Heimreise mit Margot und Dali

Freitag 14. Mai 2010 von admin
Kategorie: Allgemein |
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montag140510Nummer 1

Sie haben es wieder geschafft. Margot und Dali sausen soeben mit hocherhobenem Kopf mitsamt Koffern und Gepäckwagen an uns vorbei Richtung Ausgang. Der Triumpf, der sich in ihren Gesichtern widerspiegelt, ist unübersehbar. Doch dann …

Stop:

Ich berichte der Reihe nach!

Wenn Sie die Ausgabe von letzter Woche gelesen haben, wissen Sie, dass meine Holde und ich uns ins Abenteuer gestürzt haben. Eine 1-wöchige Kreuzfahrt rund um Dubai. Gestern, am Sonntagabend, hat die Kreuzfahrt nun ihr Ende gefunden. Der Rückflug steht an. Und da dieser Teil der Reiseleistung „Kreuzfahrt“ ist, wird er von der Reederei organisiert. Um 20.15 Uhr sollen sich die 220 Auszuschiffenden vor dem Schiff einfinden, um ihr Gepäck in Empfang zu nehmen und um einen der 8 Busse zu besteigen, der sie dann zum Flughafen bringt.

Nun ist das so eine Sache, wenn 220 Auszuschiffende um einen Platz im Bus kämpfen. Eine viel größere Sache ist es, wenn diese 220 Auszuschiffenden anschließend am Flughafen vor dem Ticketschalter stehen und warten … und warten … und warten.

Um das zu Umgehen, haben meine Holde und ich spontan beschlossen, bereits um 20.00 Uhr auszuschiffen. Wir fahren mit dem Taxi zum Flughafen. Als wir dann gegen 20.30 Uhr am eigens für die Ausschiffer eingerichteten Terminal eintreffen, verursachen wir unter den gemütlich herumsitzenden Reederei-Mitarbeitern Hektik.

„Sind die Busse schon da? Wo sind die anderen? Wir noch gar nicht fertig …“ Zwar können wir die plötzlich wild umherspringenden und auf ihre Positionen rennenden Mitarbeiter beruhigen, dass wir lediglich die Vorhut darstellen, doch mit der Ruhe ist es erst einmal vorbei. Eilig wird der Schlängelparcours abgesteckt, der später die Schlange der 220 Auszuschiffenden aufnehmen soll, die Condor-Mitarbeiter werden herbei telefoniert – und wir werden auf ein Sofa in der Ecke des Raumes platziert, um nicht im Weg rumzustehen.

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Gegen 21 Uhr kommen sie dann wirklich – die übrigen Auszuschiffenden. Ein Tross von 218 Menschen schiebt sich durch die Automatiktür des Terminalgebäudes – angeführt von Margot und Dali, die eiligen Schrittes auf den Schlängelparcours zusteuern und dabei ihre Koffer und zwei Rollis so geschickt hinter sich herziehen, dass niemand aus der Reihe hinter ihnen an ihnen vorbeikommt. Margot und Dali sind Nummer 1 und bereit, die Pole Position mit allen Mitteln zu verteidigen.

Natürlich weiß ich nicht, wie dieses seltsame Pärchen Mitte fünfzig wirklich heißt. Aber: Sie hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit Margot Honecker, während er entfernt an Salvator Dali kurz nach dem Aufstehen und vor dem richten der Frisur und des Bartes erinnert.

In einem Affentempo schlängeln sich die beiden durch den abgesteckten Schlängelparcours und stehen dorthin, wo sie ihrer Meinung auch hingehören – an Nummer 1! Ihre Augen glänzen. Wenn Sie es jetzt noch schaffen, die Nummer 1 bei der Kofferaufgabe … beim Zoll … am Gate … im Flughafen … beim Besteigen des Flugzeugs … bei der Getränkeausgabe … beim Verlassen des Flugzeugs … beim Koffereinsammeln … am Ausgang … am Bahnsteig oder Parkhaus zu sein … dann ist ihr Tag gerettet. Und sie sind wild entschlossen, sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Alle Eventualitäten haben sie eingeplant, alle Risiken einkalkuliert. Nur … uns nicht.

Denn kaum stehen Margot und Dali ganz vorn im Schlängelparcours, winkt uns der Flughafenmitarbeiter von unserem Sofa herbei, von dem aus wir das muntere Treiben im Allgemeinen und Margot und Dali im Besonderen beobachtet haben.

„You’re Numer One“, erklärt er uns lächelnd und bittet Margot und Dali einen kleinen Schritt zurückzugehen. „They are first“, so seine Erklärung.

Es gibt dumme Gesichter. Saudumme Gesichter. Und extrem saudumme Gesichter. Das Gesicht von Margot wechselt, kaum dass sie die Anweisung bekommen hat, Platz zu machen, binnen Zehntelsekunden von „Triumph des Willens“ auf „Extra sau dumm“. Mit offenem Mund starrt sie uns an und schnappt hörbar nach Luft. Dali sagt gar nichts. Er arbeitet bereits an einem neuen Plan.

Blitzschnell hat er überlauert, dass zwei Schalter offen sind. Wenn es gleich losgeht, brauchen er und Margot also nur etwas schneller als wir an einem der beiden Schalter zu sein. Und wenn sie dann noch Glück haben, werden wir bei unserem Schalterbeamten so zeitvergeudende Dinge machen wie „Guten Tag“ sagen. Wenn sie sich das schenken und effizient vorgehen, können sie die Pole Position zurückerobern.

Sie erobern sie zurück!

Mit einer unglaublichen Effizienz. Kaum kommt der entscheidende Wink: „Zum Schalter bitte“, saust Margot los. Pässe aus der Tasche ziehen, Flugtickets hervorkramen, auf den Schalter legen sind eine Bewegung, während er bereits den ersten Koffer auf das Gepäckband neben den Mann vom Eincheckschalter wuchtet.

„Guten Tag“, sagt der Mann von Eincheckschalter, doch Margot und Dali schweigen. Stumm deutet sie auf den Pass. „Seat Number One“ ist alles, was Margot herauspresst. Derweil beobachtet sie den Vorgang an unserem Check-In-Schalter aus dem Augenwinkel. Können wir ihr noch „Seat Numer One“ streitig machen?

Können wir nicht.

Denn unser Check-In-Mann hat mal in Köln gelebt – und erzählt munter davon, kaum dass er unseren Pässen entnommen hat, wo wir wohnen. Margot blickt mir triumphierend in die Augen. „Looser“, sagt ihr Blick. Und während wir vom Checkin-Mann erfahren, dass „wir Männer aus Dubai keinen Alkohol trinken … nur Bier, Wien und Schnaps, ha ha h a“, ziehen Margot und Dali bereits Richtung Sicherheitskontrolle.

Nun haben weder meine Holde noch ich vor, den beiden irgendeinen Platz streitig zu machen – wir lassen uns sogar einen Sitz ganz hinten geben, freiwillig. (Irgendwann habe ich mal gelesen, dass die Überlebenschancen im hinteren Teil des Flugzeugs größer sind als vorne). Trotzdem interessieren mich die beiden brennend. Am Sicherheitscheck – fünf Reihen sind geöffnet- halte ich nach ihnen Ausschau. Und schau an: Ganz vorne rechts stehen sie – vor einer Gruppe Araber, die munter miteinander schwätzt und schnattert.

Dann passiert es:

Als sich der Araber vor ihnen kurz zu der Gruppe der übrigen Araber hinter ihm umdreht, gelingt es Margot, sich unbemerkt unter ihm  durchzuschlängeln, während Dali sich ein wenig bückt. Als er wieder hochkommt, tritt der Araber einen Schritt zur Seite, um nicht mit Dali zu kollidieren – und  schwups – schon steht auch Dali vor ihm – gleich neben Margot. Etwas verwundert schaut der Araber die beiden an, zuckt mit den Schultern – und schwätzt weiter.

Natürlich sind Margot und Dali auch die ersten im Warteraum. Und natürlich sitzen sie direkt an der Tür zum Ausgang.  Bis zum Boarding sind es zwar noch zwei Stunden – aber diesen Platz geben sie nicht mehr her. Denken sie … Doch wieder geschieht das Unerwartete:

Ein freundlicher Flughafenmitarbeiter erscheint und bittet die Gruppe, den Warteraum zu verlassen. Er will schon mal Pässe und Tickets sehen. „Wer kontrolliert ist, kann wieder hinein!“

Nun wären Margot und Dali nicht Margot und Dali, wenn ihnen nicht auch für solch unerwartete Situationen sofort eine Lösung einfiele …

Geschickt schaffen sie es, sich in der herausströmenden Menge immer weiter nach hinten fallen zu lassen, bis sie schließlich die letzten sind, die den Raum verlassen. Mit ihrem Handgepäck verscheuchen sie die zwei Rollstuhlfahrer, die ihnen an der Pass- und Ticketkontrolle den Platz versperren … und siehe da, der Plan geht auf. Sie sind die ersten beiden, deren Tickets und Pässe kontrolliert werden – und sitzen binnen Sekunden wieder dort, wo sie schon die ganze Zeit gesessen haben: direkt am Ausgang.

Nach einer weiteren Stunde ist es so weit:

ie Tür öffnet sich und der ganze Trupp wird gebeten, sich zu den Bussen zu begeben. Margot und Dali marschieren voran. Arm in Arm eingehakt, bilden sie eine kleine Mauer, links und rechts abgesichert durch die beiden Rollkoffer. Niemand kommt an ihnen vorbei. Und so werden sie – wen wundert es … Nummer 1 im Bus, und dank geschickten Türmanagements (beim Bus immer an der mittleren Tür stehen – von da aus gelangt man am schnellsten ins Flugzeug …) schaffen sie es tatsächlich – sie sind die ersten, die das Flugzeug besteigen.

Während des Fluges haben wir leider keinen Sichtkontakt. Margot und Dali sitzen vorne – wir hinten. Dafür aber sehen wir uns in Frankfurt wieder. Am Gepäckband. Beide haben sich direkt an der Stelle postiert, an der das Gepäckband aus dem Keller kommend seine Fracht auf das obere Gepäckband ausspuckt. Doch was nun folgt, ist eine Sache, über die ich noch lange nachdenken werde. „Wie haben die das geschafft?“

Vielleicht ist es ja wirklich so, dass sich Dinge, die einem Menschen gehören, irgendwie mit seiner Energie aufladen. Ich weiß es nicht. Aber: Die beiden Koffer von Margot und Dali sind tatsächlich die ersten von rund 300 Gepäckstücken, die den Weg aus dem unteren Geschoss auf das obere Gepäckband finden. Margot hüpft (aber nur einmal) vor Freude. Dali lädt die Koffer auf den Wagen und im Eilschritt sausen sie gen Ausgang. Nicht, ohne sich noch einmal triumphierend umzuschauen. Als sie mich am Gepäckband sieht – noch ohne Koffer – spielt ein spöttisches Lächeln um ihr Gesicht. Sie eilen weiter:

Noch zehn Meter bis zum Ausgang. Fünf Meter. Drei Meter. „Stopp!“

Ein Mann in Uniform baut sich vor Ihnen auf. „Gepäckkontrolle“, sagt er, und bittet beide, die Koffer auf den Zolltisch zu legen.

Derweil pflücke ich meinen Koffer und den der Holden vom Band und auf den Kofferwagen. Gemütlich rollen wir zum Ausgang. Der Zollbeamte nickt uns freundlich zu, während er uns passieren lässt, während Margot mit hochrotem Kopf neben ihrem geöffneten Koffer  steht. „Schau mal“, sage ich zu meiner Holden so laut, dass Margot und Dali es nur ja hören können, „jetzt sind die beiden sogar Nummer 1 bei der Zollkontrolle.“

Wir winken ihnen freundlich zu während sich vor uns die Tür zur Freiheit öffnet und sich gleich hinter uns und Margot und Dali wieder schließt. Doch noch ein Geräusch ist zu hören. Irgendetwas fällt scheppernd zu Boden. Ich vermute ein Messer, das Margot hinter uns hergeworfen hat. Oder Margot selber. Aber herausfinden werden wir das wohl nie.

Nun denn – die Reise ist zu Ende –, aber dafür kommt nun etwas ganz anderes. Der aktuelle Download-Tipp:

3 Kommentare zu “Heimreise mit Margot und Dali”

  1. Von Margit:

    Hallo Herr Stein,
    beim Lesen musste ich an eine Geschichte vor vielen Jahren denken. Wir standen alle an der Bushaltestelle und ein paar 14jährige Mädchen drängelten sehr. Da sagte der Mann neben mir zu ihnen: “Habt ihr es eilig”. Die guckten ihn irritiert an und sagten dann doch im Chor “Ja!”. Dann lachte er auf und meinte “Dann dürft ihr selbstverständlich vor mir in den Bus steigen.” Im Bus flüsterten sie über die Bemerkung und ich glaube mit der Zeit merkten sie, dass es da einen Hintersinn gibt. Und genau diese Geschichte fiel mir beim Lesen der Dubaiabfahrtssoap ein.

  2. Von Margit:

    Hallo Herr Stein,
    als ich die Geschichte gelesen hatte, fiel mir eine Geschichte von vor vielen Jahren ein. Ein paar 14jährige drängelten vor dem Bus. Der Mann neben mir fragte daraufhin: “Habt ihr es eilig”. Die Mädchen irritiert aber dann doch im Chor: “ja”. Darauf er lächelnd: “Dann dürft ihr selbstverständlich vor mir in den Bus einsteigen.” Im Bus flüsterten sie über die Bemerkung und ich glaube sie erkannten bald den Hintersinn. Genau daran musste ich denken.

  3. Von Lolita:

    naja muss nachdencken, muss es tatsächlich Taxi bestellen um “First” zu sein?
    aber dann Margret und Dali trotz “Taxikosten!” stellen die Show fast haarnah weg,,,
    Aber schade,,,
    ich habe Taxi für mein Günther bestellt : Jalta – Evpatoriya nur etwa 450 km mit Taxi…
    Hin-und zurück…
    und 5 Tage danach Jalta…
    alle berühmte Plätze eben von Churchill und Roosevelt verfolgt aber Günther suchte nur Limone Vodka…
    Ehrlich gesagt innerhalb 7 Tage unsere Ukraina-Ausflüg war grosse Sammlung von Vodka und Konjak entstanden…
    Aber wir ins Bus eingestiegen..und nicht ins Taxi (Flüggäste wäre über 300 noch schlimmer aber aus München… Gast mit rothaarige und desen Eltern… wollte ich zu diese Margert und Dali + 2 Uhralte Begleiter besonders grossen Abstand behalten)
    weil alles was Margert und Dali…macht irgendwann nur Probleme

    und Zoll wollte was sehen aber ..
    nicht Vodka
    Gottsei Dank
    und wir sind hei´l nach Hause gekonmmen…
    “We are the Chempion….”
    muss dass sein?
    mindestens haben wir Taxigebühr zu Flughafen gesparrt…
    und überhaupt unsere Taxifahrer Jaltahalbinsel war ganz nette Polizist..,.
    mit Blau Licht konnte wir sonderheiten des JaltenInsel doch erleben.,,
    Traumurlaub für mein Günther..,
    nur weil ich dabei war und paar andere mit roothaarige Begleiterin und desen Eltern… und anderen Margots und Dalis…

 

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