Und wie sieht Ihr Schreibtisch aus?
Fundstück 3: Der Messi-Kollege
Kennen Sie das? Haufenweise Schmierzettel, Akten, halbleere Kaffeetassen und ein Apfelrest von letzter Woche? Nein, ich spreche jetzt NICHT von meinem Schreibtisch. Ich esse selten Äpfel … Ich spreche von einem Phänomen, dass nach Meinung der Financial Times Deutschland „Realität auf deutschen Schreibtischen ist“: Unordnung.
Das Dumme dabei:
Leertischler sind effizienter als Volltischler, sagt Jürgen Kurz. Der muss es wissen. Er ist Experte für Büroorganisation. Und nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung vergeudet jeder deutsche Arbeitnehmer etwa 150 Stunden im Jahr mit dem Suchen von Dokumenten und Dateien oder der Beschaffung fehlenden Arbeitsmaterials. Das allerdings ist nur ein Durchschnittswert, der alle Grade des Schreibtischchaos umfasst. Das ist wichtig, denn es gibt auch hier wieder ganz unterschiedliche Typen:
So gibt es den „konsequenten Familienmenschen“, das ist der Kollege mit lauter gerahmten Fotos auf dem Schreibtisch, die seine Blutsverwandten in allen möglichen Entwicklungsstadien zeigen.
Dann gibt es den „Büroanimateur“. Das ist jener Typ, der eine „Ich liebe meinen Job“-Kaffeetasse besitzt sowie ein witziges Minikatapult für Heftklammern.
Doch besser ist der „Ordnungsfanatiker“ auch nicht, auf dessen staubfreiem Tisch sich außer Akten und Schreibwerkzeugen nichts befindet. Für die Kollegen ist der Ordnungsfanatiker wegen seiner Pedanterie eine Pest. Der Chef hält ihn für ein Muster an Effizienz. Das macht die Sache auch nicht besser …
Sie glauben, bei Ihrem Chef ist das anders? Sie meinen, dem ist es egal, wie Ihr Schreibtisch aussieht?
Leider nicht! Laut einer Studie schließen in Deutschland immerhin 81 Prozent aller Chefs aus einem unaufgeräumten Schreibtisch auf eine schludrige Arbeitsweise!
Was also tun?
Also, entweder Sie belassen alles, wie es ist, und argumentieren mit Ihrer überbordenden Kreativität und dass der Zustand des Schreibtischs nur Ausdruck Ihrer Kreativität ist, die dem Unternehmen ständig und immer zugute kommt.
Oder Sie switchen um. Und da habe ich etwas für Sie:
Vom Volltischler zum Leertischler: 5 garantiert wirksame Prinzipien für Umsteiger
Prinzip 1:
Das Only-One-Document- Prinzip
Machen Sie es sich zur Regel, nur solche Unterlagen auf dem Schreibtisch zuzulassen, die Sie für Ihre aktuelle Arbeit gerade brauchen. Alles andere (auch wenn Sie es „ganz sicher später noch brauchen“) kommt weg!
Umsetzungs-Tipp: Dieses Prinzip halten Sie erfahrungsgemäß nur dann dauerhaft ein, wenn Sie sich eine funktionierende Arbeitsablage eingerichtet haben – aktuelle Dokumente im schnellen Zugriff direkt am Schreibtisch.
Prinzip 2:
Das Prinzip des sichtbaren Abschlusses
Räumen Sie – mit Befriedigung! – alle Unterlagen einer Arbeit vom Schreibtisch, bevor Sie mit der nächsten Aufgabe beginnen. Genießen Sie es auf diese Weise auch visuell, eine Arbeit beendet zu haben.
Prinzip 3:
Das Direkt-Prinzip – aufs Aufräumen angewandt
Nutzen Sie Pausen und weniger kreative Phasen für kurze Aufräumarbeiten. Nehmen Sie sich immer Zeit für den kurzen ordnenden Handgriff, wenn Ihnen etwas auffällt: alte Dokumente aus Hängemappen entfernen, einen Ordner mit defekter Mechanik austauschen, einen Satz Formulare nachdrucken. Das ist wirksamer, als mit schlechtem Gewissen den guten Vorsatz „Ich muss mal gründlich …“ immer wieder auf die Zukunft zu verschieben.
Prinzip 4:
Das Prinzip des fremden Blicks
Stellen Sie sich in zwei Meter Entfernung vor Ihren Schreibtisch, und stellen Sie sich vor, Sie sähen ihn zum ersten Mal. Was fällt Ihnen ins Auge? Was würden Sie ganz abräumen, anders anordnen oder auch austauschen?
Prinzip 5:
Das Selektions-Prinzip
Räumen Sie Überflüssiges von Ihrem Schreibtisch weg. Hilfsmittel, die Sie nicht ständig brauchen, können Sie auch in einer griffnahen Schublade unterbringen.
Umsetzungs-Tipp: Zur Veranschaulichung des Prinzips können Sie auch einmal folgenden Selbst-Test machen:
Räumen Sie Ihren Schreibtisch komplett leer, legen Sie alle Teile in einen Karton, und holen Sie jeweils nur das wieder heraus, was Sie aktuell benötigen. Das darf dann auf dem Schreibtisch bleiben. Sie werden erstaunt sein, wie wenige Gegenstände Sie wirklich im Gebrauch haben.
Und jetzt möchten Sie noch wissen, wie mein Schreibtisch aussieht?
Nun ja, Sie wissen doch: Meine überbordende Kreativität…
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