Steins Blog

25. September 2009

Kochen Sie auch etwas heftiger?

250709_montagMänner in der Küche

Dass der Kompatibilitätsmodus von Männern und Frauen häufig auf unterschiedlichen Einstellungen läuft, zeigt sich nirgendwo besser als in der Küche. Denn Frauen kochen anders – und Männer kochen gut. Zumindest dann, wenn ich mir die Koch-Shows im Fernsehen anschaue. Da kochen eigentlich nur Männer.

Vielleicht ist das ja auch der Grund dafür, warum ich zu Hause das Kochregiment übernommen habe. Zumindest zeitweise. Denn es gibt ein kleines Problem:

Wenn meine Holde kocht, sieht die Küche anschließend irgendwie anders aus als bei mir. Man könnte auch sagen: weniger chaotisch. Doch woran liegt das? Ich koche doch auch nur mit Töpfen und Pfannen, mit Pfeffer und Salz und ein ganz klein wenig Geschirr.

Gut, würde meine Holde, derweil ich diese Zeilen schreibe, jetzt hinter mit stehen und mitlesen, käme garantiert der Kommentar: „Du kochst nicht nur mit Töpfen und Pfannen, du kochst mit allen Töpfen und Pfannen …“

Natürlich tue ich das. Natürlich braucht ein unablässig für wohlschmeckenden Nahrungsnachschub sorgender Mann viel Geschirr. Dafür kocht er aber auch besonders sorgfältig. Und was ist eine Pizza ohne eine nicht mindestens zweimal gut gefüllte Spülmaschine?

Gut, ich gebe es zu. Auch bei der Art und Weise, wie Männer und Frauen kochen, gibt es gewisse Unterschiede.

Vielleicht rühre ich als kochender Mann ein wenig heftiger als eine kochende Frau. Das kann natürlich schon einmal dazu führen, dass der ein oder andere Tropfen Sauce, Salatdressing oder sonst was danebenspritzt. Aber das ist doch kein Grund dafür, gleich zu behaupten, dass eine Küche, die vorübergehend von einem Mann benutzt wurde, für längere Zeit unbewohnbar und eigentlich renovierungsbedürftig sei.

Gut, den Punkt mit den auf dem Boden liegenden Kartoffel- oder Zwiebelschalen, den Möhrchenstücken oder auch den Gurkenresten lasse ich vielleicht stehen. Aber passiert so etwas nicht jedem?

Wenn beim Möhrenschälen zum Beispiel plötzlich etwas umzurühren ist, passiert es doch zwangsläufig, dass der kochende Mann – stets bemüht, etwas Wunderbares und Einmaliges auf den Tisch zu zaubern – sich behende umzudrehen hat, was sowohl der halb geschälten Möhre wie auch dem Mann selbst einen ungeheuren Schwung verleiht. Dieser elegante Schwung führt unzweifelhaft dazu, dass sich ungeschälte Teile der Möhre angesichts der auf sie einwirkenden Fliehkräfte lösen und auf den Boden fallen.

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Der Mann könnte sie natürlich aufheben. Geht aber nicht. Denn der einsame Kämpfer in der Küche – in seinem unablässigen Bemühen, seiner Holden ein Mahl zu bereiten, das sie niemals vergessen wird – kämpft ja ebenfalls mit beziehungsweise gegen die Fliehkräfte. Schon allein deshalb kann er auch wirklich nichts dafür, dass der Mehltopf bei seinem Versuch, Haltung und Halt zu bewahren, umfällt und sich sein Inhalt über die leider feuchte Küchenplatte ergießt.

Die Küchenplatte ist deshalb nass, weil der unermüdlich schuftende Mann in seinem unerschrockenen Bemühen, ein herrlich schmeckendes Mahl zuzubereiten, aus Versehen den heißen Deckel vom mit Nudelwasser kochenden Topf hat fallen lassen, wodurch die Tasse mit den aufgeschlagenen Eiern und dem Messbecher mit den 300 ml Milch umgefallen ist.

Ich möchte hierbei nicht unerwähnt lassen, dass sich der arme, schwerst kochende Mann in diesem uneingeschränkt lobenswerten Bestreben, der Frau des Hauses eine Mahlzeit zuzubereiten, damit sie sich allzeit wohl und glücklich bei ihm fühlt, schwer den Kopf angestoßen hat. Und zwar bei dem Versuch, die den Küchenschrank herunterlaufende Milch aufzuwischen, was zwangsläufig eine gebückte Haltung zur Folge hat.

Warum sich auf dem Rückweg, also aus der gebückten Haltung zurück in den gestreckten Stand,  die bösartig veranlagte Schranktür über seinem Kopf geöffnet und diesen schwer gestoßen hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber es ist doch vollkommen klar, dass ein Mann, der derart von einer zur Böswilligkeit neigenden Küchenschranktür angegriffen wird, ein wenig ins Taumeln gerät. Dass er dabei aus Versehen an die äußerst ungünstig angebrachten Bedienelemente des Herdes kommt und zwei der Herdplatten von „leicht köcheln“ auf „Turbopower“ umstellt, ohne dies zu bemerken, kann ihm nun niemand vorwerfen.

Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass es trotz der kurz darauf aufsteigenden schwarzen Qualmschwaden keinerlei Grund gibt, den um das geistige und nahrungstechnische Wohl seiner Holden stets bemühten Mann anzumeckern und ihm vollkommene Kücheninkompetenz zu unterstellen. Ich denke, mit ein, zwei Wochen guten Lüftens, ein paar gut gelaunte Stunden Putzens und der Anschaffung von zwei neuen Töpfen ist die Sache erledigt.

Außerdem waren wir im Anschluss daran wunderbar essen. Es gibt bei uns einen sehr guten Italiener, gleich nebenan.

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