„Männer spülen anders – Frauen aber auch!“ An dieser grundlegenden Erkenntnis der Menschheit gibt es kein Vorbeikommen mehr. Und natürlich ist es meine Männerpflicht, darauf hinzuweisen, dass wir Männer b e s s e r spülen als Frauen. Dummerweise gibt es Frauen, die das nicht verstehen …
Heda zum Beispiel. Heda ist weiblich, seit vielen Jahren mit ein und demselben Mann verheiratet – und aufgeregt. Denn heute Morgen hat sie entdeckt, dass ihre jahrelangen Erziehungsversuche wohl auch weiterhin nichts fruchten werden. Ihr Mann Botsch hat es wieder getan. Er konnte es nicht lassen. Es wieder passiert. Botsch weicht ein!
(Bitte beachten Sie den genauen Wortlaut – mir ist es wichtig, dass an dieser Stelle jetzt keine Missverständnisse aufkommen. Ihr Mann weicht ein, nicht auf – obgleich er einweicht, um aufzuweichen. Verkrustete Speisereste von Tellern, Gabeln und Messern zum Beispiel.)
Im Klartext heißt das: Botsch stapelt von ihm benutztes Geschirr in der Spüle. Dort setzt es sich im Laufe der Zeit mehr oder weniger freiwillig unter Wasser – das Einweichen beginnt. Die Speisereste lösen sich, schwimmen munter nach oben – während das von Verkrustungen nun selig befreite Geschirr unter der Oberfläche bleibt. Das Prinzip ist also denkbar einfach: gelöste Verkrustung oben, Geschirr unten. Genau hier verbirgt sich das Problem:
Derweil die natürliche Vereinigung von Speiseresten und Wasser stattfindet, ist der Mann natürlich wieder woanders. Es gibt für uns Männer so viel zu tun im Leben … man kann nicht nur vor der Spüle stehen und warten, bis das Geschirr eingeweicht und bereit für die Spülmaschine ist.
Dummerweise passiert in solchen Momenten in fast allen deutschen Haushalten mit einweichenden Männern stets dasselbe:
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Kaum hat der Mann das im Laufe des Tages angesammelte Geschirr zum Einweichen freigegeben (Junggesellen sammeln zwecks sehr gründlichen Einweichens auch schon einmal über mehrere Wochen, ich kenne mich da aus, ich war mal einer), betritt die Dame des Hauses die Küche. Und was sieht sie? Natürlich nicht den guten Willen des Mannes, das Geschirr vor dem Hineinbringen in die Spülmaschine in einen bereits vorbildlich vorbereiteten Zustand zu bringen … Frauen sehen etwas anderes. Einen „ekligen Sauhaufen“. Was ungerecht ist und keinesfalls den Tatsachen entspricht.
Auch der Vater meiner Holden gehört zu den einweichenden Männern. Er ist sogar ein besonders leidenschaftlicher Einweicher. Sein Faible für das Einweichen kann er messerscharf begründen. „Man MUSS Geschirr einweichen. Basta!“ Einer näheren Begründung bedarf es dann gar nicht. Damit ist alles gesagt. Und Basta! (Basta ist immer gut – damit sind andere Männer sogar zum Bundeskanzler geworden …)
Frauen, sehen das ein ganz klein wenig anders:
„Du weichst nicht ein, du stapelst auf. Und ich muss dann in der kalten Brühe die Teller aus dem Becken ziehen und die tropfenden Teller einräumen.“
Eine Beschwerde, die einfach nicht nachvollziehbar ist. Denn natürlich würde auch Klaus, so heißt der Vater meiner Holden, liebend gerne das nun mittlerweile vollständig eingeweichte Geschirr selber in die Spülmaschine einräumen. Nur – er kann nicht. Dörle, seine bessere Hälfte und – wie der geneigte Leser messerscharf zu schließen weiß – die Mutter meiner Holden, kommt ihm einfach zuvor.
Heda, das ist die Schwester der Mutter meiner Holden, geht es nicht anders. Genau hier liegt der wahre Kern des Problems:
Frauen sind voreilig. Ich erinnere mich an eine Begebenheit, die bereits ein paar Jahre zurückliegt. Mein Freund Frank erfüllte als Junggeselle genau die Klischees, die ein junger, mit strahlenden Augen und schmutzigem Geschirr in die Zukunft blickender Junggeselle ordentlich zu erfüllen hat. Er verstreute seinen Besitz gerne in der Wohnung – was im Laufe der Wochen dazu führte, dass Teppiche und Böden vollständig unter Kleidung, Büchern, Notizen und anderen wichtigen Dingen des täglichen Lebens verschwunden waren. Was vorteilhafterweise dazu führte, dass ihn sein defekter Staubsauger nicht weiter störte – denn es gab ja nichts zu saugen. Wo kein Boden, da kein Sauger …
Doch eines lässt sich nicht leugnen: In dieser Zeit hat es Frank – was das Einweichen von Geschirr betrifft – zu einer gewissen Perfektion gebracht. Denn es ist wahrlich nicht leicht, sämtliche Geschirrvorräte einer Wohnung in einem winzigen Spülbecken so aufzutürmen, dass der Geschirrberg auch nach drei Wochen noch nicht eingestürzt und das Geschirr sehr schön eingeweicht ist. (Sollte es je eine Geschirr-Aufstapel-Weltmeisterschaft geben, werde ich Frank sofort anmelden und mit meinem Wetteinsatz reich. Ich brauche dafür weder die Schiedsrichter noch einige der Mitspieler zu bestechen …)
Doch auch Frank wurde immer wieder Opfer der weiblichen Ungestümtheit:
Nie haben seine begeisterten Fans erfahren, bis zu welcher Höhe sich Geschirr tatsächlich aufstapeln und einweichen lässt, bevor der Berg aus Tassen, Tellern und sonstigem Geschirr zusammenbricht. Schuld ist seine Mutter, die – entweder freiwillig oder von besorgten Nachbarn oder dem Bundesseuchendienst alarmiert – etwa im 3-Wochen-Rhythmus zum Aufräumen vorbeischaute. Sie hat übrigens, wie sie mir erst kürzlich versicherte, der defekte Staubsauger durchaus gestört …
Doch irgendwann wurde auch ihr das zu viel – und sie hat das Problem auf typisch weibliche Art und Weise gelöst: Sie hat Frank unter die Haube gebracht.
Vermutlich geht es deshalb im Haushalt von Frank auch heute genauso zu wie in Millionen anderen deutschen Paar-Haushalten auch: Er weicht ein – sie kocht. Kein Essen, aber vor Ärger, wenn sie das Eingeweichte aus dem Waschbecken fischt, um es in die Spülmaschine zu bringen …
Hier mein dringender Appell an alle Frauen der Welt:
Erkennt die einweichenden Männer endlich als das an, was sie sind. Als Künstler im grauen Alltag des Lebens – wer sonst schafft es, solche filigranen Berge aus Alltagsgegenständen aufzutürmen? (Und es soll Künstler geben, die für dreckiges Geschirr Millionen bekommen haben!) Saubermacher in der Flut des Verkrusteten. Auflöser des Angebrannten. Retter des Geschirrs, Hüter von Messer und Gabeln, Loslöser von Schüsseln und Schalen …
Frauen dieses Landes, Frauen der Welt: Denkt daran, wenn ihr das nächste Mal in die kalte, graue Brühe greift. Denkt einfach: „Ich liebe ihn“ – und nie wieder: „Jetzt bringe ich ihn um!“



Da Liebe bekanntlich blind macht, können wir die Brühe doch eh nicht erkennen!
Nee ne ! hab nun endgültig mein wohlverdientes Frühstück versch-lesen, hab vergessen zu atmen und lieg nun blauhungernd rum.