Es gibt Gesprächssituationen, bei denen man ein paar quälend lange Sekunden braucht (und manchmal auch länger), bis man merkt, dass das Gegenüber etwas anderes sagen möchte, als es sagt … Und genau so war es heute Morgen, als um 9.00 Uhr mein Telefon klingelte … Am Apparat: der Kfz-Mechaniker meines Vertrauens. Er hat einen Auftrag von mir. Doch der Reihe nach:
Ich habe mir kürzlich und unvorsichtigerweise bei eBay einen Käfer ersteigert, was sich im Nachhinein als eine weniger gute Idee herausgestellt hat. Denn schon beim Abholen erwies sich der dezente Hinweis des Verkäufers „kleine Roststellen“ als in gewisser Hinsicht untertrieben, weshalb ich den Käfer zunächst zum Lackierer meines Vertrauens „zwecks Angebotserstellung“ gebracht habe.
Zwei Monate lang haben wir dann um den Preis gefeilscht. Während dieser Zeit stand der Käfer bei ihm. Wir wurden uns nicht handelseinig – und schließlich machte mir der Lackierer meines Vertrauens sein, wie er es nannte, „bestes Angebot überhaupt“: „Stellen Sie den Wagen, so wie er ist, wieder bei eBay rein. Irgendein Depp wird ihn schon kaufen. Das hat beim letzten Mal auch ganz gut geklappt.“
Leicht schmollend schnappte ich mir den Käferschlüssel und fuhr los. Das heißt: Ich wollte losfahren – aber nach zwei Monaten Standzeit hatte die Batterie ihren Geist aufgegeben. „Haben Sie eine Starthilfe?“, fragte ich den Lackierer meines früheren Vertrauens. Er hatte – und grinste, als ich die Rückbank ausbaute, um die Batterie des Käfers freizulegen. Immerhin: Mit der Starthilfe sprang der Käfer nach weniger als acht Versuchen an. Triumphierend trennte ich die Starthilfe und überreichte sie meinem Ex-Lackierer, während der Käfer friedlich vor sich hintuckerte. Dann stieg ich ein, löste die Handbremse und … schaute dem Feststellknopf der Handbremse ein wenig traurig hinterher, der mit einem Rums aus der Halterung schoss und durch den Sitzraum flog.
Mein Lackierer tat so, als hätte er nichts gesehen, während er seine Kollegen herbeiholte. Er war sich sicher – da gibt es noch etwas zu sehen. Er hatte Recht.
Nunmehr ohne Handbremse, aber guten Mutes machte ich mich Richtung Ausfahrt. Dort bremste ich vorsichtig – was zum sofortigen Stillstand des Käfers führte. Das Bremspedal blockierte. Festgefressen nach zwei Monaten Standzeit …
Im Rückspiegel konnte ich meinen Für-immer-Ex-Lackierer grinsend winken sehen, während ich mich bückte, um das Bremspedal von Hand zu lösen. Das klappte ganz gut und die weitere Fahrt vom Ex-Lackierer meines Ex-Vertrauens zur Werkstatt meines Noch-Vertrauens bereitete kaum weitere Schwierigkeiten. Gas geben – Ampel – bremsen – bücken und Bremse von Hand lösen – Gas geben – bremsen – bücken … Autofahren kann aus sportergonomischer Sicht sehr gesund sein, auch wenn mein Auf und Nieder für die anderen Autofahrer ein wenig ungewöhnlich ausgesehen haben muss. Zumindest deuteten ihre Blicke in meine Richtung darauf hin.
Wie auch immer:
Auf diese sehr sportbetonte Art und Weise gelangte der Käfer schließlich in die Werkstatt. Der Kfz-Meister meines Vertrauens zog die Augenbrauen hoch, als ich ihm den Wagen präsentierte. „Handbremse defekt, Fußbremse blockiert. Sonst tadellos in Ordnung. Das kriegen Sie doch hin, oder?“
Nachdem der Meister zweimal um den Wagen gegangen war, sich dreimal geräuspert und viermal am Ohrläppchen gekratzt hatte, meinte er knapp: „Wird schon“ – und entließ mich. Sein Versprechen „Wird schon“ wiederholte er nach 2, 4, 6 und 8 Wochen wieder. Immer dann, wenn ich ihn anrief, um zu fragen, ob der Käfer schon fertig sei.
Heute Morgen war dann er es, der mich anrief:
„Bin ich froh, dass ich die Handbremse repariert habe“, hörte ich die Stimme am anderen Ende des Telefons.
„Ich auch“, antwortete ich wahrheitsgemäß. Schließlich hatte ich den Käfer ja genau aus diesem Grund zu ihm gebracht.
„Bin ich froh, dass ich die Handbremse repariert habe“, wiederholte die Stimme. In ihr war ein leichtes Zittern zu hören.
Langsam dämmerte es mir. „Der will dir vielleicht was sagen …“ Also fragte ich nach:
„Warum sind Sie denn froh, dass Sie die Handbremse repariert haben?“
Froh, dass ich endlich danach gefragt hatte, antwortete mir der Kfz-Mechaniker meines Vertrauens atemlos: „Wie immer, wenn ich mit einer Reparatur fertig bin, habe ich noch eine Probefahrt gemacht. Oh Mann, bin ich froh, dass ich die Handbremse repariert habe …“
„Ja, weiß ich. Aber was ist passiert?“
„Sie müssen wissen: Wenn ich eine Probefahrt mache, gebe ich, wenn die Straße frei ist, auch mal richtig Gas. Das habe ich gemacht. Oh Mann, bin ich froh, dass ich die Handbremse repariert habe …“
„Sie haben also Gas gegeben. Und dann?“, versuchte ich, das Ganze abzukürzen.
„Na ja, wenn man viel Gas gibt, muss man auch feste bremsen. Das habe ich dann auch gemacht …“ Aus der Leitung war ein schweres Atmen zu hören.
„Und dann?“, drängelte ich.
„Ja, dann habe ich gebremst. Oh Mann, bin ich froh, dass ich die Handbremse repariert habe!“
„Du meine Güte! Sie haben gebremst, und dann …“
„Eigentlich konnte ich gar nicht bremsen. Denn als ich auf die Fußbremse getreten habe … also so richtig fest … ich war ja schnell … da war sie weg. Oh Mann, bin ich froh, dass ich die Handbremse repariert habe!“
„Wer? Wer war weg?“
„Na die Fußbremse! Einfach weg. Da ist jetzt ein Loch im Boden. Wissen Sie jetzt, warum ich froh bin, dass ich die Handbremse repariert habe …?“
Ja, das weiß ich jetzt … Und falls Sie jemanden kennen, der einen Käfer braucht … also die Handbremse funktioniert wirklich gut.
Nun gut – ich gebe es zu. Es gibt Dinge im Leben, die man dringender braucht als einen verrotteten Käfer mit Loch im Boden. Zum Beispiel wichtige Arbeitshilfen wie diese, die sogar GRATIS zu Ihnen kommt:
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