Wie einfach ist doch das Leben als Mann …

Mittwoch 18. Januar 2012 von Redakteur
Kategorie: Allgemein |
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Seit gestern ist meine Holde stolze Besitzerin eines neuen Lockendrehgeräts. Keine Ahnung, wie das Ding wirklich heißt. Aber das ist zumindest seine Funktion.

Schon seit Freitag hat die Holde auf den freundlichen DHL-Mann gelauert, weil sie es kaum erwarten konnte, dass ihre Bestellung eintrifft. Und gestern war es dann soweit.

Ähnlich wie in der Zalando-Werbung riss sie dem Mann das Päckchen aus der Hand und wurde fortan nicht mehr gesehen. Zumindest den größten Teil des Nachmittags. Aus dem Badezimmer hörte man dafür ein ständiges Rauschen, das sich in etwa so anhörte wie das meines altersschwachen Föns, der im Gartenhaus sein Dasein fristet und nur noch zum Anfachen des Grills herhalten muss.

Nachdem nun meine Holde eine ganze Weile nur noch durch elektrisch verursachte Blasgeräusche auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde plötzlich die Badezimmertür aufgerissen und eine Frau mit strahlenden Augen stand vor mir.

„Es funktioniert!“, rief sie begeistert. „Wie sieht das aus?“
„Was?“
„Na, die Locke!“
„Welche Locke?“

Das eben noch so strahlende Gesicht meiner Holden verfinsterte sich. „Siehst du denn meine Probelocke nicht?“

Ich schaute genauer hin. Als Mann weiß man intuitiv: mit Probelocken ist nicht zu scherzen. Und tatsächlich: Links außen, von vorne betrachtet, also eigentlich rechts hinten von hinten, kräuselten sich ein paar ihrer Haare stärker als sonst.

„Toll“, sagte ich. „Du siehst plötzlich ganz anders aus!“
„Finde ich auch!“, rief die Holde und das Strahlen kehrte in ihr Gesicht zurück. „Jetzt habe ich ganz neue Styling-Möglichkeiten. Das muss ich gleich alles ausprobieren!“ Sprachs, und verschwand wieder im Bad.

Es ist schon merkwürdig, womit Frauen sich beschäftigen können. Mir als Mann zumindest käme es nie in den Sinn, stundenlang mit einem Lockendreherdingsda im Bad zu stehen. Böse Zungen behaupten zwar, das würde allein schon wegen eines eklatanten Mangels an Haaren keinen Sinn machen – aber das ist eine andere Geschichte.

Etwas enttäuscht war ich allerdings, als meine Holde am frühen Abend aus dem Bad kam und wieder genau so aussah wie am Vormittag. Ich hatte jetzt mit irgendwas Spektakulärem gerechnet. So eine Art Whoopie-Goldberg-Frisur.

„War das jetzt alles?“, fragte ich. „Eine Locke, die jetzt auch noch verschwunden ist?“
„Ach, das verstehst Du als Mann nicht. Man muss als Frau erst üben, damit nichts schiefgeht beim großen Einsatz!“
„Aha“, sagte ich und nickte verständnisvoll. „Wenn wir heute Abend ausgehen, kannst du ja mal zeigen, was man mit dem Ding machen kann …“
„Das tue ich auch“, verkündete meine Holde. Und siehe da, sie sollte recht behalten.

Am Abend verschwand sie wieder im Bad, um sich „schön zu machen“. Um 8 Uhr wollten wir los. Um zehn nach acht brauste und sauste es immer noch aus dem Badezimmer.
„Soll ich mit dem Hund schon mal vorgehen? Du kannst uns ja dann mit dem Auto einsammeln“, rief ich Richtung Badezimmertür.
„Dieses blöde Ding“, hörte ich es aus dem Badezimmer. Gefolgt von einem: „Was hast du gesagt?“ Das Brausen verstummte.
„Ich wollte nur fragen, ob ich schon mal mit dem Hund vorgehen soll. Du kannst uns ja dann mit dem Auto einsammeln …“
„Ja, mach das!“, tönte es aus dem Badezimmer zurück, während gleichzeitig das Lockenwicklerdingsda wieder aufheulte.

Pucki, unserem Hund, gefiel der Plan. Die junge Hundedame stand sofort vor der Tür, als ich nach meinem Mantel griff. „Komm, Süße“, sagte ich. „Wir gehen ein paar Schritte vor, bevor uns dein Frauchen einsammelt!“

Und so liefen wir beide durch die Nacht. Vorbei an Häusern, auf einsamen Straßen, über Wiesen, Felder und Täler. Immer näher kamen die Lichter des Gasthauses. Was nicht kam, war die Holde. Ein paar irritierte Hundeaugen schauten mich fragend an: „Und das nennst du einen kurzen Spaziergang?“

Doch als ich gerade dazu ansetzen wollte, dem Hund zu erklären, dass das Zusammenleben mit einer Frau immer die eine oder andere Überraschung mit sich bringt, tauchte fern am Horizont ein Scheinwerferkegel auf. „Siehst du, das ist das Frauchen s c h o n …“

Das Auto näherte sich langsam – und kam neben uns beiden zum Stehen. „Sag nichts“, rief meine Holde von innen, noch bevor ich die Tür aufmachen konnte. „Sag nichts!“
Da mir ihr Wunsch Befehl ist, stieg ich ein, und sagte … nichts. Ich guckte nur … und staunte. Staunte darüber, was so ein kleines Lockendreherdingsda anstellen kann. Doch Hand aufs Herz: Sind es nicht immer die kleinen Dinge, die die große Welt verändern?

Schweigend fuhren wir durch die Nacht, die sich mittlerweile tief über die Stadt gesenkt hatte. Angestrengt starrte meine teilgelockte Holde nach vorne.
„Und, was sagst du?“, fragte sie schließlich und durchbrach mein staunendes Schweigen.
„Ich denke, ich soll nichts sagen.“
„Jetzt schon …“
„Aha. Also, du weißt doch, dass ich in den 70er-Jahren aufgewachsen bin …“
„Ja, und?“
„Also damals gab es eine Werbung, an die musste ich gerade denken …“
„Werbung? Werbung wofür?“
„Ich glaube, das Ding hieß Weleda Wischmob …“

Wir haben den Rest des Abends dann nicht mehr viel gesprochen. Aber die Werbung damals, die war echt klasse …

 

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