„Man hat sich sozusagen auf einen Tiger vorbereitet, aus dem Urwald kam aber nur ein Kätzchen“, sagt Alexander Kekulé, der Direktor des Instituts für Mikrobiologie und Virologie, zum Thema Schweinegrippe. Hoffentlich behält er da mal Recht. Die Weltgesundheitsorganisation sieht das ein klein wenig anders – wie Ihnen auch ein Blick auf mein Video unter www.steinsblog.de beweist.
Außerdem ist Schweinegrippe ein Thema, über das es sich trefflich schreiben und berichten lässt. Aus journalistischer Sicht wäre es ja fast schon eine Katastrophe, wenn die Grippe jetzt nicht ausbricht …
So habe ich mich denn auch kürzlich mit Agnes Jarosch unterhalten. Sie ist Chefredakteurin des Ratgebers „Der große Knigge“. Es hat mich einfach zu brennend interessiert, was man Knigge-technisch bei der Schweinegrippe so beachten muss. Und wissen Sie was? Jetzt gibt es einen Beitrag dazu – und den möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Auf keinen Fall. Schließlich möchte ich nicht, dass noch jemand sagt, ich hatte keine Manieren … Auslöser war übrigens folgende Frage:
Die Frage: Ich habe kürzlich eine kontroverse Diskussion zum Thema Handschlag und Schweinegrippe geführt. Eine Freundin ist der Ansicht, dass eine erkältete Person von sich aus immer auf den Handschlag verzichten sollte, weil die Gesundheit vorgeht. Ich sehe das anders: Wenn jemand mit ausgestreckter Hand auf mich zukommt, kann ich die Begrüßung nicht ablehnen, selbst wenn ich erkältet bin. Genügt es nicht, im Falle einer Erkältung häufig die Hände zu waschen?
Die Antwort: Die Diskussion um unsere Begrüßungsform wurde gerade in den letzten Wochen durch die Debatte um die Schweinegrippe angeheizt. In Madrid werben Ärzte sogar auf Plakaten für eine Begrüßung ohne Körperkontakt. Der Appell: „Kein Küsschen, kein Händeschütteln – sagt nur Hallo!“ Ein Handschlag ist ein Symbol des Vertrauens. Das Positive der öffentlichen Diskussion ist, dass viele Menschen für einen rücksichtsvollen Umgang miteinander sensibilisiert werden. Es ist höflich,
- zum Niesen/Husten die linke Hand zu benutzen, da man diese nicht zur Begrüßung reicht.
- sich beim Niesen/Husten von seinen Sitznachbarn abzuwenden und ggf. in ein Taschentuch zu husten, um die Keime bei sich zu halten.
- sich während der Grippe- und Erkältungszeit noch häufiger als sonst die Hände zu waschen. Dadurch können sich Viren und Bazillen nicht so leicht verteilen.
- benutzte Papiertaschentücher sofort zu entsorgen, statt sie für eine Zweitverwertung aufzuheben oder sie gar auf dem Schreib- oder Esstisch liegen zu lassen.
- unter Umständen auf den Handschlag zu verzichten, wenn man weiß, dass man eine ansteckende Krankheit hat. Erklären Sie etwa: „Ich begrüße Sie herzlich, aber ohne Handschlag, weil ich erkältet bin und Sie nicht anstecken möchte.“
Sicher wird Ihr Gegenüber diese Fürsorge zu schätzen wissen.
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Pflicht: Handschlag annehmen
Wenn allerdings jemand mit ausgestreckter Hand auf Sie zukommt, haben Sie kaum eine Wahl. Sie sollten die Hand annehmen, da Sie sonst ein Signal der Ablehnung senden. Der Handschlag ist ein Zeichen des Vertrauens, des wohlwollenden und partnerschaftlichen Umgangs und der Nähe. Fahrlässig auf dieses positive Zeichen zu verzichten ist sowohl im Privat- als auch im Geschäftsleben riskant.
Wenn Sie gesund sind
Deswegen gilt: Prophylaktisch den Handschlag wegzulassen, nur weil es theoretisch möglich wäre, dass Sie oder Ihr Gegenüber krank sind, ist keine gute Idee. Sofern weder Sie noch Ihr Gegenüber Anzeichen einer Grippe oder einer Erkältung aufweisen, sollten Sie sich die Hände reichen.
Bedenken Sie: Herzliche und angenehme Körperkontakte sind gut für die allgemeine Immunabwehr und wirken somit wiederum präventiv gegen sämtliche Erkrankungen.
So – und damit wäre das auch geklärt!



Nein, bitte nicht in die Hand niesen – auch nicht in die linke. Viele Dinge fässt man mit beiden Händen an: Türklinken, Telefonhörer… So verbreiten sich die Bakterien, auch wenn es nicht fühlbar feucht ist. Also besser in die Armbeuge niesen – auch wenn es (noch) gewöhnungsbedürftig aussieht.
aber quer durch die Gegend ist doch auch nicht nett, oder?
Grüße
GS
Sehr geehrter Herr Stein,
bei uns in der Dienststelle ist der Händedruck zur Begrüßung üblich. Wenn ich aber erkältet bin und mir jemand die Hand zur Begrüßung hinstreckt, sage ich meist: “Das geschieht jetzt auf eigene Gefahr, ich bin erkältet.” So habe ich die Entscheidung über einen Händedruck wieder an meinen Gegenüber zurück gegeben und dabei noch nie erlebt, dass mir jemand böse war. Die meisten Kollegen grinsten und verzichteten auf das Händeschütteln.
Beste Grüße
Michael Marquardt
charmante Lösung!
Grüße
GS
… könnte man mal bitte endlich mit dieser künstlichen Schweinegrippe-Panikmache aufhören?? Langsam ist es nicht mehr zu ertragen!! An der normalen Grippen sterben jährlich wesentlich mehr Menschen! Und: es gibt weitaus schlimmere Krankheiten als die Schweinegrippe!
Versprochen, ich komme auf diese Rückmeldung im Januar zurück. Dann schauen wir mal, wie sich alles entwickelt hat!