Woran ist Wiedeking letztendlich gescheitert?
Darf ein einzelner Mann 50 Millionen Euro Abfindung bekommen? Diese Frage wird heute in vielen Blogs und Diskussionsforen diskutiert. Warum eigentlich? Dem scheidenden Porsche-Chef Wiedeking bleibt doch mit dieser Abfindung kaum was zum Leben. Das muss alles versteuert werden. Dann soll die Hälfte in eine Stiftung wandern …
Ein Wirtschaftsjournalist des Radiosenders SWR3 hat es schnell ausgerechnet:
Privat bleiben Wendelin Wiedeking von der Abfindung wohl gerade einmal 7 Millionen Euro. Der arme Mann wird sich aber ganz schön einschränken müssen. Und was, wenn er sein Dienstauto nicht behalten darf? Dann schlägt das Schicksal aber nochmals viel härter zu …
Oder eher doch nicht? Aus Porsche wird ja jetzt VW. Ich freue mich schon auf das nächste Verkaufsgespräch:
„Darf ich Ihnen den Carrera zeigen. Oder möchten Sie lieber eine Probefahrt mit dem Polo. Oder den Skoda Octavia. Oder lieber den Seat Ibiza? Ist auch sehr schön …”
Nein, Spaß beiseite. Der Mann hat sicherlich Außergewöhnliches geleistet. Immerhin war Porsche vor seinem Amtsantritt so gut wie weg vom Fenster – und der Börsenwert des Unternehmens liegt jetzt weit über den im Vergleich dazu läppischen 10 Milliarden Euro Schulden, die Porsche mit dem Versuch der VW-Übernahme aufgehäuft hat.
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Woran ist Wiedeking denn letztendlich gescheitert?
Die BILD-Zeitung – und die muss es ja wissen – meint heute in ihrer
Online-Ausgabe:
1. Überheblichkeit:
Wiedeking, ein Mann mit einem Ego so groß wie der Mount Everest, wollte mit VW den größten deutschen Autokonzern schlucken. Ein Plan, der schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt war.
2. Wirtschaftskrise:
Der Porsche-Absatz brach um fast ein Viertel ein. Die Erfolgsspur, auf der er so lange fahren durfte, endete jäh im Graben.
3. Finanzprobleme:
Um VW zu schlucken, hätte Wiedeking mindestens 20 Milliarden Euro gebraucht. Die Banken stellten zunächst entsprechende Kreditlimits bereit. Doch als es für sie selbst während der Finanzkrise eng wurde, begannen sie zu knausern und wollten die bereits an Porsche für den Kauf von 51 Prozent der VW-Aktien vergebenen knapp 10 Mrd. Euro nicht verlängern.
4. Massive Fehleinschätzungen:
- Wiedeking hat den eisernen Willen von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) unterschätzt, am VW-Gesetz festzuhalten, das Niedersachsen mit ca. 20 Prozent VW-Aktien eine Sperrminorität garantierte.
- Seine Hoffnung, Brüssel würde das VW-Gesetz kippen, trog.
- Mit seinem Putsch-Versuch bei VW stieß er den dort übermächtigen Betriebsrat vor den Kopf. Die Arbeitnehmervertreter befürchteten, Wiedeking wolle in Wolfsburg einen ähnlichen Kurs fahren, mit dem er in den 90er-Jahren Porsche aus der Krise geführt hatte: Massenentlassungen zur Kosteneinsparung und Übernahme japanischer Produktionsmethoden. Damit hätte der Betriebsablauf bei VW zwar an Präzision gewonnen, doch große deutsche Autofabriken laufen eben nicht wie computergesteuerte Uhrwerke.
- Auch Wiedekings verzweifelte Bemühungen, dringend benötigte Mittel zu beschaffen, scheiterten kläglich: Das Scheichtum Katar zeigte sich zwar an Porsche interessiert, zückte aber nicht das Scheckbuch. Selbst Wiedekings Winseln bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der größten staatseigenen Bank, wenigstens ein bis zwei Milliarden zu bekommen, verhallte ungehört. Auch hier dürfte ein Berliner Veto eine Rolle gespielt haben.
- Auch Günther Oettinger (55), Regierungschef im Porsche-Land Baden-Württemberg, ließ Wiedeking im Regen stehen. Vermutlicher Grund: Oettingers Landesbank LBBW hat selbst mit der Finanzkrise zu kämpfen und war wohl außerstande, die benötigten Milliarden für Porsche aus dem Hut zu zaubern.
- Mit Wiedekings Gewaltstreich war der mächtigste Strippenzieher bei Porsche und VW, Ferdinand Piëch, nicht einverstanden.
- Wolfgang Porsche (66), der zweite Familien-Großaktionär bei Porsche, versuchte zwar, Wiedeking zu stützen. Doch letzte Nacht gab er angesichts des Finanzdesasters, das Wiedeking angerichtet hatte, auf und ließ ihn fallen. Es ist nämlich ein gewaltiger Unterschied, ob ein Manager Massen von Aktionären oder einem Familien-Clan verantwortlich ist.
Nun denn:
Wiedeking scheidet nicht als armer Mann. Insgesamt hat er als Porsche-Chef fast eine Viertel-Milliarde kassiert. Und wenn man sparsam ist, kann man dafür ja noch eine Weile leben …
Mist.
Vielleicht hätte ich mich auch auf den Job bewerben sollen … Schon wieder zu spät!
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