Wie die deutsche Nationalelf die Weltfinanzen gerettet hat

Freitag 2. Juli 2010 von admin
Kategorie: Allgemein, Politik |
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montag_020710Bösen Gerüchten zufolge haben entnervte Ehefrauen in der letzten Woche verstärkt Kurzurlaube in Italien und Frankreich gebucht. Diese Länder gelten seit dem Ausscheiden ihrer Nationalmannschaften als WM-freie Zone. Nun steht auch England wieder auf dem Reiseplan. Auch hier hat die Begeisterung für die Weltmeisterschaft ein jähes Ende gefunden. Und zwar genau gestern Abend, als der Schiedsrichter das Spiel Deutschland gegen England abpfiff. Deutschland 4, England 1 Tor. Na ja, eigentlich 2. Aber wenn der Schiedsrichter nicht will, will er nicht. Manchmal will er ja auch, obwohl er gar nicht wollen dürfte. Wie damals, vor 44 seligen Jahren in Wembley. Nun sind wir quitt.

Natürlich überschlägt sich die deutsche Presse heute vor Begeisterung. Die Leistung des Nationalteams wird in höchsten Tönen gelobt, und selbst die Tatsache, dass der nächste Gegner Argentinien heißt, kann der Vorfreude auf das Spiel am kommenden Samstag keinen Abbruch tun.

Doch ich muss hier einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Leistung der deutschen Nationalmannschaft nicht nur darin besteht, die Engländer nach Hause geschickt zu haben. Sie hat vielmehr dafür gesorgt, dass sich die Weltfinanzen stabilisieren, es an den Börsen aufwärts geht und sich „die Händler in der City (also in London) endlich wieder auf die wesentlichen Probleme der Finanzbranche konzentrieren können“.
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Das sage nicht ich – das sagt der Handelsblatt-London-Korrespondent Michael Maisch. Er hat nämlich festgestellt, dass mit dem Sieg der deutschen Nationalmannschaft der Fußballgott der Finanzmarktstabilität einen echten Dienst erwiesen hat. Das begründet er wie folgt:

Wenn die Engländer bei der WM in Südafrika ins Geschehen eingreifen, stehen in der Londoner City alle Räder still. Wer immer es sich erlauben kann, verabschiedet sich in den nächsten Pub, angeblich, um wichtige Kunden zu treffen, die sich das Spiel unbedingt dort anschauen wollen – und in den Handelssälen flimmern keine Zahlenkolonnen mehr über den Bildschirm, sondern all die Bilder aus den Stadien …

So schluckte der Livestream der Engländer gegen die Slowenen bei einigen Banken so viel Computerleistung, dass die sensiblen Handelssysteme nur noch in Zeitlupe liefen. An vielen Märkten trocknete die Liquidität aus, weil sich die „Marketmaker“ plötzlich nicht mehr für Kurse interessierten.

Was für eine historische Leistung hat die deutsche Nationalmannschaft damit vollbracht! Herzlichen Glückwunsch! Nachdem der deutsche Steuerzahler Griechenland gerettet hat (na ja … sagen wir mal: die griechische Insolvenz verzögert hat), rettet die deutsche Nationalmannschaft nun die weltweite Finanzwirtschaft. Das muss man erst einmal schaffen!

Aber …
… irgendwie hätte sich das wohl auch von selbst reguliert, lieber Herr Maisch. Denn wäre England statt Deutschland weitergekommen – wann würden sie spielen? Am Samstag. Ist da Börsenzeit? Nein.
Und wann wäre ihr nächstes Spiel, wenn sie gewonnen hätten? Um 20.30 Uhr am kommenden Dienstag. Ist da Börsenzeit? Nein.
Und wenn sie dann um Platz 1 oder 3 gespielt hätten … wäre das zur Börsenzeit gewesen? Nein.

Ach man, es hätte so schön sein können. Aber nun gut – das sind Kleinigkeiten. Und seit wann geben sich echte „Marketmaker“ mit solchen Peanuts ab?

Wie gut, dass ich Ihnen keine Peanuts anbiete, sondern den ersten Gratis-Download zu dieser Ausgabe. Da ist er schon:

 

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