Haben Sie auch nicht mehr so ein gutes Durchhaltevermögen?

Mittwoch 13. Januar 2010 von admin
Kategorie: Allgemein |
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301009_freitagDurchhaltevermögen

Charlotte Pfeiffer und Irene Ludwig sind zwei Frauen, die sich sehr um mich sorgen. Denn beide Frauen schicken mir seit einigen Tagen immer wieder Mails mit der Betreffzeile „Länger im Bett durchhalten.“ Gerade eben ist wieder eine dieser besorgten Mails eingetroffen.

Schon die ganze Zeit frage ich mich: Woher wissen die beiden Damen von meinem Problem? Ich kann tatsächlich nicht mehr so lange im Bett durchhalten wie früher, zu seligen Sturm- und Drangzeiten. Bis elf, zwölf oder gar ein Uhr im Bett bleiben – das war gar kein Problem. Ich konnte im Bett sehr lange durchhalten. Was auch daran gelegen haben mag, das ich erst um drei, vier oder fünf aus der zwecks sozialen Studien besuchten Disco oder aus der zu Zwecken des kulturellen Austausches besuchten Wirtschaftskammer nach Hause gekommen war. Und heute?

Kaum klingelt um sechs Uhr mein Wecker, schon stehe ich um halb acht auf. Ich halte im Bett also tatsächlich nicht mehr so lange durch. Dann packt mich der Tatendrang. Ich muss etwas tun, so wie es sich für ein nützliches Glied der Gesellschaft gehört.

Trotzdem bin ich beiden Damen für ihre Sorge um mich dankbar. Es ist immer schön, wenn man weiß: Irgendwo auf dieser Welt gibt es Menschen, die sich Sorgen um einen machen. Außerdem ist ausreichend Schlaf wichtig. So haben kanadische Forscher in einem einzigartigen Selbstversuch herausgefunden, dass Menschen, die kürzer schlafen, länger müde sind. Dazu kommt:

Wer müde ist, ist nicht richtig leistungsfähig. Insofern könnte auch mein Finanzamt hinter diesen besorgten Mails stecken. Vielleicht hat sich ja mein Finanzamtssachbearbeiter im Finanzamt Bergisch-Gladbach gedacht: „Wenn der Herr Stein länger im Bett durchhält, dann kann er anschließend mehr leisten, dann verdient er mehr – und wir tun es auch.“ Zumindest wäre das verständlich, angesichts von 1,655 Billionen Euro Schulden, die die letzten 6 Bundesregierungen angehäuft haben.

Wobei ich mich als geneigter Steuerzahler frage, wer in aller Welt in den letzten 40 Jahren diese Entwicklung verschlafen hat? Solche Schulden kommen ja nicht über Nacht, während der Schlafphase. Zumindest habe ich während des Schlafens weder Schulden, noch mich irgendeiner bösen Tat schuldig gemacht. Außer vielleicht, dass ich mich einmal zu heftig umgedreht habe, was meinem linken Arm dank der auf ihn einwirkenden Fliehkräfte eine gewisse Geschwindigkeit verlieh, die ihn – einmal fliehkraftmäßig beschleunigt – schnurstracks den Weg zu meiner Holden finden ließen. Leider mitten auf ihre Nase, was noch in derselben Nacht zu umfangreichen Reparatur- und Ausbesserungsarbeiten geführt hat. An der Nase meiner Holden, nicht am Arm. Der ist bei dieser Aktion Gottseidank in Takt geblieben.

Wie auch immer: Liebe Charlotte Pfeiffer, liebe Irene Ludwig. Herzlichen Dank für Ihr Bemühen, mich länger im Bett zu halten. Es geht nicht. Die Arbeit und die Pflicht rufen. Und natürlich auch mein Outlook, das mit lautem „Pling“ neue Mails ankündigt. Da kann ich einfach nicht im Bett bleiben. Ich muss einfach schauen, wer mir da schreibt. Es könnte ja wieder eines Ihrer besorgten Schreiben sein …

 

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