Ich gehe heute einkaufen. Das an sich ist ja nichts Besonderes … Aus meiner „Studien-Orgie“ vom Montag weiß ich ja, dass Männer ihre Wohnung 1 Stunde und 52 Minuten in der Woche putzen und Frauen mehr als doppelt so viel Zeit dafür investieren. Weshalb Frauen bei einem Lottogewinn eine Haushaltshilfe einstellen, Männer hingegen sich ein Luxusauto anschaffen würden … Und ich weiß auch, dass Männer, wenn sie sich dann im gemeinsamen Haushalt an der Hausarbeit beteiligen, am häufigsten Lebensmittel einkaufen gehen (20 Prozent). Nur sechs Prozent der Männer waschen ab, gerade zwei Prozent bügeln oder bedienen die Waschmaschine…
Hm, wenn ich mir diese Zahlen genau betrachte, ist das mit dem Einkaufen ja doch eine besondere Sache. 80 Prozent der Männer tun es nicht …
Nichtsdestotrotz, Einkaufen ist mein Hobby. Allerdings habe ich seit heute verstanden: mal eben unrasiert aus dem Haus und ab in den Supermarkt oder den Drogeriemarkt. Die Zeiten sind vorbei. Nun hat also auch noch „Mein Platz“ Videokamaras installiert. Heimlich. Damit werden Kunden und Personal gefilmt …
Wenn ich das mit dieser heimlichen Videoüberwachung bloß vorher gewusst hätte:
Wie viele Aufnahmen von mir gibt es mit ungekämmtem Haar … schlechter Laune … unrasiertem Gesicht … mit meiner Holden diskutierend … und was weiß ich noch alles. Sollte ich jemals berühmt werden, sehe ich schon die Heerscharen von Deutschlands Journalisten, die solche Aufnahmen von mir herbeizerren und öffentlich ausstrahlen … Ich sehe schon die Schlagzeile in Bild: „Das ist sein wahres Gesicht“. Und auf Bild online läuft ein Video mit mir im Supermarkt, gefilmt in dem Augenblick, in dem ich heimlich eine Walnuss in der Gemüseabteilung klaue, knacke und die Reste zwischen den Tomaten verstecke …
Andererseits hat das Ganze einen hübschen Nebeneffekt. Viele Frauen gehen nur noch geschmückt und geschminkt in den Supermarkt. Wer weiß denn schon, wer am Ende der Kamera sitzt …
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Dazu schreibt „Zipper“, der Satiriker, in der Welt:
„Drogerie-Discounter und Lebensmittelmärkte verlängern ihre kostenlosen Castings! Jeder, der will, darf jetzt vor den Kameras von Schlecker, Ihr Platz oder Lidl zeigen, was er draufhat. Vorbereitung oder Textlernen ist Nebensache. Es reicht, nur an den Regalen vorbeizuschlendern und hier mal ein Haarspray in die Hand zu nehmen oder eine Tütensuppe zu begutachten, die filmen alles.
Natürlich kann man seine Rolle auch richtig liebevoll gestalten. Einfach einmal im Hasenkostüm aus einer Pyramide mit Dosensuppen ganz unten eine herausziehen und warten, was passiert. Oder den Hamlet-Monolog mit Hitlerbart und Betonung direkt in die Edeka-Kamera sprechen.
Sie können auch etwas singen, in den meisten Supermärkten läuft ständig Playbackmusik. Wer auf krasse Action steht, nimmt sich einfach irgendwelche Waren aus dem Regal und geht durch die Kasse, ohne zu zahlen. Achtung! Nicht immer sind im Eingangs- und Außenbereich Kameras installiert, also zur Sicherheit einen Freund die Verfolgungsjagd filmen lassen oder auf Google-Streetview zurückgreifen.“


