Wie reagieren, wenn ein MA alkoholisiert Firmen-Interna ausplaudert?
Heute ist Posttag. Und das heißt: Ich arbeite meine E-Mail-Berge ab. Eine Leserfrage sticht besonders ins Auge:
„Hilfe. Ich habe eine Mitarbeiterin, die gestern bei einem Geschäftsessen mehr getrunken hat, als ihr guttut, und Interna ausgeplaudert hat. Und nun?“
Hand aufs Herz. Das ist eine schwere Sache. Keine Führungskraft auf der Welt führt solche Gespräche gerne. Mein erster Tipp:
Während des Geschäftsessens können Sie in der Regel selbst wenig unternehmen – außer vorsichtig versuchen, Ihren Mitarbeiter mit Einwürfen zu bremsen. Oftmals wird er jedoch auf Grund seines hohen Alkoholspiegels dies gar nicht wahrnehmen. Deshalb:
Reden Sie mit ihm – nicht über ihn
Sprechen Sie nicht im Beisein von Betriebsfremden negativ über einzelne Teammitglieder. Schreiben Sie sich stattdessen für das spätere Gespräch genau auf, was vorgefallen und wie oft eine solche Situation schon vorgekommen ist.
Rufen Sie dann Ihren Mitarbeiter möglichst zeitnah und, sobald er wieder nüchtern ist, zu sich ins Büro. Beginnen Sie Ihr 4-Augen-Gespräch nicht mit Vorwürfen – anderenfalls riskieren Sie, dass Ihr Mitarbeiter Ihnen nicht mehr aufmerksam zuhört. Er wird sich stattdessen auf seine Verteidigung nach dem Motto „Es waren doch nur 3 Gläser Wein“ oder „Dies ist ja nur das eine Mal vorgekommen“ zurückziehen.
Lassen Sie stattdessen zunächst noch einmal den Kundenkontakt und das Ergebnis gemeinsam Revue passieren. Gehen Sie erst dann auf Ihr eigentliches Anliegen ein, und zählen Sie auf, was Ihnen missfallen hat:
„Herr Meier, ich bin sehr zufrieden damit, wie Sie unseren neuen Kunden eingefangen haben. Nur gestern Abend haben Sie sich falsch verhalten. Sie haben Herrn Koller unternehmensinterne Informationen weitergegeben, die er nicht wissen dürfte. Ich weiß, dass Sie so etwas normalerweise nicht tun, und führe Ihre Indiskretion auf den Alkohol zurück, dem Sie gestern Abend sehr zugetan waren.
Haben Sie eigentlich gemerkt, wie ich mehrfach versucht habe, Sie davon abzuhalten, Herrn Koller von unserer jüngsten Vertriebsidee zu berichten?“
Rufen Sie anschließend Ihrem Mitarbeiter in Erinnerung, was Sie von ihm im direkten Kundenkontakt erwarten. Vermeiden Sie dabei Drohungen wie zum Beispiel „Ich nehme Sie so lange nicht mehr zu Kundenessen mit, bis ich sicher sein kann, dass Sie nichts Vertrauliches weitergeben.“ Die Reaktion Ihres Mitarbeiters könnte darauf sehr blumig ausfallen, wie beispielsweise: „Ich verspreche, das nie wieder zu tun.“
Vereinbaren Sie stattdessen Folgendes:
„Wir sind uns also einig: Das war gestern ein Ausrutscher, der nicht mehr vorkommt! Hand drauf!“
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