Steins Blog

28. August 2009

Ein aufschlussreicher Friseurbesuch!

280809_dienstagEnträtselt: Die Sache mit den jammernden Männern

Warum sehe ich nach dem Friseurbesuch eigentlich immer aus wie ein Hansi ohne Haare?
Man kann seinem Stammfriseur noch so genaue Anweisungen geben – vorne länger, die Lücken kaschieren, hinten kürzer, die Ohren freischneiden – er macht grundsätzlich nicht, was mann sagt. So auch diesmal wieder:

Jetzt habe ich vorne kürzer, hinten ganz kurz und rund um die Ohren keine Haare mehr. Von den Lücken ganz zu schweigen. Doch vielleicht bin ich es diesmal auch selber schuld. Denn mein heutiger Friseurbesuch war unter dem Strich sehr aufschlussreich. Nach dem gelösten Rätsel vom Montag wurde heute ein zweites, grundsätzliches Rätsel der Menschheit gelöst. Das, warum Männer, wenn sie krank sind, so leiden.

Und das kam so:

Ganz nebenbei erzählte ich meiner Friseurmeisterin, dass ich in „Steins Woche“ mal über eine Studie geschrieben habe, die besagt, dass Männer eigentlich viel leidensfähiger als Frauen sind – aber immer dann, wenn eine Frau in der Nähe ist – vornehmlich ihre eigene – sie, sofern sie unter einem Wehwehchen leiden, sofort das Jammern anfangen. Ich erntete heftiges Kopfnicken:

„Mein Freund ist derzeit krank“, seufzte meine Haarmeisterin, während sie kritisch überprüfte, ob sie mich schon zum optischen Hansi degradiert hatte oder nicht. „Und es ist die reinste Katastrophe. Er liegt todkrank im Bett. Alle zwei Minuten braucht er irgendwas. ‚Schatz, die Fernbedienung ist so weit weg. Ich komme nicht dran. Bring sie mir doch bitte‘. Ich brauche nicht zu sagen, dass sie nur einen halben Meter weit weg von ihm entfernt liegt. Zwei Minuten später: ‚Schatz, mach mir noch einen Tee, mir geht es so schlecht!‘ Fünf Minuten später: ‚Schatz, machst du mir eine Brühe, damit ich zu Kräften komme‘ – so geht das in einer Tour.“

Während sich meine Haardompteuse über ihren Freund aufregte, schnitt sie immer eifriger in die letzten mir noch verbliebenen Haaren. Mit Kummerfalte blickte ich in den Spiegel und sah, wie aus Günter, dem früher Lockigen, jetzt Günter der Kahle wurde. Doch offensichtlich war ich noch nicht fertig genug. Die Schere sauste munter weiter…

Auch ihre Schilderung ging weiter: „Wir waren jetzt im Urlaub. Da hat er geschafft, eine Grippe zu bekommen. Und was macht er? Statt dass er sich wenigstens an den Strand legt, bleibt er jammernd im Zimmer im Bett und macht mir Vorwürfe: ‚Du kannst mich doch nicht alleine hier lassen. Bitte, bleib hier.‘“

Wütend schnippte die Schere bedrohlich nah am meinem Ohr vorbei.

„Wie ist denn Ihr Vater, wenn er krank ist?“, versuchte ich abzulenken. Ihrem Vater gehört der Friseursalon. Offensichtlich hatte er sich für den Nachmittag frei genommen.

Falsche Frage. Falscher Ort.
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„Der ist genauso schlimm!“ Schnipp, schnipp, schnipp. „Wenn der krank ist, müssen wir drei Töchter und unsere Mutter rennen wie die Verrückten.“ Schnippschnippschnippschnippelschnipp.
„Ich werde schon wieder ganz verrückt, wenn ich daran denke.“ SchnipSchnipp.

Ich traute mich schon gar nicht mehr, in den Spiegel zu gucken…

„Und Ihr Bruder?“

„Der ist genauso. Das ist aber auch ganz typisch. Als der klein war und nur das leiseste Wehwehchen hatte“ – Schnipp – „kam sofort meine Mutter angerannt und hat ihn getröstet, hat ihn in den Arm genommen, und, und, und. Wenn aber meine Schwestern oder ich was hatten – was bekamen wir zu hören? ‚Jammert nicht so rum. Wenn ihr schon zu Hause bleiben müsst, könnt ihr mal eure Zimmer aufräumen oder eure Sachen selber bügeln …‘“ Wütend  sauste die Schere weiter …

In der Sekunde kam mir ein Verdacht!

(Offensichtlich beflügelt ein von seinen Haaren befreiter Kopf das Denk- und Schaltvermögen beim Mann. Das wiederum würde erklären, warum so viele von uns Männern unter Haarausfall leiden. Was wiederum die Frage aufwirft, ob Männer, die früh eine Glatze bekommen, besonders dumme Jungs waren und nun schlauer werden oder nicht. Und was ist mit Männern, die als glatzköpfiges Baby auf die Welt kommen, dann Haare bekommen und diese später wieder verlieren. Und was bedeutet das in Bezug auf Männer, die ein Leben lang volles Haar haben. Sind die dumm geboren und bleiben es – oder sind sie von Anfang an klüger? Ach Fragen über Fragen, die sich da auftun.)

„Sagen Sie mal“, sagte ich zu der Frau, die erstaunt auf die vielen abgeschnittenen Haare blickte, die am Boden lagen, und die das Ganze kurzerhand mit einem Schulterzucken abtat … „Könnte es nicht sein, dass das ein von Frauen untereinander selbst angezetteltes Malheur ist. Ein gigantischer Racheplan sozusagen?“

„Hä?“, fragte meine Haarpeinigerin und kratzte sich nachdenklich am Kopf. Offensichtlich überlegte sie, was sie mit den verbliebenen Haaren auf meinem Kopf anstellen konnte.

„Na ja, überlegen Sie mal. Ihre Mutter hat zu Hause einen Mann, der zum Gotterbarmen jammert, wenn er krank ist. Dann hält er die Frau auf Trab und leidet, dass einem das Herz bricht. Vermutlich hatte auch schon die Mutter ihrer Mutter einen solchen Mann zu Hause. Und die Mutter ihrer Mutter Ihrer Mutter ebenso. Und was machen weltweit alle Frauen?“

Die denken sich wahrscheinlich: „Wenn ich so einen jammerigen Mann zu Hause habe, soll es mal der Frau meines Sohnes nicht besser gehen. Deswegen wird der Sohnemann zum Jammern erzogen, also verhätschelt ohne Ende, wenn er mal nur ein bisschen krank ist, und die Töchter nicht. Und so geht das seit Generationen!“

„Das erklärt es“, nickte die Frau, die mich soeben zum optischen Hansi gemacht hatte. „Das ist absolut stimmig. Nur so kann es sein.“

„Und was machen Sie, wenn Sie mal einen Sohn bekommen?“, fragte ich vorsichtig.
„Natürlich dasselbe. Soll doch seine spätere Frau sehen, wie sie mit ihm zurechtkommt. Also ich habe unter meinem kranken Freund nun wirklich genug zu leiden.“ Kurze Pause. Nachdenklich schaut sie mich an: „Macht übrigens 14 Euro. Und ich glaube, wir machen dann einen Termin kurz vor Weihnachten. Vorher brauchen Sie bestimmt nicht wiederzukommen …“

Nun denn. Was aber wiederkommt ist mein Versprechen, Ihnen mit jeder Ausgabe auch einen zweiten Gratis-Download anzubieten.
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