Vermitteln Sie immer den richtigen Eindruck von sich?

Freitag 13. August 2010 von admin
Kategorie: Allgemein |
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montagHallo MyLady

Ich gebe es zu. Den halben Sonntag habe ich mich geärgert. Denn ich fühlte und fühle mich schlecht behandelt. Nein, nicht von meiner Holden. Sie ist vollkommen unschuldig.

Was passiert ist?

Am Samstagmorgen stolperte ich in der Tageszeitung über „MyLady“. „MyLady“ inseriert zum wiederholten Male. Oder besser gesagt: Sie lässt inserieren. Lady ist verschmust, nach menschlichem Ermessen 49 Jahre alt und herrenlos. MyLady ist ein Hund, der von einer Tierschutzvereinigung zur Rettung verwahrloster Hunde vermittelt werden soll.

Auf der Internetseite ist mehr zu erfahren: Lady hat ein schwieriges Leben hinter sich, das Vertrauen in die Menschen noch nicht verloren und wartet nun schon seit längerer Zeit darauf, aus ihrem Tierheimkäfig in ein neues Zuhause zu kommen.

„Die will keiner“, habe ich zu meiner Holden gesagt. „Sollen wir sie uns mal anschauen?“ Beflügelt wird diese Idee vom Hinweis auf der Internetseite, dass die erneute Anzeigenschaltung nur durch Spenden möglich war und dass es möglicherweise der letzte Anlauf ist,
MyLady zu vermitteln.

Meine Holde erbittet sich Bedenkzeit, denn bislang sah unsere Lebensplanung keinen neuen Hund vor – zumal der Kater unserer Nachbarn (treue Leser von Steins Woche kennen ihn schon …) zum täglichen Stammbesucher geworden ist. Gerne nachts. Gerne wenn er nass ist. Gerne, wenn ihm der Dreck im Fell hängt. Also nachts, nass und dreckig, um es auf den Punkt zu bringen. Es steht der Verdacht im Raum, dass unsere Nachbarn ihn speziell dressiert haben. „Kater,  bevor du dich nachts bei uns schlafen legst, geh erst mal rüber zu den Steins, trockne vor dich hin und warte, bis der Dreck von dir abgefallen ist – dann darfst du rüberkommen.“ Wir mögen ihn trotzdem.

Doch am Sonntagmittag steht der Entschluss. Wenn MyLady noch zu haben ist, nehmen wir sie. Sie soll ein neues Zuhause bekommen. Also wird kurzerhand eine E-Mail geschrieben, eine kurze Bewerbung, wie es sich gehört. Es dauert auch nicht lange, schon kommt die Antwort: „Herzlichen Dank für Ihr Interesse. Bitte erzählen Sie mehr von sich.“

Das tun wir dann – und erhalten retour folgende Zeilen:

Vielen Dank für die knappen Informationen.
Sollten Sie als neues Zuhause in Frage kommen, melden wir uns in den nächsten Tagen.
Haben Sie bis Mittwoch nichts von uns gehört, haben wir uns gegen die Vermittlung zu Ihnen entschieden.

Mit freundlichen Grüßen

Und diese Zeilen sind es, über die ich mich den halben Sonntag ärgere.

Warum?

Vielleicht liegt es ein wenig daran, dass in mir die Werbetexter-Seele brennt, immerhin einer meiner Hauptberufe. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man nicht gerne hört, ob sich für oder gegen einen entschieden wird. Oder vielleicht auch an beidem. Auf jeden Fall stört mich der Ton in der E-Mail enorm. Zumal der Verein laut Internetseite noch eine ganze Reihe weiterer Hunde hat, die teilweise seit Jahren auf Vermittlung warten.

Ich gehe einfach mal davon aus, dass auch die Interessenten für andere herrenlose Hunde eine solche „automatisierte“ Mail bekommen. Entsprechend lang wird die Liste derer sein, die sich ärgern – und ihre Bemühungen nun anderen Organisationen zuwenden.

Wie anders hätte doch eine Antwortmail wie diese gewirkt – um nicht nur zu meckern, sondern auch, um mal einen Verbesserungsvorschlag anzubringen:

Sehr geehrte Familie Stein,
herzlichen Dank für Ihr Interesse an unserem kleinen Sonnenschein „MyLady“. Erfreulicherweise ist die Resonanz auf unsere Anzeige diesmal so groß, dass wir fest davon ausgehen, dass „MyLady“ vermittelt wird. Da sich bereits mehrere Interessenten vor Ihnen gemeldet haben, ist es allerdings wahrscheinlich, dass „MyLady“ nicht bei Ihnen ihr
neues Zuhause finden wird. Bis spätestens Mittwoch lassen wir Sie das wissen.

Aber vielleicht haben Sie es mit Blick auf unsere Internetseite www.xxxxxxxx.de bereits gesehen:

Nicht nur „MyLady“ wartet auf ein neues Zuhause, sondern auch „Tinka“, die kleine Rebellin, „Frisco“, der gemütliche Knurrbär, und „Santa“, die 2-jährige Hündin, die wir von einem Bauernhof in Spanien gerettet haben, wo sie die ersten Monate ihres Lebens an der Kette verbringen musste, eingesperrt in einem dunklen Zimmer – und die trotzdem ihre Liebe zu den Menschen und das Vertrauen darauf, ein schönes Zuhause zu finden, nicht verloren hat.

Melden Sie sich, wenn Sie einem dieser Hunde oder einem der anderen, die Sie auf unserer Internetseite finden, ein neues Zuhause geben möchten. Wir freuen uns darauf, Sie bei Interesse näher kennenzulernen, denn natürlich möchten wir ganz sichergehen, dass ein Hund bei Ihnen ein gutes Zuhause vorfindet.

Mit freundlichen Grüßen

So – und jetzt tröste ich mich mit meinem eigenen Brief und entärgere mich. Und derweil präsentiere ich Ihnen den ersten Gratis-Download für diese Ausgabe:

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4 Kommentare zu “Vermitteln Sie immer den richtigen Eindruck von sich?”

  1. Von A. Albrecht:

    Hallo Herr Stein,

    was ist denn nun aus My Lady geworden?

    Gruß Andrea

  2. Von Günter Stein:

    Der Tierschutzverein hat sich tatsächlich nicht mehr gemeldet. Auf Nachfragen wurde kurz mitgeteilt: “Wurde vermittelt.” Wollen wir hoffen, dass sie in gute hände gekommen ist.
    Beste Grüße
    GS

  3. Von Schaefer:

    Herr Stein, das waren Datenhaie, hoffe für Sie , das Sie nicht zu viel erzählt haben.

    Mfg

    R.Schaefer

  4. Von Heino Florin:

    Hallo Herr Stein,

    genau diese Erfahrung haben wir auch gemacht. Wir suchten einen Ersatz für die verstorbene Retriever-Hündin meiner Mutter und ‘klapperten’ telefonisch in immer weiterer Kreisen die Tierheime der näheren und weiteren Umgebung ab, um einen Retriver zu finden. Die Antwort jedes Mal: ‘Haben wir gerade nicht’. Überall der gleiche Satz. Auch wir haben uns dann gefragt, warum keiner Alternativen angeboten hat, oder uns einfach nur motiviert hat, vorbeizukommen. Wir sind irgendwann in das Tierheim in unserer Nähe gegangen und meine Mutter hat sich sofort in eine Mischlingshündin verliebt – die war es dann… Die TierpflegerInnen haben wir zu dem Ablauf befragt. Sie waren traurig, dass die Vermittlung der vielen Tiere so laienhaft betrieben wird. Wirklich schade, da offensichtlich kein Einzelfall. Also liebe Leser: dranbleiben und einfach hingehen!!!

    Gruß Heino Florin

 

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