Müssen wir nur mehr Geld investieren – und schon wird alles gut?

Freitag 28. Mai 2010 von admin
Kategorie: Allgemein, Politik |
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mittwoch_280510Und ich sage es doch!

Ich bin ein wenig motzig heute. Gerade habe ich mich durch „steinsblog.de“ geklickt, die Seite, auf der der Verlag freundlicherweise auch die Beiträge aus „Steins Woche“ einstellt. Und vielleicht erinnern Sie sich:

In der vergangenen Woche habe ich von einer Begegnung mit meinem Freund Günter (er heißt tatsächlich wie ich) gesprochen. Er ist Hausverwalter und betreut unter anderem eine Anlage des sozialen Wohnungsbaus. Dort hat er das Problem, dass etliche der dort lebenden Menschen die Wohnungen und Häuser verkommen lassen. Eigentlich ist es zum Beispiel Sache der Mieter, die Flure einmal pro Woche zu putzen. Doch diese Mieter tun es nicht – seitdem ein Bonner Richter entschieden hat: Da diese Menschen Hartz IV beziehen, darf ihnen die im Mietvertrag auferlegte Vertragsstrafe von 5 Euro pro ausgefallenen Putzdienst nicht auferlegt werden.

Dazu macht sich ein neuer Trend breit: Viele der dort lebenden 15- und 16-jährigen Mädchen haben erfahren, dass sie eine eigene Wohnung bekommen, wenn sie Mütter werden. Auch das hat dort, in dieser Siedlung, zu einem deutlichen Anstieg der Schwangerschaften geführt.

Zu diesem Bericht schreibt ein Leser ganz empört:

„Das ist ein dümmlicher Artikel auf dem Niveau von Westerwelles Leistungsgesellschaft.
Wenn eine Gesellschaft für Bildung, gerade für die Schwächsten in Haupt- und Sonderschule, nicht genug Geld für Hilfen ausgibt, braucht man sich über eine soziale Verrohung nicht zu wundern. Die Rechnung für diese Politik wird noch sehr hoch werden! Aber die bürgerlichen Parteien sind mit Hilfen für Banken und deren Aktionäre ja so beschäftigt, dass für soziale Dinge kein Geld übrig ist, siehe Bafög-Erhöhung.“

Wenn ich diese Aussage also richtig interpretiere, heißt das: Wir müssen nur mehr Geld in die Hand nehmen – und schon wird alles gut?

Eine interessante These …

Natürlich ist dieser Mikrokosmos, den mein Freund Günter geschildert hat und der ja nun  einmal tatsächlich existiert, ein Extremfall. Aber: Es gibt ihn. Und die Familien, die da wohnen, leben zum Teil in dritter Generation vom Geld, das der Staat anderen, arbeitenden Familien abnimmt und weiterverteilt.

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Und warum bleibt kein Geld für Soziales? Ein Blick auf die Grafik zeigt es doch. Kein, wirklich kein anderes Land der Welt wendet so viel Geld dafür auf: Fast jeder dritte verdiente Euro wird in diesem Jahr umverteilt und für Rentner, Hinterbliebene, Familien, Bedürftige oder Arbeitslose ausgegeben.

Was also würde noch mehr bringen?

Bin mal gespannt, was der Leser oder Sie dazu meinen!

4 Kommentare zu “Müssen wir nur mehr Geld investieren – und schon wird alles gut?”

  1. Von Wolfgang Bethke:

    Hallo Herr Stein!

    Das trifft den Nagel auf den Kopf. Genau die gleiche Feststellung haben wir in unserem 18 Parteien-Haus auch gemacht: die Kehrwoche wird von den Hartz IV-Empfängern nicht gemacht, bzw. nur nach (mehrmaliger) Ansprache. Dabei hätten die die meiste Zeit und könnten für die Anderen auf deren Kosten sie leben, freundlicherweise und freiwillig den Kehrdienst mitmachen. Soviel zum Thema Solidargemeinschaft. Solidarisch müssen zwangsweise(!) nur die Geber sein, nicht die, die nehmen. Die ordentlichsten in unserem Haus sind die Berufstätigen, und davon noch diejenigen, wo beide Ehepartner berufstätig sind.

  2. Von Petra Borchert:

    Ich muss sagen dass bei uns im Haus die berufstätigen Mieter auch so gut wie keinen Handschlag rühren.

    Zum Thema Sparen:
    - Griechenland streicht 25% der Bezüge von den Bediensteten. Wieso Deutschland nicht?
    - Kindergeld für Leute mit einem Jahresverdienst von 50.000 € kürzen. Anstelle von 184,00€ nur 80,00€ zahlen. Die eingesparten Euros in Kinderbetreuung, Bildung und ganz wichtig, in Jugendbetreuung stecken.
    - Wieso kann ein Lehrer / in bei seelischen Problemen in Pension gehen? Sorry, dieses betrifft auch vile andere Berufsgruppen. Reicht es nicht, wie bei jedem anderen Arbeitnehmer aus dass die Leute in Kur gehen und dann in einen anderen Job? Sparpotential enorm!
    - Krankenkassen haben fusioniert und 3 Managern der Krankenkasse kann kein Job mehr angeboten werden. Müssen die wirklich mit unseren Beiträgen sich die Sonne auf dem Bauch scheinen lassen? Meiner Meinung nach sollten die Bezüge um 40% gesenkt werden. Ich glaube dass dann kein Versicherter einen Zusatzbeitrag zahlen braucht.
    - Die Liste kann unentlich fortgeführt werden.
    Ach übrigens Herr Stein, ich würde die Entenfamilie in eine Vitrine stellen. Die Vitrine wird nicht so schnell den Weg in den Keller finden.

    Gruß

    Petra Borchert

  3. Von Attila G. Sós:

    Sehr geehrter Herr Stein,

    wie so oft, war dieser Artikel geeignet, etwas zu polarisieren – was ja auch geklappt hat.
    Der Leser hat auf Ihren Artikel motzig reagiert – wie auch Sie auf die geharnischte Antwort.

    Ich denke, die Wahrheit liegt wie so oft, in der Mitte (nicht die politische Mitte, wohlgemerkt).
    Soziale Hilfe ohne Gegenleistung (derer, die das könnten) birgt die Gefahr einer geistigen Entsozialisierung eben dieser Personen, die in dieser Abhängigkeit leben und sich damit mental arrangieren oder einfach abfinden.
    Dies kann schlimmstenfalls in eine Art Agonie übergehen, in der der Betroffene einfach aufgibt,
    quasi mit dem Selbstwertgefühl auch die soziale Verknüpfung mit der Gesellschaft. Er/Sie wird
    zu einem unfreiwilligen Niesnutzer der Allgemeinheit, die er/sie gleichzeitig als Almosen-empfänger ablehnt. Das ist insofern nachvollziehbar, dass niemand sich als „Sozialschmarotzer“ fühlen oder bezeichnen lassen will.

    Gibt man diesen Menschen von Jugend an die ernsthafte Chance zur Bildung und damit zu einem integralen Platz im Arbeitsleben und der sozial denkenden Gesellschaft, kann man
    hier Konfliktstoff auf mehreren Ebenen entschärfen oder gar vermeiden. Denn, und da gebe ich dem Autor des Leserbriefes recht – die Rechnung wird sehr hoch ausfallen – auch auf Kosten
    unseres sozialen Friedens!

  4. Von Günter Stein:

    Dem kann ich mich anschließen!
    Beste Grüße
    GS

 

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