Harzt Ihr noch oder arbeitet Ihr schon?
Am Wochenende wurde in der Familie heiß diskutiert. Das Thema: Roland Koch und Hartz IV. Der hessische Ministerpräsident hat eine große Lippe riskiert. Er findet, dass Hartz-IV-Empfänger stärker als bisher üblich zur Arbeit herangezogen werden müssen. Denn er findet es belastend, dass Hartz-IV-Empfänger den Steuerzahler belasten, ohne für diese belastende Belastung eine Gegenleistung für die Gemeinschaft zu erbringen.
Doch kaum hat er das gesagt, ging auch schon ein Aufschrei durch das Land. Mit weit aufgerissenen Mäulern lamentierten und lamentieren die Menschen darüber, dass so eine Forderung ja wohl das allerletzte sei. Allerdings lamentieren nicht alle Menschen so. Eigentlich nur ganz wenige. Eigentlich nur Politiker. Es sind also Politiker, die sich über Politiker aufregen.
Na gut, es stimmt nicht ganz. RTL ist es gelungen, einige Hartz-IV-Empfänger vor die Kamera zu zerren. Dieselben übrigens, die sich in diversen Morgen- und Nachmittags-Shows zu Fragen wie: „Schwanger mit 15 – Ups, wie ist denn das passiert?“ oder auch „Hilfe, meine Ex will Sex“ als kompetente Ansprechpartner für Herrn Geissen und Co. immer wieder zur Verfügung stellen.
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Jacqueline aus Köln, 23, Hartz-IV-Empängerin, findet den Vorschlag von Herrn Koch entsprechend „total Scheiße, weil isch misch natürlisch um Arbeit bemühe. Aber mann kann sisch ja nischt von so nem Arschloch ausbeuten lassen.“ Mit „Arschloch“ meint sie einen Arbeitgeber. Jacqueline hat übrigens, so ist dem Laufband auf dem Bildschirm zu entnehmen, mit 16 eine Lehre abgebrochen und ist seitdem ständig auf Arbeitssuche. Sagt sie. Auch Simone, 28, ehemaliges „Modell“, ärgert sich: „Die wollen uns kaputt machen tun.“
Nun ist es natürlich sehr, sehr ungerecht, ausgerechnet solche Hartz-IV-Empfänger zu präsentieren. Denn das Gros sieht – natürlich – anders aus. Trotzdem hat niemand in unserer kleinen Diskussionsrunde verstanden, was denn dagegen spricht, den Empfang einer vom Steuerzahler aufgebrachten Leistung, wo eben sinnvoll, mit einer Gegenleistung zu verbinden?
Darf man solche Fragen wirklich nicht stellen, weil, wie das Handelsblatt schreibt, „nur bei uns der simple Wunsch, dass man für Staatsknete gelegentlich auch mal etwas tun sollte, eine Empörung auslöst, als habe einer die allgemeine Burka-Pflicht eingefordert?“ Warum ist bei uns „unanständig“, was in Holland (und nicht nur da) gang und gäbe ist?
Natürlich, natürlich: Die meisten Hartz-IV-Empfänger sind keine notorischen Faulpelze. Aber es gibt eben auch ärgerlich viele, die sich als Hartzer beruflich eingerichtet haben und diesen Lebensstil so genüsslich betreiben, wie seit 30 Jahren der kürzlich im Fernsehen zu besichtigende Arno Dübel, „Deutschlands glücklichster Arbeitsloser“.
Aber es ist wohl einfach nicht nett, auf eine mögliche Gegenleistung für Steuerzahlers Knete hinzuweisen. Und wer es tut, bekommt die volle Wucht des politisch motivierten Empörungspotenzials zu spüren. Weil ja die „alleinerziehenden Mütter“ auf diese Weise „unerträglich belastet werden“. Wie Jacqueline. Die von RTL.
Nur – halten wir uns wirklich für zu blöd, zwischen diesen wirklich bedürftigen Familien und Sofa-Arno einen Unterhaltsunterschied zu machen? Soll es uns wirklich unmöglich sein, die allein gelassene Mutter anders zu behandeln als die liegengebliebene Couch-Kartoffel?
Vielleicht müssten wir mal darüber nachdenken, statt reflexartig zu schreien: Ungerecht, unsozial, gemein, fies, böse, bääääh. Aber Nachdenken ist so viel schwerer als Schreien. Mist …


Hallo Herr Stein,
es mag ja sein, dass der eine oder andere wirklich von Hartz IV profitiert.
Aber wie viel Prozent aller Empfänger sind es denn wirklich. Und von 345,-€ kann man wohl nicht gerade, wie die Made im Speck leben. Jeder Einzelne (bis auf die, von denen sich unser Staat Geld borgt, um es Ihnen dann wieder zu günstigen Zinsen in den Rachen zu schieben- siehe Banken und Konsorten) sollte sich vor Augen halten, das er morgen schon auf staatliche Hilfe angewiesen sein kann. Ich zahle seit 25 Jahren in die Kasse ein und hoffe nicht, irgendwann davon leben zu müssen. Jede zumutbare Arbeit annehmen? Wie freie Jobs gibt es denn wirklich? Die perfekte Lösung gibt es nicht. Aber alle über einen Kamm scheren, darin sind unsere Privatsender Spitze. Und die Politiker die alle Ihre Schäflein im Trocknen haben treffen hierüber Entscheidung. Der Staat ist pleite und um sich zu rechtfertigen, müssen eben „Schmarotzer“ herhalten. Nur gut, dass es solche gibt, wer wäre sonst Schuld?
Gruß
N.Beese
Sehr geehrter Herr Kollege Stein,
ob sich dieses Thema wirklich für einen kurzen ironischen Beitrag eignet? Im Spannungsfeld zwischen Artikel 12 Absatz 2 (Verbot der Zwangsarbeit)und Vernichtung von Arbeitsplätzen durch staatlich geförderte Dumping-Löhne einerseits, persönlichen Schicksalen und den bereits jetzt mit der Einzelfallbetrachtung völlig überforderten Sachbearbeitern der ARGE (jeder 2. Bescheid ist falsch!)andererseits wäre mir das Problemfeld zu vielschichtig, um hier eine Billiglösung nach dem Motto “wir finden schon die Faulpälze, die wir zwangsverpflichten” anzubieten.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen,
Gunnar Hansen
Lieber Günter Stein,
gerne lese ich Ihre Beiträge und freue mich auch über den lockeren, manchmal provokanten und fast immer unterhaltsamen Stil. Darum versuche ich mal, in Ihrer Sprache zu antworten.
Schon spannend, zu erleben, wie eine Äußerung eines Politikers das erzeugt, was Politiker am besten können: Heiße Luft. Nun gibt es eine bestimmte Art von heißer Luft, die auch mit Gestank verbunden ist. Und hier stinkt es doch ganz schön.
Wenn ein hessischer Koch einen Eintopf ansetzt, in dem er alle Hartz-IV-Gemüse in einen Kessel wirft, und das ganze mehrmals aufkocht, muss das nicht schmackhaft sein. Denn differenziert hat unser hessischer Roland an keiner Stelle.
Nun bemüht sich ein Lohnschreiber seine objektive Brille aufzubehalten, kann aber augenscheinlich eine klammheimliche Freude nicht verhehlen. Doch eine Frage bleibt er schuldig: Was bringt es eigentlich, wenn die Hartzer für den Staat arbeiten?
Ein-Euro-Jobber haben wir ja schon. Die leisten viel für die Gemeinden und Einrichtungen, in denen sie eingesetzt werden. Tolle Sache. Da muss man wohl hin-nehmen, dass der eine oder andere Arbeitsplatz zugunsten dieser Dumpinglöhner abgebaut wird. Wenns einen älteren trifft – nicht schlimm, der Staat fäng ihn ja auf – und irgendwann kriegt er Hartz IV.
Dann kommt der hessische Koch und wirft ihn in seinen Einheitseintopf und aus irgeneiner Ecke schießt man auch noch mit einer STEIN-Schleuder auf ihn – aber das hat er ja nicht anders verdient.
Auch in Zeiten der Hochkonjunktur hatten wir einen Bodensatz von Arbeitslosen. Der wurde aber mehr oder weniger hingenommen. Jetzt steigen die Zahlen, weil viele trotz intensiver Suche keine Arbeit finden und das Geschrei wird immer größer. Doch bei dem Aufschrei der Entrüstung gehts nicht um verlorengehende Arbeitsplätze sondern um die bösen Faulenzer in der Hängematte.
Eine Spitze, lieber Günter Stein, kann ich mir allerdings nicht verkneifen: Wenn ich die von dir bevorzugten Fernsehsendungen aus dem Artikel entnehme, wundere ich mich nicht über den Tenor deines Beitrags.
Jetzt will ich mal die anderen Beiträge lesen, vielleicht gefallen die mir ja dann wieder besser.
In diedsem Sinne alles Gute
Hardy
Sehr geehrter Herr Stein,
ich habe zwar auch einige Bemerkungen zu Ihrem Kommentar, lese aber gerade die Mail von Herrn Neese:
Sehr geehrter Herr Neese, leider stimmt Ihre Annahme mit den 345 Euro nicht so ganz. Inklusive Wohnungsmiete, Heizkosten kostet ein Hartz-IV-Empfänger den Steuerzahler locker 1000 Euro im Monat.
Nun zu Ihnen Herr Stein:
Ich habe leider die Sendung nicht gesehen, über die Sie berichten. Ich muss zu dieser Tageszeit meine Brötchen verdienen und konnte darum die erschöpfenden Analysen der befragten Hartzer nicht mitverfolgen.
Sie übersehen aber in Ihrem Kommentar Einiges:
1. Die Gruppe der Hartz-IV-Empfänger wird natürlich auch als Wählerpotential gesehen. Und wer verprellt sich denn schon mögliche Wähler?
2. Sich in anderen Ländern umzusehen ist nicht Art der deutschen Politiker, außer diese Länder haben Urlaubsziel-Qualitäten, also schönes Wetter, Sehenswürdigkeiten und ähnliches. Da man meist in seiner Jugend in Holland oder auch in Dänemark war, fährt man da als Politiker natürlich nicht mehr hin. (Dänemark wäre mal interessant wegen der Arbeitsmarktpolitik!).
3. Herr Koch hat natürlich recht, er hat aber einen Makel: Er hat bei der Aufklärung der CDU-Spedenaffäre leider den Mund etwas zu voll genommen.
Ich möchte aber eines klarstellen: Wer unverschuldet (!) in Not geraten ist, dem muss natürlich geholfen werden, ohne wenn und aber! Allerdings kann ich einer Aussage von Heiner Geißler, den ich ansonsten sehr schätze, nicht zustimmen, dass sich unsere Gesellschaft eben einige 100000 Faulenzer leisten können muss. Wenn sich dieses schon nicht vermeiden lässt, dann aber bitte mit Einkaufsgutscheinen und nur etwas Taschengeld!
Grüße!
Karl-Heinz Decker
Lieber Herr Stein,
grundsätzlich ist es zu begrüßen, für eine Leistung auch eine Gegenleistung zu erwarten – oder im (etwas schwachen) Beispiel Hartz eben umgekehrt.
Ebenso denke ich jedoch, würden viele Hartz-Betroffene jedem (verbal) die Hände küssen, wenn Sie nur arbeiten dürften, um auch ihre Würde vor den Augen mancher Politiker, vieler Unternehmer und großer Teile unserer Gesellschaft wieder zu erlangen.
Die von Arbeitsunwilligkeit Betroffenen sind hier eindeutig nicht das Maß der Dinge!
Den Menschen Koch zu beurteilen, ist müßig. Er wird als eine Art Minenhund vorausgeschickt worden sein, um auszuloten, ob und wie heftig ein Aufschrei kommen könnte. Einen Rufschaden braucht dieser ja nicht mehr zu fürchten – so lange es in seinem Bundesland trotz vieler Entgleisungen noch Wähler gibt, die bei seinem Namen weiterhin ein Kreuzchen verantworten können.
Nein, selbst wenn man hier eine verträgliche Lösung finden würde, z.B. für den sozialen Bereich,
in der Betreuung, Pflege oder ähnlichem, wird es stets an der behördlichen Ausführung bzw. Umsetzung scheitern. Denn auch hier stinkt der Fisch vom Kopf her.
Auch hier werden unsere Behörden nur in einfachen Schemata denken können und handeln wollen (bzw. dürfen) und nicht individuell. Nur in einer kompetenten, individuellen
Betreuung kann man den Arbeitsscheuen unterscheiden vom bereits depressiven Langzeit-arbeitslosen, dem Schwerbehinderten oder der alleinerziehenden Mutter, die nicht mehr
weiter weiss.
Doch die Erfahrung derer, die auf jedwede Hilfe jedweder Behörde angewiesen sind und von Mitarbeitern eben dieser “Dienstleister“ (denn Behörden sind eigentlich nichts anderes) als
Bittsteller angesehen und behandelt werden, stellen ein völlig anderes Bild dar. Hier wird
individuelles Denken und abwägen weder gefördert noch gewünscht.
Jeder Arbeitssuchende (ausgenommen Billigstarbeitskräfte), jeder Rentner, jeder Student,
jeder Langzeitkranke, jeder im Schwerbehindertenstatus, d.h. jeder wirklich Bedürftige kann Ihnen ein Lied singen über die „Unterstützung“ und helfende Hand die man bei unseren Behörden erhält.
Daher ist dieses Gerede nichts weiter, als dumme und polemische Makulatur.
Sehr geehrter Herr Stein und alle lieben Vorschreiber bzw. -schreiberinnen,
ich möchte nur mal eben bemerken, dass selbst ein Arbeitnehmer, der die berühmte Grundsicherung beantragt, weil die Tariflöhne zu niedrig sind und er davon nicht leben kann. Oder weil er nur einen Halbtagsjob bekam, deshalb aber trotzdem am Arbeitsleben teilnimmt und diese Grundsicherung noch benötigt.
Klar sagen jetzt alle, dann soll er halt seinen Lebensstil ändern. Hat er längst, denn selbst die Mehrzahl der Arbeitslosen bekommen soviel Arbeitslosengeld, welches von unserem lieben Vater Staat bereits zur Armengrenze zählt.
Nun, zurück zu diesem Arbeitnehmer. Er zählt, wenn er diese Grundsicherung befürwortet bekam, merke nochmals an: trotzdem dass er arbeitet und Steuern bezahlt, wird er in den “Gemüseeintopf” von Herrn Koch geworfen. Er zählt automatisch zu den Hartz V Empfängern, obwohl er Arbeitnehmer ist.
Jetzt bin ich gespannt auf die nachfolgenden Kommentare.
Ich selbst hatte es schon mal beantragt und ich werde es NIE wieder machen. Damals war ich Arbeitslos, aber kein Hartz IV Fall. Ich war weit davon entfernt. Allerdings, wenn ich bei einem Amt anrief, hieß es sofort: “Ach Sie sind ja Hartz IV Empfänger” und das finde ich auch nicht korrekt.
Wissen denn unsere lieben Herren Politiker, wie es sich monatlich mit etwa 700 Euro leben lässt? Davon noch Miete, Lebensunterhalt, Versicherungen, Kleidung etc. Nur mal in Betracht nehmen, dass es auch Leute gibt, die chronisch krank sind und evtl. dadurch auch in den „Gemüsetopf“ kamen. Zudem möchte ich hier auch noch das leidige Thema MOBBING anführen, welches Gang und gäbe in den heutigen Firmen ist.
LG
Brigitte
Sehr geehrter Herr Stein,
um ganz ehrlich zu sein, kann ich tatsächlich diesen Aufschrei in Deutschland nicht wirklich nachvollziehen. Ich bin, auch wenn ich Herrn Koch nicht leiden kann, in diesem Falle seiner Meinung. Allerdings ist eine Pauschalisierung unangebracht.
Von einem Hartz VI Betrag kann man definitiv nicht gut leben. Darüber sind wir uns einig. Ganz sicher will der Großteil derer, die auf Grund von Insolvenzen oder sonstigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Unternehmen in die Arbeitslosigkeit gehen mussten, wieder einen neue Arbeitsstelle.
Aber es gibt auch genügend von der Sorte, die lieber mit dem Po auf dem Sofa bleiben, denn morgens früh aufstehen ist ‘uncool’. “Geld verdienen kann man ja auch noch anderweitig und bekommt dennoch Geld vom Staat.” Solche Dinge haben mir einige Hartz VI-ler erklärt und bei diesen bin ich mir sicher: Die wollen nicht arbeiten.
Dabei stellt sich dann die Frage, ob es nicht möglich ist, genau diese schwarzen Schafe herauszufinden und nach Herrn Kochs Vorschlag arbeiten zu lassen. Die, die ihr Leben lang in diese nette Staatskasse eingezahlt haben, dürfen bitte gerne auch davon profitieren, wenn wirklich mal der Notfall eintrifft. Das kann wirklich jedem passieren. Ich selbst stehe seit Beginn meiner Ausbildung 1983 in Lohn und Brot und war niemals darauf angewiesen, zum Arbeitsamt zu gehen. Dafür kann ich Gott nur danken, weil man dort wirklich behandelt wird, als wäre man ‘ein Assozialer’, der sowieso keine Lust hat. Und das unabhängig davon, wie lange man wieviel in die Staatskasse eingezahlt hat.
Ich bin mir sicher, dass nur die im Staate D aufschreien, denen dieser Schuh von Herrn Koch passt. Viele sind meiner Meinung, aber das ist heutzutage nicht möglich, eine solche Meinung zu äußern, weil man dann automatisch in die Faschistenecke gedrängt wird.
Ist es denn so falsch, einen solchen Gedanken zu äußern, wenn man täglich 14 Stunden im Büro verbringt und dann dumme Sprüche von denjenigen hört, die sich über Jahre hinweg auf dem Sofa lümmeln und einem noch sagen, wie blöd man doch ist, arbeiten zu gehen?
Ein schönes Wochenende wünscht
Angelika Bohl
Nochmal gaaaaanz langsam: Jemand, der Hartz IV bekommt, ist Arbeitslos. Es gibt also für ihn keine Arbeitsstelle. Wenn er aber als Gegenleistung zu dieser Hartz-IV-Unterstützung eine Tätigkeit nachgehen müsste, dann würde es doch bedeuten, dass es eine Arbeitsstelle für denjenigen gibt! Also: warum dann nicht direkt eine richtige Arbeitsstelle vergeben mit der entsprechenden dazugehörenden Bezahlung? Ach ja! Das wäre ja gar nicht mehr so gewinnbringend! Ich Dummie!!! – So viel zum sozialen Denken.
Tja, das ist eben die Sache mit dem über den Kamm scheren”. Aber gibt es tatsächlich einen Grund, bei der Arbeitspflicht nach “gutem” und “schlechtem” Arbeitslosen zu unterscheiden. Es geht ja nicht darum, die Menschen zu quälen. Es ist vor allem bei Langzeitarbeitslosen ja auch so, dass – je länger die Arbeitslosigkeit dauert – die Eingliederung in das geregelte Arbeitsleben um so schwerer fällt.
Vielleicht wäre eine Differenzierung nach der Dauer der Arbeitslosigkeit sinnvoll. Monat 1 bis 6: keine Arbeitspflicht. Monat 6 bis 12: begrenzte, 12 bis 18: ausgeweitet, ab 18. Monat: voll.
Ausnahmen für Alleinerziehende usw. sind klar …
Aber Hand aufs Herz: totale Gerechtigkeit kann es nicht geben. Aber wo gibt es die schon?
Grüße
GS und Danke für die vielen Kommentare!!
Guten Morgen in die Runde,
da ich mit Hilfebedürftigen arbeite, möchte ich anonym bleiben.
aus meinem beruflichen Alltag sind mir leider mehr Menschen bekannt, die sich auf HIV ausruhen wollen als diejenigen, die wirklich einer Arbeit nachgehen wollen. viele haben einfach Angst vor der Welt da draußen. Oft höre ich das Argument: wenn ich die Stelle antrete bekomme ich keine Stütze mehr. Wovon soll ich dann leben? Diese Menschen wissen nicht, dass sie dann keine Hilfe mehr benötigen. Jetzt sind sie abgesichert: die Miete bezahlt das Amt, die Heizung und das warme Wasser auch. Ein Fmailienvater mit zwei oder mehr Kindern, der keine Ausbildung gemacht hat, bekommt auf dem Arbeitsmarkt keine Stelle, wo er das Geld bekommt, dass er vom Amt hat. Das ist Fakt – leider!
Es stimmt., dass viele Langzeitarbeitsuchende nicht mehr gewohnt sind, täglich aufzustheen und zur arbeit zu gehen. Um ihnen das wieder näher zu bringen, wurde unter Anderem der 1-€-Job geschaffen. Der Erfolg ist nicht messbar. Allerdings trennt dieser Job die Spreu vom Weizen. Wer wirklich arbeiten will, zieht den Job durch, wird in der Regel auch in eine Arbeit vermittelt. Allerdings sind das nciht viele. Der größte Teil der Teilnehmenden drückt sich in Ecken herum, feiert krank oder kommt ohne Grund nicht zur Arbeit. Aber meckern über den bösen Chef und das noch bösere Amt, das können viele sehr gut.
Ein Beispiel von heute: zwei Kunden sollen hier bei uns ein Training machen. Der eine sagt: ich habe eine Jobzusage für März, ich mach das nicht. Außerdem will ich keine 25 km zur Arbiet fahren, ich habe drei kleine Kinder zu Hause. Wann soll ich die den sehen, wenn ich so weit zur Arbeit fahren muss?.
Der Andere sagt, ich mach das mit, es bringt mich nur weiter. Obwohl: am Mittwoch habe ich ein Vorstellungsgespräch in einer Stadt, die 60 km entfernt ist, da komme ich dann später zum Training.
Welcher von Beiden bekommt wohl wieder Arbeit? Welcher von Beiden würde einer Tätiglkeit nach dem Kochschen Muster nachgehen?
Grüße
Y.
Hallo aus Bremen,
ich verstehe diese ganze Diskussion hier eigentlich nicht. Wir haben doch jetzt schon die Situation, die Herr Koch fordert. Einem Hartz IV Empfänger, der eine “zumutbare Arbeit” nicht annimmt können 30% des Satzes gekürzt werden. Und das passiert ja auch schon in vielen Fällen. So sollte z.B. in Berlin eine erwerbslose Frau eine Eingliederungsvereinbarung” unterschreiben, in der u.a. benannt wurde, dass sie dem “Nebengewerbe der Prostitution” weiterhin nachgehen sollte, obwohl sie diese Tätigkeit psychisch stark belastete. Anderfalls drohten 30 Prozent Arbeitslosengeld II (ALG II) Kürzungen. Das sollte doch die meisten der Kommentarschreiber und auch sie zufrieden stellen, oder?
Es ist leider nicht so einfach. Wenn jemand für das Arbeitslosengeld arbeiten soll, dann werden sich die Firmen wehren, die diese Art von Arbeit anbieten. In Wirklichkeit würden ja, andere Arbeitsplätze zerstört und wir haben wieder neue Arbeitslose, denn zu den Dumpingpreisen wie Hartz IV dürfen Betriebe die Arbeit nicht anbieten.
In Wirklichkeit sind ja nicht alle arbeitslos, die einen “niedrigen” Beruf haben. Es wäre schön, wenn man arbeitslos ist und trotzdem in seinem Beruf arbeiten darf, weil man ja für sein Arbeitslosengeld schließlich arbeiten soll. Das würde doch den meisten Arbeitslosen (und ich kenne einige) entgegenkommen. Eigentlich müsste das Arbeitsamt einen Leihbetrieb aufmachen und die Leute verleihen.
Also das mit dem Arbeiten für HartzIV-Bezug ist leicht dahingesagt und wäre z. B. in unserem Betrieb ein großes Problem. Wir sind nämlich tarifgebunden und können keinen 8 Stunden-Job anbieten für einen Hartz IV-Bezug. Bitte alle noch einmal nachdenken. Danke
Der Punkt, das bereits \viele\ mit Sanktionen belegt werden, stimmt so nicht. Es sind lt. Statistik unter 3%. Hier mal ein paar Fakten:
Und so manche der kolportierten Zahlen stimmen einfach nicht. Beispiele:
Behauptung: „Die Bescheide sind zum großen Teil falsch“
Tatsache: Von 23 Millionen Bescheiden wurden 330.000 im Widerspruchs- und Klageverfahren geän-dert. Kaum 1,5 Prozent also.
Behauptung: „Hartz-IV-Empfänger leiden unter maßlosen Sanktionen.“
Tatsache: Für 97,4 Prozent der Arbeitssuchenden sind Sanktionen kein Thema.
Behauptung: Es gibt eine ungeheure Klageflut gegen Hartz IV.
Tatsache: Es gibt heute nicht mehr und nicht weniger Klagen als vor Hartz IV. Was wir heute haben, sind mehr Leistungsempfänger. Das Verhältnis zwischen Leistungsempfänger und Widersprüchen aber ist unverändert.
Behauptung: Die Arbeitslosen werden schlechter betreut.
Tatsache: Noch nie war die Unterstützung so intensiv wie heute. Ein Vermittler betreut 155 Arbeitslose, bei den Jugendlichen liegt das Verhältnis 1 zu 73.
Behauptung: Es wird kaum in den Arbeitsmarkt hinein vermittelt.
Tatsache: Pro Jahr werden über zwei Millionen Menschen über Arbeitsmarktpolitik gefördert. Seit 2005 wurden rund 4 Millionen Menschen in Erwerbstätigkeit integriert.
Behauptung: Hartz-IV-Familien geht es schlechter als Nicht-Hartz-IV-Familien
Tatsache: Hartz IV ist nicht nur Arbeitslosengeld II und Wohnkosten. Hartz IV ist auch … die Befreiung von GEZ-Gebühren … Ermäßigungen im Rahmen des Sozialpasses … Bezuschussung zur Verpflegung in Kindertagesstätten oder Schulen … Sonderbedarfsausstattung für Unterrichtsmaterialien … Über-nahmen der Klassenfahrten … Babyerstausstattung … Zuschüsse für medizinisch notwendige kosten-aufwändige Ernährung … Familien, deren Einkommen gerade hoch genug ist, um nicht auf Transfer-leistungen angewiesen zu sein, können ihren Kindern nicht immer die Klassenfahrten finanzieren …
Grüße
GS
1. Soll das als Statistik sein “Von 23 Millionen Bescheiden” angeblich für ca.6 Millionen Arbeitslosen/suchende oder Hartz IV-Anfänger so viel Bescheide geben? Pro Kopf etwa 4 Bescheide? und dabei nur “wurden 330.000 im Widerspruchs- und Klageverfahren geän-dert. Kaum 1,5 Prozent also”…
Echt, von wo nimmt nur Mensch diese Statistik?
2. “Seit 2005 wurden rund 4 Millionen Menschen in Erwerbstätigkeit integriert.” Welche Erwerbstätigkeit: für 1 EuroJob oder KurzArbeit oder andere Massnahmen, aber sicher mit echte Job (normalen Lohn) nicht zu tun wäre? Und “4 Millionen” Zahl aus der Luft gegriffen…
3. “die Befreiung von GEZ-Gebühren” solche Quatsch!!! Die HartIV Menschen müssen nachhinein dobbelt und dreifach an GEZ zahlen, weil nie rechtzeitig von JobCenter an GEZ Bescheid bekommen (+ sämtliche Inkassogebühren)!!!
Und das sind Tatsachen: dass JobCenter für sich selbst fast “sichere” aber unnötige Arbeitsplätze geschaft hat, weil nicht aus eigene Tasche oder “eigenen Produktion” sondern von Steuer für sich Lebensunterhalt abzockt…
Ist doch einfach, die Sache mit der Statistik. Hartz IV feiert in diesem Jahr 5. Geburtstag … Das ergibt die Zahl der Bescheide. Die Statistik stammt von der Bundesagentur für Arbeit.
Grüße
GS
Ich kann das ganze irgendwie nicht verstehen, daß alle Hartz 4 Empfänger als nicht arbeitswillig bezeichnet werden. Da feiert ein Langzeitarbeitsloser im TV sein 30 jähriges Arbeitslosenjubiläum und das Amt ist nicht in der Lage diesem wirklcih so armen Menschen zu helfen.
Ha, ha sorry aber da versteh ich die Welt nicht mehr.
Hier müsste Vater Staat doch eingreifen, aber ist nicht in Lage dies zu tun, ausser auf die wirklich arbeitswilligen einzuprügeln.
Gruß
Marcel
Hallo,
meinen Beitrag – als bewusste Gegenposition zu Ihrer Sympathierklärung zur üblichen Hetze von Herrn Koch – habe ich weder auf Ihrer blogseite geschweige denn in Ihrem neuesten Newsletter wieder gefunden (also wie erwartet).
Ausdiskutiert wurde das ganze zudem nicht.
Zudem machen Sie in einem Beitrag falsche so genannte “Tatsachen”.
Sie behaupten z.B.:
Tatsache: Von 23 Millionen Bescheiden wurden 330.000 im Widerspruchs- und Klageverfahren geän-dert. Kaum 1,5 Prozent also
Abgesehen einmal davon, dass die meisten die Bescheide nicht verstehen (können) und nicht wissen. ob der Bescheid korrekt ist und häufig die angesichts ihrer Erfahrungen (falsche aber nachvollziebare) Einstellung haben, sie könnten ohnehin nichts machen oder sie hätten Angst vor negativen Folgen oder Schikanen, wenn sie Widersprüche einlegen oder klagen würden. Viele geben nach einer Ablehnung des Widerspruchs auf.
Richtig ist, dass von den eingereichten !!!! Klagen gegen (Widerspruchs)Becheide nach Sozialgericht 1/3 bis 50 % (teilweise) Erfolg haben. Laut Bericht des LSG NRW (siehe beigefügte Analge, waren über 48,75 % (teilweise) erfolgreich und nur 44,36 %nicht erfolgreich. Sie sollten also schon die richge Bezugsgröße nehmen.
Im Übrigen: In meiner Praxis als Sozial- und Schuldenberater und integrationshelfer habe ich nur wenige Bescheide gesehen, die wirklich komplett richtig sind.
Zudem kommt noch hinzu, dass viele Bescheide von Amts wegen korrigiert werden mussten, z.B. bei der Anrechnung von Krankenhausverpflegung, nach dem auch das Bundessozialgericht mehrfach über die Anrechenbarkeit als nicht korrekt geurteilt hatte, weil die BA und Ministerium an der Auffasssung festhalten wollten, dies sie anrechenbar.
Sie behaupten: Tatsache: Es gibt heute nicht mehr und nicht weniger Klagen als vor Hartz IV. Was wir heute haben, sind mehr Leistungsempfänger. Das Verhältnis zwischen Leistungsempfänger und Widersprüchen aber ist unverändert.
Dies ist falsch. Richtig ist, dass die Anzahl der Klagen gegen Hartz IV überproportional hoch ist. Und Sie steigt – trotz geringerer Zahl der Leistungsberechtigten (wobei aber auch dies z.T. nur auf statistische Tricks zurück zuführen ist) weiter angestiegen ist. Im Bereich des LSG NTW waren es fast 2000 (7,6 %) mehr.(Siehe Anlage)
Tatsache: Noch nie war die Unterstützung so intensiv wie heute. Ein Vermittler betreut 155 Arbeitslose, bei den Jugendlichen liegt das Verhältnis 1 zu 73.
Grau ist alle Theorie. Diese Zahlen waren vorgesehen, leider bei weitem nie erreicht. Trauen Sie doch keiner (falschen) Statistik. Fragen Sie sich doch mal: Warum sollen wohl weitere 5000 Arbeitsvermittler in den nächsten drei Jahren eingestellt werden? Und warum sind in 2009 3000 neu eingestellt worden. Was sagt dies zudem über die bisherige Qualität?
Wie war das bei dem Ehepaar, dass bei Anne Will zu Gast war. 600 Eigenbewerbungen. Drei !!! Vorschläge des Jobcenters inn fünf Jahren Hartz IV. Und Sie klammern bewusst aus, das wegen nicht vorhandener (Erwerbs)Arbeit häufig keine Vermittlung möglich ist.
Sie schreiben: Tatsache: Hartz IV ist nicht nur Arbeitslosengeld II und Wohnkosten. Hartz IV ist auch … die Befreiung von GEZ-Gebühren … Ermäßigungen im Rahmen des Sozialpasses … Bezuschussung zur Verpflegung in Kindertagesstätten oder Schulen … Sonderbedarfsausstattung für Unterrichtsmaterialien … Über-nahmen der Klassenfahrten … Babyerstausstattung … Zuschüsse für medizinisch notwendige kosten-aufwändige Ernährung … Familien, deren Einkommen gerade hoch genug ist, um nicht auf Transfer-leistungen angewiesen zu sein, können ihren Kindern nicht immer die Klassenfahrten finanzieren
Dazu gab es ja schon ein paar passende Kommentare, deswegen nur ganz kurz:
Vele Kinder müssen ab dem 20 eines jeden Monats hungrig in die Schule oder in den Kindergarten gehen. Eltern verzichten für Ihre Kinder, damit die Kinder etwas bekommen können. Was meinen Sie eigentlich, warum es immer mehr Tafeln gibt? Warum müssen immer mehr Tafeln Bedürftige zeitweise abweisen.
Nur mehrtägige Klassenfahrten werden übernommen. Eintägige Fahrten, Exkursionen, Besuch von Bildungseinrichtungen u.v. m. nicht.
Was ist das für ein Argument, das auch manche nicht Hartz IV Bezieher Finanzprobleme haben. Wird dadurch die Situation von Leistungsberechtigten SGB II Empfänger besser. Das Problem der Armut (darunter fast 3 Millionen Kinder) in Deutschland mit einer immer weiter auseinander gehenden Schere zwischen arm und reich, zwischen Vermögenden und Nichtvermögenden hat viele Facetten.
Lassen Sie doch endlich Ihren interessensgeleiteten Lobbyismus
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Franz