Manchmal haben zwei Dinge mehr Gemeinsamkeiten, als man denkt.
In Kufstein treffen meine Holde und ich unseren Freund Joachim nebst Tochter. Wir sind zum Abendessen verabredet. Joachims Tochter ist 13 und zeigt sich keineswegs beeindruckt, als ich ihr berichte: „Derzeit ist in Tirol die Hölle los. Hansi Hinterseer gibt sein jährliches Open-Air-Konzert.“ Im Gegenteil: Schon beim Namen „Hansi Hinterseer“ verdreht sie die Augen. Der Vater erklärt: „Mit Hansi Hinterseer kannst du sie nicht beeindrucken. Sie steht mehr auf Eminem.“ Eminem ist ein Rapper aus den USA. MEIN Stichwort:
Sofort erläutere ich der jungen Dame: „Wusstest du schon, dass Hansi Hinterseer der Eminem von Österreich ist?“
Der Blick, den mir die junge Dame nach diesem bedeutungsschwangeren Satz zuwirft, veranlasst mich sofort zu weiteren Erläuterungen.
„Sieh mal“, sage ich. „Eminem ist ja in seinen Texten sehr … äh … direkt. Das ist bei Hansi Hinterseer kein bisschen anders.“
Der Blick, den ich für diese Aussage erhalte, schwankt irgendwo zwischen Mitleid und Wut. Erstens, so mein Verdacht, haben es echte Eminem-Fans nicht gerne, wenn ihr Idol mit Hansi Hinterseer vergleichen wird. Zweitens scheint man als Mittvierziger den Verdacht der Jugend, dass alle, die jenseits der 30 sind, unter einer gewissen Senilität leiden, auf das Härteste zu bestätigen. Dabei liege ich mit meinem Vergleich vollkommen richtig! Das zeigt schon ein Vergleich der aktuell von beiden Künstlern vertriebenen musikalischen Schätze.
Singt Eminem beispielsweise in seinem aktuellen Lied „Not afraid“ (Nicht ängstlich), geht Hansi in einem seiner Lieder noch einen Schritt weiter und beschreibt auf eine nahezu mystische Art und Weise eine Angst erzeugende Situation, um deutlich zu machen, dass auch er nicht ängstlich ist. „Es wird scho glei dumpa“ (Es wird schon gleich dunkel) – so sein dem eminemschen Song entgegengesetzter Entwurf.
Auch für das von Eminem relativ häufig verwendete „F… you“ hat der Eminem aus Tirol, Hansi Hinterseer, längst eine musikalische Antwort: „Wenn man sich lieb hat“.
Ja, selbst für die härteste Gangart bleibt Hansi dem Eminem keine Antwort schuldig:
So reagiert er auf Eminems „Motherf…“ mit dem ebenso knallhart auf Akkordeon eingespielten Lied: „S’Mutterl so liab“ und präsentiert als Gegenentwurf zum eminemschen „Crack a Bottle“ den Hit: „Komm auf ein Bier zu mir!“ Und auch das darf nicht verschwiegen werden:
Auch Eminems Nummer-1-Hit „Without me“ bleibt vom blonden Gegenstück aus Kitzbühel nicht unbeantwortet. Es kontert knallhart mit dem Klassiker „Muss I denn zum Städtele hinaus“.
Ach, es gäbe noch unzählige Parallelen zwischen diesen beiden harten Burschen. Doch ich fürchte, ich muss aufhören. Die junge Dame kommt langsam näher und näher und in ihrer Hand hält sie dieses lange, scharfe Messer …
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