Wenn Du nicht mehr weiterweißt …
Wenn Du nicht mehr weiterweißt, gründe einen Arbeitskreis. Wenn es nach diesen Satz geht, weiß die Bundesregierung derzeit nicht mehr so recht weiter. Sie hat aktuell 300 solcher Arbeitskreise installiert, wie heute Morgen der Kölner „Express“ schreibt. Den Mitgliedern dieser Arbeitskreise ist es manchmal regelrecht schwindelig:
„Sitze ich gerade in der Landwirtschaft oder ist das hier Familie und Verkehr?“ „Weiß nicht. Ich dachte, das ist Gesundheit.“ So oder so ähnlich laufen derzeit viele der Unterhaltungen zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ab.
Allein im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gibt es aktuell 58 Arbeitskreise, schreibt die Zeitung. Darunter solche wie „Schweineverbrauch in Deutschland“ und „Welches Schwein in Deutschland braucht einen Verbraucher?“. Merkwürdigerweise sitzt kein einziges Schwein im Gremium, auch wenn unter vorgehaltener Hand erzählt wird: „Na, da kennen Sie aber einige der Teilnehmer nicht …“
Kurzum: Arbeitskreise sind schwer in Mode. Und so pflegen auch meine Holde und ich Probleme und noch nicht gelöste Fragen in Arbeitskreisen zu besprechen. Es sind sehr kleine Arbeitskreise, dafür sind sie paritätisch besetzt. 50 % der Teilnehmer sind Frauen, 50 % der Teilnehmer sind ich.
Wir besprechen in diesen Arbeitskreisen so wichtige Dinge wie: „Wo verbringen wir den nächsten Urlaub?“, „Wieso hast du schon wieder Schuhe bestellt, wir sind doch nicht das Außenlager von Zalando“ oder auch: „Wer geht bei diesem Sauwetter heute mit dem Hund?“
Die Diskussionen in diesen Arbeitskreisen verlaufen auf höchstem Niveau. Das Abstimmungsergebnis ist meist eindeutig, was auch daran liegen mag, dass meine Holde vor einiger Zeit das Amt einer Arbeitskreisvorsitzenden eingeführt hat. Die Arbeitskreisvorsitzende ist Kraft Amtsbezeichnung immer weiblich und hat selbstverständlich doppeltes Stimmrecht.
Allerdings werde ich mir bei Gelegenheit doch Gegenmaßnahmen einfallen lassen müssen. Davon bin ich seit heute Morgen überzeugt. Draußen herrscht dieses Wetter. Doch der Arbeitskreis „Wer geht mit dem Hund?“, hat mit 2 zu 1 Stimmen beschlossen: ich. Das finde ich ein wenig ungerecht, denn schon häufiger musste ich feststellen, dass Beschlüsse mit 2 zu 1 Stimmen gegen mich gefasst wurden. Ich habe aber schon einen Plan:
Es ist nicht einzusehen, warum Pucki, unser Familienhund, nicht auch mit einem Stimmrecht ausgestattet ist. Das muss geändert werden. Dieses Stimmrecht könnte dann ich treuhänderisch wahrnehmen. Einen kleinen Haken gibt es:
Über die Treuhänderschaft wird im Arbeitskreis „Stimmrecht für den Hund“ abgestimmt. Wenn ich nicht höllisch aufpasse, geht das Stimmrecht auf die Vorsitzende über, die dann drei Stimmen hätte. Doch mir wird schon was einfallen. Und falls mir nichts einfällt, gründe ich einen neuen Arbeitskreis, der sich des Problems annimmt. Und in diesem Arbeitskreis sitze ich dann ganz alleine!
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