Finden Sie, dass das Leben in diesem Land ungerecht ist?

Freitag 21. August 2009 von admin
Kategorie: Allgemein, Lohn & Gehalt, Politik |
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210809_donnerstagDas finde jetzt ich ungerecht

Finden Sie, dass das Leben in diesem Land ungerecht ist? Wenn ja, befinden Sie sich, wie ich seit heute weiß, in allerbester Gesellschaft! Denn: 53 Prozent aller Deutschen sind der Auffassung, dass es hierzulande nicht gerecht zugeht. Gefragt haben der „Stern“ und der Fernsehsender RTL.

Ergebnis:

  • 42 Prozent der Menschen in Deutschland finden, dass die Verhältnisse hier „weitgehend ungerecht“ seien.
  • 11 Prozent finden, dass es in Deutschland ganz und gar ungerecht zugeht.
  • Der Ansicht, dass es weder besonders gerecht noch besonders ungerecht sei, sind 30 Prozent.
  • 16 Prozent meinen, dass es in Deutschland alles in allem gerecht zugeht.

Und wie sehen nach Meinung derer, die das Leben in Deutschland als ungerecht empfinden, die Lösungen aus?

  • 61 Prozent plädieren für die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns von 10 Euro.
  • 53 Prozent plädieren dafür, den Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer heraufzusetzen.
  • 47 Prozent finden es gut, wenn die Vermögensteuer wieder eingeführt wird.
  • 38 Prozent wünschen sich, dass die Regelsätze für Hartz-IV-Empfänger erhöht werden.
  • 20 Prozent halten eine Erhöhung der Erbschaftssteuer für eine geeignete Maßnahme.

Haben Sie sich mal die Zahlen genauer angeschaut?

Die Menschen sind immer DAFÜR, wo sie nicht selber betroffen sind – oder meinen, nicht  betroffen zu sein.

20  Prozent wollen mehr Erbschaftsteuer. Das heißt doch – 80 Prozent wollen keine höhere Erbschaftsteuer. Warum? Weil hierzulande die meisten Menschen irgendwann mal etwas erben.

38 Prozent wünschen höhere Hartz-IV-Regelsätze. Das heißt, 62  Prozent wünschen sich das nicht. Diese Zahl von  62  Prozent entspricht ziemlich genau dem Anteil von Menschen, die mit ihrer Arbeit oder mit ihren zu versteuernden Einnahmen die Erhöhung bezahlen müssen.

Vermögensteuer und Spitzensteuersatz betreffen nach Meinung der breiten Masse nur wenige … (tatsächlich greift der Spitzensteuersatz in Deutschland bereits bei einem Durchschnittseinkommen). Und die „da oben“ sollen ruhig mehr bezahlen. Nur – die tun das schon. Ich will jetzt nicht wieder damit kommen, dass die oberen 10 Prozent der Einkommensteuerzahler 50  Prozent der Einkommensteuer aufbringen … Aber die Zahl liegt nun mal auf dem Tisch …

Und der Mindestlohn?

Der klingt so gut. Aber er erinnert mich an das „Eier-Phänomen“ bei Lidl, Aldi und Co.:

Gehen Sie mal an die Eiertheke. Schauen Sie sich das Treiben an – und beobachten Sie, wer welche Eier in den Warenkorb legt. Behalten Sie dabei die Zahl im Kopf, dass rund 90 Prozent der Deutschen gegen Massentierhaltung und für artgerechte Haltung sind. Dann rechnen Sie mal zusammen, welche Eier – während Sie auf dem Beobachtungsposten standen – am meisten verkauft wurden:

  • Die Biofreilandeier?
  • Die Eier aus Bodenhaltung?
  • Die ganz billigen?

Sehen Sie. Das ist die andere Zahl: 90 Prozent der Deutschen sind gegen die schlechte Tierhaltung, aber 80 Prozent kaufen die ganz billigen Eier.

Was hat das mit dem Mindestlohn zu tun?

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Da brauchen Sie sich nur das in diesem Zusammenhang viel zitierte Frisörhandwerk anzuschauen. Wie ein Bazillus haben sich in den Innenstädten die Billigkeiten ausgebreitet, die ihren Mitarbeiterinnen Löhne zwischen 5 und 7 Euro die Stunde zahlen und deshalb Haarschnitte um 10 Euro anbieten können.

Haben sich die Ketten ausgebreitet – weil keiner hingeht und jeder beim Frisörbesuch darauf achtet, dass die Angestellten ordentlich verdienen und man dafür auch bereit ist, einen Haarschnitt ab 20 Euro zu bezahlen?

Nein, natürlich nicht …

Aber ist das dann gerecht? Ist es gerecht, sich über die Ungerechtigkeit zu beschweren – gleichzeitig aber sorgsam darauf zu achten, dass man selber beim Thema „Lösen von Ungerechtigkeiten“ außen vor ist?

Also, wenn Sie mich fragen: DAS finde ich ungerecht!

7 Kommentare zu “Finden Sie, dass das Leben in diesem Land ungerecht ist?”

  1. Von Petra:

    Sehr geehrter Herr Stein,

    ich gehe zum Friseur wo ich keine 70,00 € für Strähnchen und mal eben Spitzen schneiden zahlen muss, denn dass kann ich mir nicht leisten.
    Ich gehöre zu den Geringverdienern und kann mir oftmals auch den Billigfriseur nicht leisten.
    Es sind viele Leute in meiner Lage und nur so konnten diese Billigfriseure Fuss fassen, wie auch die anderen Billigläden.
    Ich arbeite hart und auch nicht wenig, aber als Geringverdiener kann man sich kaum was leisten, ausser Eier vom Freiland.

    Mit freundlichen Grüßen
    Petra

  2. Von Günter Stein:

    Da wird ja mit den Mindestlöhnen alles besser. Man verdient man – der Friseur wird teurer – aber den kann man sich ja da trotzdem leisten. Unterdem Strich haben dann zwar alle mehr, aber nicht mehr davon. Verstehe ich das richtig?

  3. Von sb:

    herr stein: sprechen sie deutsch? oder verstehe ich das \man verdient man\ nicht, weil ich zu behämmert bin.
    wenn sie bereit sind, mir ihre steuerprogression mitzuteilen (den satz), werde ich sie ernst nehmen, mit solchen freilandeier betarchtungen und spitzensteuer/erb-steuer aufwiegeleien.
    das wieviel fache einer 5 € friseurin vertanken sie pro woche (wieviele stunden müsste die für ihren spritverbrauch arbeiten), und wieviel davon versteuern sie als private km.

    sorry, aber wenn ich solche antworten lese, wie sie sie der dame obengegeben haben, dann stelle ich ähnliche fragen, wie ich sie lese – was hat das eine mit dem anderen zu tun?

  4. Von juema:

    Sie haben Recht, J.M.

  5. Von Nicole:

    Endlich spricht das mal jemand an, diese Doppelmoral, sich einerseits aufzuregen über Ungerechtigkeiten, andererseits durch eigenes Verhalten nichts dagegen zu tun, so nach dem Motto \Jeder will zurück zur Natur – aber keiner will es zu Fuß\… Friseurketten hab ich übrigens hinter mir: bei der einen wurde das Haar bei mehreren Besuchen systematisch \verschnitten\, bei der anderen habe ich nur für Pony-Nachschneiden 7,95 € bezahlen müssen. Nach Vergleich von Preis und Leistung in ganz normalen Handwerksbetrieben habe ich nun endlich einen Salon mit kompetenten Angestellten ausgemacht (Handwerksbetriebe müssen ihre Angestellten m.E. sorgfältiger aussuchen als Ketten, weil sich Negativpropaganda im Gegensatz zu Ketten sofort auf ihren Umsatz auswirkt) – und bei dem das Pony-Nachschneiden sogar umsonst gemacht wird. Der Service und die Kompetenz sind mir die 5 €, die ich dort für einen \Rundum-Haarschnitt\ mehr bezahle als bei einer 10,– €-Kette, allemal wert – und wenn ich gewußt hätte, daß nicht alle Friseure Schicki-Micki-Preise nehmen, dann hätte ich solch eine Kette niemals aufgesucht. Aber man lernt ja nie aus. Jedenfalls ist es schade, daß der Verbraucher seine Macht (Abstimmung über den Geldbeutel, Unterstützung des Mittelstands, umweltfreundliche Produktion usw.) nicht nutzt.

  6. Von Renate:

    Ich bin auch für die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns von 10 Euro.

  7. Von damrow:

    Ich muß mein Geld als Unterhalt in Holland seit 7 Jahren verdienen. Ich habe diese 7 Jahre meinen Sohn nicht aufwachsen sehen, da ich aus finanziellen Gründen alle 4 Wochen erst nach Hause kam.
    Nun habe ich seit dem 28.12. einen Herzschrittmacher und bin noch mehr an die holländische Firma gebunden.Doch seelisch bin ich ausgebrannt….

    Grüße Gerhard, lasst den Kopf nicht hängen, noch ist er dran!!!!!!!!!!

 

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