Steins Blog

28. August 2009

Warum in aller Welt kaufen Frauen so gerne Schuhe?

280809_montagEntschlüsselt: Die Sache mit den Schuhen

Irgendwann kommt eben die Wahrheit doch ans Licht!

Erinnern Sie sich? Vor einigen Wochen habe ich an dieser Stelle über ein Ereignis der besonderen Art berichtet. Wir – also meine Holde und ich – hatten Besuch aus Österreich. Ein Männlein, ein Weiblein.

Dieser Besuch hatte geschlechtsgemäß zwei Wünsche. Während sich das Männlein wünschte, die lokalen Gegebenheiten näher zu begutachten – sprich die Brauereilokale in Düsseldorf –, wünschte sich das Weiblein etwas mehr Geschäftsmäßiges, also einen Besuch der Geschäfte in der Innenstadt. Es kam, wie es kommen musste … Roland – der männliche Teil unseres Besuches – und ich standen uns die Beine vor den Schuhgeschäften krumm und krümmer.

Die Frage, die mich seit diesem denkwürdigen Ereignis nicht mehr losgelassen hat, ist: Warum in aller Welt kaufen Frauen so gerne Schuhe? Was ist das für ein Gen, das angeblich so manches weibliche Baby als erstes Wort nicht Mama oder Papa sagen lässt, sondern so etwas wie Schuschu, was zweifelsohne nur ein Wort bedeuten kann: Schuhe?

Vor allem aber: Warum wird dieser Drang selbst dann nicht gestillt, wenn der Schuhschrank bereits überquillt und auch die Ausweichräumlichkeiten im Keller, auf dem Dachboden und im Flurschrank wegen Überfüllung zwar nicht geschlossen, aber nicht mehr verschließbar sind?

Die Antwort bekam ich in Zürich geliefert …

Da ich heute, am Montag, in Zürich einen Kunden zu treffen hatte, hatten meine Holde und ich uns schon am Sonntag auf den Weg in die Schweiz gemacht, um die schöne Stadt am See ausgiebig zu erkunden. Bootsfahrt auf dem Zürcher See, Biergarten-Idylle am Strand und – natürlich – ein Bummel durch die Innenstadt, um schon mal rein vorsorglich einen Blick in die Geschäftsauslagen zu werfen. Als Vorbereitung für den Montag sozusagen.

Der Sonntag verging, der Montag kam – und siehe da – pünktlich um elf Uhr fand ich mich wo wieder? Richtig. Vor einem Schuhgeschäft.

Zwar hörte ich meine Holde, derweil sie ein über das andere Paar ausprobierte, etwas von: „Beige hast du ja eigentlich schon“, oder auch „Schwarze brauche ich ja eigentlich gar nicht“, oder auch „Diese cremefarbenen sind süß – aber wohin damit?“ leise vor sich hinreden. Das aber hielt sie nicht davon ab, die Beigen, die Schwarzen und die Cremefarbenen aus- beziehungsweise anzuprobieren. Angestachelt wurde sie dabei von der Tatsache, dass derzeit „Schlussverkaufsaison“  ist. „So günstig komme ich nie wieder an Schuhe!“ Ein Argument, dem sich mann nur schwer entziehen kann.

Um mir die Zeit zu vertreiben, probierte auch ich etwas lustlos ein Paar der herabgesetzten Schuhe an. Aber entweder gehören die Schweizer zur Gruppe der so genannten gemeinen Schmalfüßler – oder meine Füße waren während des Herumstehens vor den Schuhgeschäften in der prallen Züricher Sonne auseinandergegangen wie ein Camembert beim Sonnenbaden.

Meine Holde aber wurde fündig:

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Strahlend stand sie an der Kasse (etwas, was mir vermutlich nie passieren wird, denn der Augenblick an der Kasse ist für mich der Augenblick, bei dem ich am wenigsten strahle) und zeigte mir, kaum, dass wir vor dem Geschäft standen, strahlend ihre neuen Schuhe.

„Wunderschön“, sagte ich. „Und wozu brauchst du die?“

Meine Holde sah mich einigermaßen verständnislos an. „Na zum Tragen, wofür sonst?“
„Und womit?“, bohrte ich nach. Meine Holde stutzte für einen Moment, dann nickte sie ernst. „Du hast vollkommen Recht. Ich habe für diese Schuhe ja gar nichts zum Anziehen …“

Das war der Augenblick, in dem sogar bei mir als Mann der Groschen fiel:

Die weibliche Seele befindet sich in einer Art ewigen Perpetuum mobile – einem nie enden wollenden Kreislauf aus Schuhen, Anziehsachen und Taschen … Es ist ganz einfach:

Hat Frau Schuhe, zu denen nichts passt, braucht sie Klamotten, die zu den Schuhen passen. Hat sie Klamotten und Schuhe, die zusammenpassen, braucht sie eine Tasche, die dazu passt.
Nun kann es ja passieren, dass sie zwar eine schöne Tasche findet, die zwar nicht passt, aber ein „Ganz tolles Schnäppchen ist, ich konnte einfach nicht daran vorbei!“

Dann besitzt sie also schon Schuhe ohne Tasche und eine Tasche ohne Klamotten und Schuhe. Also muss zu der neuen Tasche ein passendes Paar Schuhe und Klamotten her, während das alte Paar Schuhe immer noch auf eine neue Tasche wartet.
Bei der Suche nach passenden Schuhen und Klamotten zur neuen Tasche beziehungsweise nach den Klamotten zu den alten Schuhen entdeckt sie möglicherwiese Klamotten, die weder zu der neuen Tasche noch zu den alten Schuhen passen. Also muss sie schon Tasche zu den Schuhen alt, Klamotten zur Tasche neu, Schuhe und Tasche zu den Klamotten neu und Schuhe und Klamotten zu den Schuhen alt kaufen. Wenn sie dann aber …

Aaaaaaah.

Ach nee, ist das schön, ein Mann zu sein … Turnschuh. Anzugsschuhe braun und schwarz. Badelatschen. Fertig. Wir brauchen keine Extratreter für Winterröcke, Abendkleider und Co.

Und dazu haben wir eine Frau an unserer Seite, über deren Handtaschen wir im Rudel maulen können, deren kurzzeitige Beaufsichtigung wir vehement verweigern – und denen wir dann im Kino regelmäßig unsere Geldbeutel und Handys anvertrauen. Weil eine Handtasche ja so praktisch ist. Solange Frau die passenden Schuhe dazu hat. Sonst ist Kino gestrichen, und es heißt wieder, brav in der Sonne vor dem Schuhgeschäft stehen …

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