O-Ton Deutschland. Was sagen Sie dazu?

Freitag 30. April 2010 von admin
Kategorie: Allgemein, Politik |
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300410_donnerstagEin 31-Jähriger denkt nach …

In der Zeitung „Die Welt“ berichtet in der Rubrik O-Ton Deutschland ein 31-Jähriger über die Erwartungshaltung seiner Generation an den Staat … Er schreibt:

„Ich habe nichts gegen einen Sozialstaat. Er ist eine große Errungenschaft – für alle. Keiner ist vor Schicksalsschlägen sicher, und ich möchte auch gar nicht Menschen auf der Straße sehen, die hungern und kein Geld für den Arzt haben. Aber man kann ihn nicht, wie es derzeit in einer Art politischer Schockstarre in allen Parteien geschieht, unbegrenzt ausdehnen.

Es ist nicht Aufgabe des Staates, Leute zu unterstützen, die gar keine Lust mehr haben zu arbeiten. Genauso wenig wie es Aufgabe des Staates ist, Mindestlöhne festzusetzen. Junge Menschen haben ohnehin nichts von den vermeintlichen sozialen Wohltaten. Umso bitterer.

Wir haben längst begriffen, dass wir extrem hohe Sozialabgaben leisten, von denen wir selbst nicht mehr profitieren werden. Wir zahlen eifrig in die Rentenkasse, schließen aber gleichzeitig private Versicherungen ab, um uns vor Altersarmut zu schützen. Wir steigen meist wesentlich höher qualifiziert, aber mit deutlich niedrigeren Löhnen in das Berufsleben ein. Zudem müssen mehr und mehr Quotenregelungen berücksichtigt werden.

Ich habe nichts gegen Gewerkschaften, Betriebsräte oder betriebliche Mitbestimmung. Ganz im Gegenteil, diese Institutionen sind im Prinzip ein wesentlicher Bestandteil eines gut funktionierenden Arbeitsmarkts. Allerdings konterkarieren sie ihre eigenen Forderungen, wenn sie, wie das gegenwärtig geschieht, ausschließlich Insider gegen Outsider ausspielen …

Mit den Phrasen von sozialer Gerechtigkeit habe ich längst abgeschlossen. Man darf das nicht laut sagen, weil Gutmenschen – und leider viel zu oft auch Kirchenleute – sich gern damit schmücken. Aber jede Diktatur, auch die DDR, hat sich auf die Fahnen geschrieben, sozial gerecht zu sein … Doch das Einzige, wozu die Umverteilung führt, ist eine Einschränkung der individuellen Freiheiten.

Ich kann in immer geringer werdendem Umfang über mein Geld bestimmen, weil die Steuern zu hoch sind. Ich bin nicht der Meinung, dass man sie unbedingt senken muss – aber man müsste dringend die Schulden abbauen, damit meine Generation nicht in eine Katastrophe rennt. Dafür müsste man staatliche Leistungen kürzen, Apparate verschlanken, Subventionen abbauen – und unbedingt das Steuersystem vereinfachen. Aber man fürchtet den Protest. Und so kürzt man lieber an staatlichen Institutionen wie Feuerwehr oder Polizei oder freundet sich mit Schlaglöchern an. Und macht viel Lärm um Dinge, die staatliche Institutionen nichts angehen, etwa Rauchverbot in Kneipen und Glühlampen …

Ich wünsche mir ein Land, in dem das höchste Ziel des Staates ist, sich überflüssig zu machen. Dann würden die Menschen Verantwortung übernehmen für sich selbst und mehr und mehr auch für andere, sie würden Entscheidungen intensiver bedenken und diskutieren, bewusster leben.“

Was soll ich dazu sagen?
Ich kann das alles nur unterstreichen – auch wenn ich einen kleinen Tick älter bin …

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3 Kommentare zu “O-Ton Deutschland. Was sagen Sie dazu?”

  1. Von Attila G. Sós:

    Sehr geehrter Herr Stein,

    um diesen Artikel zu kommentieren, würde ich dem Verfasser folgendes antworten:

    Vorschlag:
    Die einfachste Lösung ist die, dorthin zu gehen, wo es wunschgemäß funktioniert:

    - USA / Australien oder Neuseeland
    (die gelobten Länder menschlicher und sonstiger besungenen Freiheiten)

    Natürlich nur insofern, dass eine westlich orientierte und damit qualitativ gewohnte Infrastruktur, medizinische Versorgung und politische Sicherheitslage
    (wie z.B. im teuren West-EU-Raum) überhaupt angeboten wird.

    Die Alternative – quasi für System-Voll-Aussteiger hieße z.B.
    - MEXICO / INDIEN / BRASILIEN / oder doch CHINA .!

    Innerlich sollte man sich dann allerdings von vielen technischen und zivilisatorischen (kulturellen..?..) Errungenschaften verabschieden, mit denen man hier (in der Regel recht angenehm) aufgewachsen ist. Denn die sind dort anders bzw. oft nicht vorhanden – weil unnötig….!?! Gibt ja genug Ersatz-Menschenmaterial, wenn jährlich ein paar Tausend
    ausfallen wegen Krankheit, Hunger, Rente oder sonstiger Faktoren.

    Einwurf:
    Das mit den Gewerkschaften (Insider gegen Outsider) habe ich nicht ganz verstanden.

    Richtig ist (nach meiner Auffassung):
    - Steuergesetze vereinfachen (alle Ausnahmeregelungen deutlich beschneiden)
    - Staatsapparat drastisch zusammenstreichen (wie viel Hundert Abgeordnete + Zubehör ..äh Mitarbeiter haben wir???) bzw. durch intelligente Systeme ersetzen
    - Soziale Gerechtigkeit muss eine Haltung sein – keine Worthülse
    - – bin ich einig!.

    Falsch ist (persönliche Meinung):
    Die betrogene Generation – und das ist Ihr Irrtum – sind die Arbeitnehmer mittleren Alters, die in 15-20 Jahren in die Röhre schauen, weil die Rente, die der Staat JAHRZEHNTELANG als SICHER garantierte – weg brechen wird. Als Folge droht eine Altersarmut, die uns an die Wilhelminische Epoche oder die Weimarer Republik erinnern wird.

    Die junge (arbeitswillige) Generation, so schwer der finanzielle Einstieg ist – zugegeben,
    hat allerdings unzählige Möglichkeiten, sich privat und mit genügend Vorlauf kapitalgedeckt zu versichern, um das Rentenproblem zu minimieren oder ganz auszuschließen. Ein 55- jähriger Normalverdiener, der das nicht schon vor 10-15 Jahren angeleiert hat (als die Renten noch „sicher“ schienen) kann es vergessen – weil es sich nicht mehr lohnt – siehe Riesterdilemma.

    Der Tick den Sie älter sind, mein lieber Herr Stein und die uneingeschränkte Zustimmung lässt dennoch einen gewissen Weitblick vermissen. ;-)

  2. Von Sandra:

    Sehr guter Beitrag!

  3. Von Sandra:

    Sehr guter Beitrag, Herr Stein!

 

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