Steins Blog

1. Februar 2012

Hundelogistik oder: Wer die Qual hat, hatte die Wahl

Die Spaziergänge mit Pucki, unserem spanischem Findelhund, gestalten sich in letzter Zeit ein wenig schwierig. Das liegt an Beppo, Axel und Seppi.

Beppo ist der Labrador-Rüde des ehemaligen Dorfschullehrers. Ein durch und durch gutmütiger Kerl (der Labrador), der Pucki tief in sein Männer-, pardon, Rüdenherz geschlossen hat. Für sie lässt er sogar seinen Lieblingspantoffel links liegen. Sein Lieblingspantoffel ist ein von seinem Herrchen bereits seit längerem abgelegter Hausschuh, den Beppo zwei Drittel des Tages stolz in der Schnauze trägt und nur zum Fressen und Schlafen aus dem Maul lässt. Und um mit Pucki zu spielen.

Axel ist ein großer Welsh-Terrier. Er wohnt nur ein paar Häuser weiter. Er hat Pucki zu seiner großen Liebe erklärt. Allerdings schlägt das Schicksal immer wieder grausam zu. Denn Axel wohnt immer nur jede zweite Woche in unmittelbarer Nachbarschaft. Ein über die andere Woche wohnt er woanders. Das macht das Aufrechterhalten einer ernsthaften Beziehung schwierig.

Doch da ist ja noch Seppi. Seppi ist ein Bauernhofhund, so etwas wie der Hells Angel in der Siedlung. Die meiste Zeit des Tages verbringt er damit, vor dem Bauernhof zu liegen und in die Sonne zu starren. Würde man ihm eine Flasche Bier zwischen die Pfoten legen – das Bild des Hells Angel wäre perfekt.

Es gibt eigentlich nur zwei Ereignisse in Seppis Tagesablauf, die ihn unmittelbar aufspringen lassen. Der eine ist der Besuch des Briefträgers, weshalb der hofeigene Briefkasten mittlerweile einige hundert Meter vorverlegt wurde, der andere ist Pucki. Der Hund, der sich sonst nicht bewegt, sprintet in rekordverdächtiger Zeit die 100 Meter vom Hof zur Straße, nur um sie zu begrüßen. Das heißt: Um sie zu beschnüffeln und um eigens für sie den nächstgelegen Zaunpfahl zu bepinkeln. Hells Angel eben. Ganz nach dem Motto: Diese Markierung ist nur für dich!

Schon oft habe ich auf Pucki eingeredet, dass sie sich nun endlich mal für einen Mann entscheiden muss. „Wer alle haben will, hat am Ende keinen“, habe ich ihr gesagt. Pucki sieht das offensichtlich anders. In diesem Punkt stellt sie sich absolut auf stur.

Aber gut, ich kann das verstehen:

Seppi, der Hells Angel unter ihren Freunden, ist so etwas wie eine persönliche Lebensversicherung. Wer einen Seppi hat, der ist immer und überall beschützt.

Beppo ist der Mann für das Gemütliche, das Gesellige, das Anschmiegsame. Der Mann, der sogar in einen Frauenfilm gehen würde und sich heimlich ein Taschentuch an die Nase drückt, wenn die Heldin des Films in Bedrängnis gerät. Nur gut, dass Hunde nicht ins Kino dürfen. Beppo auch nicht.

Axel dagegen ist der Mann für das gepflegte Vergnügen. Der Mann zum Vorzeigen. Jung genug, um nicht von Arthrose und Rheuma zu reden, alt genug, um verlässlich zu sein. Also wäre Axel eigentlich der Richtige. Aber – wie das Leben so spielt – Axel ist ja nun einmal nur eine „Ein über die andere Woche“-Beziehung.  Da bleiben einfach zu viele Tage über, die anderweitig gefüllt sein müssen. (Was mich übrigens schwer an eine gewisse Frau erinnert, die bei einem meiner früheren Arbeitgeber beschäftigt war. Allerdings schien ihre Woche zudem die doppelte Anzahl an Arbeitstagen zu haben. Aber gut, dass ist eine andere Geschichte …)

Puckis Freunde, das habe ich inzwischen gelernt, nehmen auch mich in die Pflicht:

Das Austüfteln der jeweils zu wählenden Gassi-Route ist nicht ganz einfach. Wurde Beppo zuerst angetroffen, dürfen wir den Weg von Seppi nicht mehr kreuzen. Treffen wir aber zuerst auf Seppi, dann auf Beppo, dann ist das nicht schlimm. Beppo reagiert gelassen. Er ist eben der Rüde für das Verlässliche.

Auch Axel wiederum ist es egal, wenn Seppi vor ihr auf Pucki traf, weil sich Axel dem Seppi für haushoch überlegen hält, und in ihm keine ernsthafte Konkurrenz sieht. Schönling eben. Andersherum flippt Seppi völlig aus, wenn er auch nur eine Spur von Axel an Pucki riecht. Und auch die Kombination ‛erst Beppo, dann Axel“ erweist sich immer wieder als schwierige. Schönling trifft auf Mister Zuverlässig – da kommen zumindest gewisse Befürchtungen auf …

Fazit:
Ach ja, wie wäre das Leben einfach, wenn es die Damen uns nicht so schwer machen würden. Doch wie gesagt, ich kann auf Pucki einreden, wie ich will. Sie hört einfach nicht. Zumindest, wenn es um Ihre Männer geht. Meine Holde ist in diesem Punkt glücklicherweise völlig anders …

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