Geschenkte Geschenke …
Meine Holde ist maulig. Weihnachten rückt immer näher, und noch immer hat sie kein Geschenk für mich. „Ich weiß nie, was ich dir schenken soll“, sagt sie und schaut mir unzufrieden über die Schultern. Ich sitze gerade am Computer und tippe den Text für die neue Ausgabe meines Newsletters zum Hören, „SteinsPod“. Es geht um die Führungstrends 2010. (Wenn Sie den kostenlosen Pod hören wollen, klicken Sie einfach nachher mal hier.)
„Wenn du nicht weißt, was du mir schenken kannst, dann solltest du dich mal fragen, ob du mich überhaupt noch liebst“, sage ich, ohne das Tippen zu unterbrechen. „Ich habe deine Geschenke schon alle zusammen.“
„Du bist unverschämt“, sagt meine Holde. „Es liegt doch an dir, dass ich nicht weiß, was ich dir schenken soll.“
Nun unterbreche ich meine Tipp-Arbeit aber doch und drehe mich um. „Wieso liegt das an mir, wenn DU nicht weißt, was du mir schenken sollst? Habe ich denn über das Jahr nicht mindestens 10 gute Wünsche geäußert?“
„Hast du“, erwidert meine Holde mit grimmiger Miene. „Aber du hast noch etwas gemacht!“
„So, was denn?“
Stirnrunzelnd schaut sie mich an. „Denk mal scharf nach …“
Nun bin ich nicht besonders gut im „scharf Nachdenken auf Kommando“, aber zumindest gebe ich mir alle Mühe, wenigstens so auszusehen, als ob ich es täte. Offensichtlich misslingt der Versuch. Ich bekomme ein „Schau nicht so affig“ zu hören, woraufhin ich meinen Blick wieder einstelle. Doch meine Holde lässt nicht locker.
„Was war denn einer deiner Wünsche?“, fragt sie schnippisch. „Na ganz klar“, sage ich, „eine neue Schijacke.“
„Und warum schenke ich dir keine?“
„Weil das albern wäre. Als ich letztens in der Stadt war, habe ich diese wunderschöne Jacke gesehen, die jetzt im Schrank hängt. Ganz günstig. Die habe ich natürlich gleich gekauft.“
Die Holde nickt und ihre Miene verfinstert sich weiter. „Was war ein anderer Wunsch von dir?“
„Ich habe mir das neue Buch von Jan Weiler gewünscht.“
„Und was ist dann passiert?“
„Klar. Als ich kürzlich ein paar Fachbücher bestellt habe, habe ich es gleich mitbestellt. War ja ein Aufwasch …“
„Siehst du – und genau das meine ich“, sagt die Holde mit mittlerweile totfinsterer Miene. „Wenn der Herr mal einen Wunsch hat, erfüllt er ihn sich gleich selber. Und ich darf dann meine Geschenke wieder zurück in den Laden tragen. Ich glaube, man kennt mich schon in allen Geschäften dieser Stadt als die Frau, die nicht kauft, sondern zurückbringt. Und das ist überhaupt nicht lustig …“
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Entgeistert schaue ich meine Holde an. „Darf ich mir jetzt nicht mal mehr die Sachen kaufen, die ich gerne haben möchte?“
„Nein“, ruft meine Holde mit lauter Stimme. „Darfst du nicht. Nicht vor Weihnachten. Nicht vor Ostern. Nicht vor deinem Geburtstag. Könntest du dir das endlich mal hinter die Ohren schreiben.“
Diesmal bin ich es, der grummelt. „Ich bin halt spontan“, sage ich. „Außerdem hast du früher gesagt, dass du meine Spontaneität liebst.“
„Ja, aber doch nicht bei den Geschenken. Du musst dem anderen auch mal eine Chance geben, dir etwas schenken zu können.“
„Tu ich doch. Ich habe tausend Wünsche.“
„Zum Beispiel?“
Mit dieser Frage erwischt mich meine Holde glatt auf dem falschen Fuß. Denn natürlich fällt mir auf Anhieb kein Wunsch ein. Wie auch?
Die neuen Schi? Schon gekauft. War ein sagenhaftes Schnäppchen.
Die Stromberg-DVDs? Waren gerade in einer günstigen Sammeledition zu haben.
Ein neuer Pullover? Kann ich was dafür, dass im Winterkatalog genau mein Traumpulli drin war?
Die Relax-Liege? Wird morgen geliefert …
„Ääh“, sage ich deshalb nur.
„Äääh“, äfft sie mich nach. „Genau so stehe ich mit deinen Geschenken da. Und weißt du was. Ich werde mir jetzt selber was ausdenken. Und wenn es dir nicht gefällt, dann hast du eben Pech gehabt. Ich trage es bestimmt nicht zurück in den Laden. Die kennen mich nämlich alle schon. Und darauf lege ich keinen gesteigerten Wert.“
Wütend dreht sie sich um und lässt mich allein im Büro zurück.
„Es reicht mir doch, wenn du mir deine Liebe schenkst!“, rufe ich ihr hinterher. Ich halte diesen Satz für einen großartigen Satz. Nur, ob meine Holde es auch tut, kann ich leider nicht in Erfahrung bringen. Seit gerade eben spricht sie nicht mehr mit mir.
(Wird fortgesetzt …)

