolgsfreiheit:
- Der Server ist abgestürzt.
- Die Zentrale hat entschieden.
- Die Zentrale hat nicht entschieden.
- Die IT-Abteilung hat uns das aber versprochen.
- Das war doch nicht mit Herrn xy abgestimmt, oder?
- Das haben wir schon 1997 mal versucht.
- Ich war bei der Mail nicht „cc” gesetzt.
- Ich war im Funkloch.
- Der Akku war leer.
- Dafür ist aber Herr xy zuständig gewesen.
So – und nun viel Spaß beim Analysieren Ihres Chefs …


