Weihnachtszeit, Glühweinzeit … Die Weihnachtsmärkte locken die Menschen zu Tausenden in die Innenstädte. Mich auch. Und weil ich nun schon mal da bin, treffe ich mich heute nebst meiner Holden mit einem befreundeten Pärchen, mit Eva und Gerhard.
Nun ist das Eigenartige an Weihnachtsmarktbesuchen, dass sie sehr schnell sehr hungrig machen. Was natürlich auch am verkonsumierten Glühwein liegen kann. Also beschließen wir, ins Restaurant zu gehen. Es gibt Tapas. Sehr lecker, mit sehr viel Knoblauch, weshalb Sie sich als Leser von Steins Woche gerade sehr glücklich schätzen können, dass es noch keine Duftnewsletter gibt.
Gerhard kann sich bei der Vielzahl von Tapas nicht so recht entscheiden. Deshalb gibt er bei der Kellnerin einen „gemischten Fisch-Tapas-Teller“ in Auftrag. Sie registriert es mit einem leichten Achselzucken und bringt ihm wenig später einen – gemischten Fisch-Tapas-Teller. Dummerweise mit den langen statt den kurzen Fischen, die Gerhard lieber mag. Und auch nicht mit den Garnelen und Knoblauchsoße, sondern in Tomatensoße. Dezent weist Gerhard – nachdem er seinen Teller schrankreif leergeputzt hat – die Kellnerin darauf hin: „Sardinen wären mir lieber gewesen …“
Die Kellnerin lächelt ihn freundlich an, zuckt mit den Achseln – und geht. Derweil starrt Eva ihren Mann etwas irritiert an. „Immer beschwerst du dich!“
„Ich habe mich doch gar nicht beschwert“, erwidert Gerhard. „Ich habe lediglich auf etwas aufmerksam gemacht …“
„Doch, du hast dich beschwert. Du beschwerst dich immer.“
Gerhard antwortet: „Das war doch keine Beschwerde!“
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Derweil hat sich von hinten aber bereits wieder die Kellnerin genähert und fühlt sich angesprochen. „Ich habe das auch nicht als Beschwerde angesehen!“, sagt sie. Triumphierend schaut Gerhard hinüber zu seiner ihn liebenden Ehefrau, die derweil ein klein wenig entgeistert auf die Kellnerin schaut. Es ist nie schön, wenn einem eine Kellnerin aus dem Rücken in den Rücken fällt.
Die Kellnerin bemerkt den irritierten Blick, zuckt mit den Achseln (sie scheint ein gewisses Training darin zu haben) – und verschwindet …
Nun mögen Sie einwenden: „Es gab ja auch nichts zu beschweren, Herr Gerhard hätte nur etwas genauer bestellen können!“ Klar. Aber oft weiß man ja erst hinterher, was man wirklich wollte, wenn man das bekommen hat, was man dann hat. Millionen Ehefrauen und Ehemänner können ein Lied davon singen …
Doch bei berechtigten Beschwerden sieht das ja auch schon anders aus:
So schrieb mir kürzlich ein Leser:
„Letztens war ich mit einem Geschäftspartner essen. Er hat sich am Ende beim Kellner wegen des Essens beschwert. Ich habe so was noch nie gemacht, mir ist das immer peinlich …“
Ein anderer Leser meinte dazu:
„Mir ist das auch immer sehr unangenehm, wenn ich mit meinem Essen nicht zufrieden bin. Aber ich mache das jetzt so, dass ich mein Essen sofort zurückschicke, wenn ich merke, dass es nicht okay ist. Ich zahle ja auch dafür, und oft ist es nicht wenig, was man da zahlt.
Ich finde es aber sehr unverschämt, alles zu essen und im Nachhinein zu sagen: Das war nicht okay. Weil, wenn es nicht schmeckt, möchte ich es ja auch nicht essen …“
Aber wie macht man das mit dem Beschweren nun richtig?
Ein Blick in das Handbuch „Der große Knigge“ liefert die Antwort:
Wie beschweren Sie sich richtig, wenn das Essen nicht einwandfrei ist?
Ist das Essen kalt, versalzen oder in anderer Hinsicht nicht einwandfrei, reklamiert der Gastgeber für den Gast. Dies sollte höflich und sachlich geschehen, schließlich hat der Kellner das Essen nicht gekocht. Beispiel: „Das Steak ist blutig, obwohl wir es medium bestellt hatten. Würden Sie es bitte in der Küche für mich reklamieren?“
Generell gilt: Reklamieren Sie so schnell wie möglich und nicht erst, wenn Sie bereits zwei Drittel des Tellers leer gegessen haben. Wenn Sie sich erst beim Abräumen beschweren, kann das Restaurant Ihre Beschwerde nicht mehr berücksichtigen.
Okay, damit sind meine Probleme im Hinblick auf das Thema „Beschweren“ gelöst. Ich lasse mich zukünftig nur noch einladen. Von meiner Holden zum Beispiel. Dann ist sie meine Gastgeberin und muss sich für mich beschweren (und ausnahmsweise mal nicht über mich …), wenn ich mit dem Essen mal nicht zufrieden bin. Herrlich! Und ich weiß ja, wie gerne sie das macht …


