Meine Entenfamilie ist flügge geworden!

Freitag 28. Mai 2010 von admin
Kategorie: Allgemein |
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montag_280510Männer dekorieren anders, Frauen aber auch

Als Mann habe ich ein natürliches Gespür für dekorative Angelegenheiten. Nehmen Sie zum Beispiel meine Entenfamilie. Aus Porzellan. Als ich sie vor einigen Jahren in einem Kramsladen entdeckte, konnte ich gar nicht anders, als dieser Entenfamilie eine neue Heimat zu geben. Als dekoratives Element in der Küche. Dort – und dieser Meinung bin ich bis heute – macht sich die Entenfamilie sehr, sehr schön.

Dummerweise hat diese Entenfamilie eine unangenehme Eigenschaft entwickelt. Sie ist flügge geworden. Sogar sehr flügge. Immer, wenn ich mal etwas länger aus dem Haus bin, ist die Entenfamilie nach meiner Rückkehr ausgeflogen. Mal finde ich sie im Keller wieder –  im hintersten Winkel des hintersten Regals –, mal in der Truhe im Flur, ganz weit unter den Decken und Wintermänteln.

Frage ich meine Holde, wie die Entenfamilie dorthin gekommen ist, schaut sie mich mit unschuldigen Augen an und antwortet: „Keine Ahnung!“ Allerdings glaube ich ihr nicht so recht. Sie hat, wenn sie das sagt, so ein merkwürdiges Zucken um das linke Auge. Das hat sie immer, wenn sie flunkert. Aber zum Glück weiß sie nicht, dass ich das weiß.

Meine Holde hat aber nicht nur ein verdächtiges Augenzwinkern. Sie hat noch etwas. Sie hat ein ausgesprochenes Faible für ihre langen Plastikblumen. Die haben wir angeschafft, um den Hausflur damit zu schmücken. Sie passen ideal in die Bodenvase – und im Flur ist es für echte Pflanzen nun einmal zu dunkel.

Doch auch diese Blumen haben ein Eigenleben entwickelt:

Fristeten sie die ersten 6 Wochen ihres Daseins tatsächlich noch im Flur, fanden sich einige von ihnen eines Tages als dekoratives Element auf dem Wohnzimmerschrank wieder.

„Schön oder“, meinte meine Holde knapp, als sie mir ihren neuesten Dekorationsstreich präsentierte. Zur Antwort schaute ich sie genau so an, wie sie mich angeschaut hatte, als die Entenfamilie bei uns einzog.

Ich finde nun einmal, dass lange Stängelplastikblumen nichts auf einem Wohnzimmerschrank zu suchen haben. Allerdings weiß ich auch, dass es keinen Sinn macht, sie von dort zu entfernen, solange die Holde in der Nähe ist. Das würde nur zu … unangenehmen Diskussionen führen. Also mache ich Folgendes:

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Sobald die Holde etwas länger aus dem Haus ist, strolche ich ein wenig durch das Haus. Das muss ich sowieso, denn irgendwo muss ja die Entenfamilie stecken. Und natürlich komme ich im Rahmen meiner Strolchtour auch im Wohnzimmer vorbei. Und … ups! … da … ups! – da fallen mir doch auf der Suche nach meiner reizenden Entenfamilie die langstieligen Plastikdekoblumen vom Wohnzimmerschrank. Wie ärgerlich. Zumal ich weiß, dass es mir als Mann unmöglich ist, die Blumen exakt wieder so zu drapieren, wie meine Holde es gerne und ich es am liebsten überhaupt nicht hätte.

Nun liegen die Blumen also da auf dem Boden. Was tun? Herumliegen lassen will ich sie ja auch nicht. Schließlich bin ich ein ordentlicher Mensch. Also am besten nehme ich sie gleich mit in den Flur und stopfe sie wieder in die Bodenvase …

Und was für ein Glück, was für ein Zufall:

Im Dielenschrank, gleich hinter den Wanderschuhen, finde ich bei dieser Gelegenheit auch meine Entenfamilie wieder. Kurzum:

Bevor meine Holde nach Haus zurückkehrt, ist alles wieder an seinem Platz. Die dekorative Ordnung ist wieder hergestellt. Alles ist so, wie es sein soll: Die Blumen sind im Flur, die Entenfamilie ist in der Küche – und meine Holde bei ihrer Rückkehr aus dem Häuschen. Das sehe ich an ihrer Miene. Mit spitzen Lippen sagt sie:

„Du wolltest doch noch einkaufen gehen. Dann geh doch schon mal los!“ Derweil starrt sie auf meine Entenfamilie – mit einem Blick, der jeden Tierschutzverein in höchste Alarmbereitschaft versetzen müsste.

Natürlich gehe ich nicht los. Denn ich ahne, was sie vorhat. Sie will meine Entenfamilie aussetzen. So wie sie seinerzeit meinen wirklich dekorativen Wackeldackel ausgesetzt hat. Auf das Brutalste wurde das schöne Stück entsorgt. Ein Schnäppchenkauf bei Weltbild. „Die Wackeldackel sind wieder da!“ hieß die Aktion. Und ich wollte schon immer einen Wackeldackel haben. Doch kaum zu Hause angekommen, begannen die Schwierigkeiten.

„Was willst du denn damit?“, lautete die Frage, mit der ich von meiner Holden schon in der Tür begrüßt wurde. „Das Haus dekorieren“, antwortete ich pflichtgemäß. Dafür erntete ich einen Blick, den ansonsten nur ein Scharfrichter aufsetzen kann, kurz bevor er das Fallbeil in Gang setzt.

Merkwürdigerweise fand sich für den Wackeldackel dann auch kein passender Platz im Haus. Zumindest nach Ansicht meiner Holden. „Im Wohnzimmer?“ – „Passt nicht!“ – „In der Küche?“ – „Kein Platz!“ – „Im Schlafzimmer?“ – „Bist du verrückt?“

So landete der arme Wackeldackel schließlich zur Zwischenaufbewahrung im Keller – bis er von dort eines Tages verschwand. „Ein Sperrmüll-Unfall“ nannte meine Holde das. Ich nenne es einen Akt brutaler Hundeaussetzung! Und so ist es nur zu verständlich, dass ich meiner Entenfamilie ein ähnlich grausames Schicksal ersparen will. Was es immer schwerer macht, aus dem Haus zu gehen.

Der Haken an der Sache:

Dummerweise kann kein Mensch den Rest seines Lebens im Haus verbringen. Und heute Morgen war es so weit. Ich musste das Haus verlassen. Autoinspektion. Und was sehe ich, kaum dass ich heimkehre? Die Entenfamilie ist verschwunden … ihr Platz in der Küche ist einsam, verwaist … leer.

Mit bösen Vorahnungen schleiche ich mich ins Wohnzimmer. Und ja, da liegen sie wieder – die langen Stängelplastikblumen …

„Na warte!“, denke ich. Und schon reift ein Plan in mir heran, derweil ich mit zusammengekniffenen Augen auf die Blumen starre.

Ewig kann die Holde ja nicht im Hause bleiben. Der nächste Friseurtermin wird schon kommen … oder irgendwas. Und dann dekoriere ich hier mal richtig um. So wie Männer dekorieren. Damit meine Holde mal sieht, wie schön unser Haus wird, wenn ein Mann Hand an die Deko legt. Na, da wird sie schauen. Ich fühle schon ihren bewundernden Blick.

Doch jetzt entschuldigen Sie mich bitte. Ich muss noch meine Enten suchen.

5 Kommentare zu “Meine Entenfamilie ist flügge geworden!”

  1. Von san:

    Der Artikel ist einfach wunderbar. Ich habe herzlich gelacht obwohl das Thema wirklich \ernst\ ist. Vielen Dank.

  2. Von Doe:

    Ein lustiger Artikel, aber Männer sollten sich besser nicht in die Domäne der Frauen einmischen. Es gibt Dinge, die können Frauen einfach besser.
    Ihre treue Leserin D

  3. Von Lolita:

    Mein Goldstück liebt überalles Dekor nicht nur in der Küche sondern die kleine Dinge in ganze Wohnung zu verteilen. Katzen laufen ganz vorsichtig rum drum und nicht verschwindet außer lebenden Mäusen. Allerdings er ist wütend, wenn ich was ohne Genehmigung in der Hand nehme oder verschiebe. So lebt er auch alleine da. Aber er fragt gern meine Meinung ob mir was gefällt und wenn nicht, kauft trotzdem nur dann von seinem eigenen Geld… Dann sage ich eben, wenn ich Besuch mache das Ding kurzfristig von meinen Augen soll er entfernen. So kann die Beziehung und Freundschaft auch retten.
    Und Männer können auch gut dekorieren, da bin ich überzeugt.

  4. Von Nicole:

    Herrlich, vielen Dank! Zwei Dinge verstehe ich als Frau aber nicht so recht:

    1. Was sollte der Wackeldackel im Haus? Gehört der nicht ins Auto, eben damit er wackeln kann?

    2. Wie wär’s mit Asyl für die Entenfamilie – die ob der häufigen zwangsweisen (da bin ich mir sicher!) Wanderungen sicherlich schon völlig erschöpft ist – in Ihrem Büro? Ich bin mir sicher, daß sie sich dort wohlfühlen werden und so schnell nicht wieder auf Wanderschaft gehen.

    Viele Grüße,
    Nicole

  5. Von Günter Stein:

    Der Wackdeldackel war eigentlich als Entspannungsdeko im Büro gedacht … aber da ich viel im Wohnzimmer arbeite, dachte ich, da st auch Platz … na ja, mit bekannten Folgen. Und das erklärt auch, warum die Entenfamilie nicht ins Büro geflattert ist -)

 

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