Eingeschobene Nebensätze, Teil II
Freitag 5. Februar 2010 von Günter Stein
Kategorie: Allgemein |
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050210_montagSchon in der vergangenen Woche habe ich versucht, über dieses Thema zu schreiben. Dummerweise sind mir ein paar Studien dazwischengekommen, die mich vollkommen haben vom Thema abkommen lassen … Womit ich eigentlich schon mittendrin bin. Denn es ist eine nicht zu verleugnende Tatsache: Männer reden anders – Frauen aber auch.

Das macht sich schon an der Zahl der Wörter fest, die täglich aus Mann oder Frau herauskommen. Angeblich sind es ja bei Frauen doppelt so viele wie bei Männern. Doch das glaube ich. Der Faktor liegt vermutlich eher beim Fünffachen. Das lässt sich an einer alltäglichen Situation festmachen:

Herr Günter und Frau Sandra bummeln durch die Stadt. Dort treffen sie Frau Beate. Man grüßt sich kurz, hält ein kleines Schwätzchen. Anschließend setzt man seinen Weg fort. Frau Sandra kauft sich noch einen netten Pullover. Man trinkt im Café noch einen Latte Macchiato und fährt nach Hause. Am Abend sitzen Herr Günter und Frau Sandra bei den Eltern von Frau Sandra. Herr und Frau Günter sollen berichten, was sie am Nachmittag erlebt haben.

Bei Herrn Günter hört sich das so an:
„Wir waren heute Nachmittag in der Stadt. Sandra hat sich einen Pullover gekauft. War nett.“

Womit alles gesagt ist. 15 Wörter reichen. Beim Mann.

Die Schilderung von Frau Sandra fällt irgendwie … anders aus. Etwa so:

„Es ist zum Verrücktwerden. Diese Kältewelle macht einen noch wahnsinnig. Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich anziehen soll. Kein Mensch ist doch auf so einen Winter eingerichtet. Deshalb liege ich dem Günter ja auch schon seit Wochen in den Ohren: ‚Ich brauche einen neuen Pullover. Wir müssen dringend mal in die Stadt.‘ Aber ihr kennt ihn ja:

Bis der sich mal aufrafft, mit mir in die Stadt zu gehen … ein Drama ist das. Mal muss er was schreiben, dann ist er beim Kunden, dann hat er keine Lust … und ich stehe und friere … Vorgestern habe ich ihm dann aber die Pistole auf die Brust gesetzt: ‚Entweder wir gehen jetzt mal los, oder wir bekommen uns richtig in die Wolle.‘

Ja, und dann haben wir es heute endlich geschafft. Unglaublich, oder? Wobei ich den Pullover jetzt vermutlich gar nicht mehr brauche, weil die im Wetterbericht gesagt haben, dass eine Schönwetterfront kommt. Aber ich habe ja immer so ein Glück … Und stellt euch vor:

Kaum sind wir in der Stadt angekommen – wen treffen wir da? Die Beate. Das ist die Freundin von Jürgen, Günters Freund. Na ihr wisst schon – die, die immer so zickig ist. Die hat ihm, dem Jürgen, doch damals auf der Party vom Frank, Günters Schulfreund, der mit der Frau aus Norwegen und den beiden Kindern, wo sich die eine kürzlich den Arm gebrochen hat, eine totale Szene gemacht. Richtig peinlich war das. ‚Na‘, habe ich gedacht, ‚die hat uns natürlich gerade noch gefehlt.‘ Und vor allem:

Was in aller Welt macht die unter der Woche am Nachmittag in der Stadt? Ich denke, die arbeitet in diesem Verband. Höchst merkwürdig ist das. Sie war auch ganz kurz angebunden. Also irgendetwas muss da sein … ich muss das unbedingt noch herausfinden … Und wie die angezogen war. Unmöglich. Also ich würde niemals so rumlaufen. Aber gut, das muss jeder selber wissen.

Wir sind dann auch gleich in mein Lieblingsgeschäft. Früher war das ja der H und M, weißt du Mama, der an der Ecke, wo der Blumenhändler ist. Obwohl ich da keine Blumen mehr kaufe – der ist viel zu teuer geworden – und vorne, beim Karstadt, wo früher der Hertie drin war, ist jetzt ein Holländer, der ist mit seinen Blumen viel preiswerter und hat auch viel mehr Auswahl.

Na ja, auf jeden Fall sind wir in die Boutique rein, die neue, neben dem Kaufhof, wo früher die Bäckerei drin war, die aber pleitegegangen ist, nachdem da dieser Billigbäcker gleich um die Ecke aufgemacht hat. Und da sehe ich ihn: einen tollen Pullover. Weiß mit kleinen blauen Mustern. Aber was ist: Es gibt ihn nicht in meiner Größe. Typisch, oder? Ich habe ja immer so ein Glück. Genau wie damals bei diesem supertollen Rock von Otto. Dreimal haben die mir den in der falschen Größe geliefert, und als die es dann endlich fast geschafft hätten, mir die richtige zu liefern, war der Rock vergriffen. Und so ist das auch, wenn ich mal in die Stadt gehe:

Egal wo ich hinkomme. Alle Größen sind da – nur nicht meine. Ich wollte auch schon wieder aus dem Laden raus … aber da hat Günter gesehen, dass die weiter hinten auch noch ein paar nette Pullover hatten. Ich habe gedacht: ‚Gut, wenn wir schon mal im Laden sind, kann man ja mal einen Blick drauf werden.‘ Und ob du es glaubst oder nicht, Mama: Da war tatsächlich was für mich dabei … Ein netter weißer aus ganz kuscheliger Wolle. Der hat mir sofort gefallen. Gut, der ist jetzt nicht so schön wie der andere mit den blauen Mustern, aber gut … wenn man es schon mal in die Stadt schafft, weil der Mann Zeit für alles andere hat nur nicht für die Frau an seiner Seite, muss man eben auch schon mal das Zweitbeste nehmen. Obwohl ich das jetzt gar nicht so sagen will, denn er ist eigentlich wirklich schön. Schade, dass ich ihn nicht gleich angezogen habe. Aber ich dachte: Wenn das mit der Wärmefront schon heute Abend losgeht, ist der viel zu warm. Ich hätte ihn ja auch eigentlich viel früher gebraucht. Aber gut, jetzt ist es so, wie es ist …

Nach dem Einkauf sind Günter und ich noch ins Kaffeehaus, einen Latte Macchiato trinken. Da in dieses schöne, große Café direkt am Marktplatz. Eigentlich am Marktplatz. Doch ich habe dem Günter schon gesagt: ‚Da geh ich so schnell nicht mehr hin‘. 4,80 Euro für einen Latte Macchiato nehmen die jetzt. Die spinnen doch. Vor zwei Jahren hat der noch 3,50 Euro gekostet, und das fand ich schon viel. Na ja, auf jeden Fall: Ich habe jetzt einen schönen Pullover. Und jetzt hilf mir mal, Mama, wir müssen Günter und Papa aufwecken. Wir müssen gleich gehen …“

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2 Kommentare zu “Eingeschobene Nebensätze, Teil II”

  1. Von Schäfer, Jörg:

    Das 5 fache reicht hier wohl nicht aus. Ich hoffe der Tiefschlaf war erholsam.

  2. Von Isabell:

    Ich muss sagen, das fand ich jetzt etwas übertrieben. Aber generell hat er schon recht, der Herr Stein! Vielleicht bin ich eine der wenigen Frauen, denen es so geht, aber ich bin keine Frau der vielen Worte und mich nervt es tierisch, wenn Frauen so viel reden! Mir tun die meisten Männer echt leid, die unter solchen Frauen leiden. Kaum 5 min. zu Hause, n stressigen Tag im Büro gehabt, und dann gehts auch schon los das Gebabbel. Respekt vor dem, der da nicht durchdreht…. ;-)

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