Steins Blog

22. Februar 2012

Darauf hat die Männerwelt gewartet …

„Der Mann hat Recht!“, rufe ich spontan und haue so fest mit der Faust auf den Tisch, dass meine Kaffeetasse einen kleinen Hüpfer macht. Sofort kommt meine Holde herbeigesaust. Sie findet es im Allgemeinen wahnsinnig interessant, wenn ich mich aufrege. Weil sie in der Regel gänzlich anderer Meinung über meinen Aufreger ist – womit wir uns in der Regel schon nach allerkürzester beide aufregen können. Sie sich darüber, dass ich mich über „so etwas“ aufrege – und ich mich darüber, dass sie sich darüber aufgeregt, dass ich mich über so etwas aufrege …

„Was ist los?“, will sie denn auch gleich von mir wissen.

„Hier steht es, schwarz auf weiß“, sage ich, und zeige auf die Überschrift in der Zeitschrift, die aufgeschlagen vor mir liegt: „Brauchen Männer einen Männnerbeauftragten?“.

Der Psychoanalytiker Matthias Franz fordert, dass Männer endlich auch einen Gleichstellungsbeauftragten bekommen. Sozusagen einen einsamen Kämpfer der Mannheit gegen den sich immer weiter ausbreitenden weiblichen Einfluss auf Gesellschaft, Erziehung und das, was ich abends im Fernsehen gucken kann.

„Was soll denn der Quatsch?“, fragt meine Holde mit einem leicht verächtlichen Unterton. „Werdet ihr Männer jetzt verrückt?“

„Ha“, rufe ich und zeige mit dem linken Zeigefinger auf sie. (Das ist zwar unhöflich, erscheint mir in dieser Sekunde aber äußerst angebracht.) Und um die Bedeutung des nachfolgenden Satzes weiter zu unterstreichen, rufe ich gleich noch einmal „Ha!“:

„Ha, da haben wir es. Wenn wir Männer anfangen, uns gegen die weibliche Übermacht zu wehren, werdet ihr Frauen nervös. Und dann wisst ihr euch gar nicht anders zu wehren als mit stumpfen Beleidigungen à la ‚Ihr Männer seit verrückt!‘. Das ist nur eure Angst davor, dass wir uns endlich wieder aus eurer Knechtschaft befreien. Dass wir, das starke Geschlecht, wieder erstarken. Uns der Sonne entgegenrecken, mit erhobenem Haupt und befreit von der Last der Unterjochung dem Tag entgegensehen …“

Ich bin mir nicht ganz sicher – doch für Sekundenbruchteile scheint es mir, als nähme meine Holde diese großen Worte aus meinem Munde nicht so ganz ernst, wie sie sie ernst nehmen sollte. Auch ihre Frage: „Hast du dir Schnaps in den Kaffee gekippt?“, erscheint mir als nicht  angemessene Reaktion auf das Ende der Unterdrückung des Mannes durch die Frau. Doch noch ehe ich auf diesen bösartigen Satz reagieren kann, setzt meine Holde bereits zur Gegenrede an.

„Darf ich dich daran erinnern, dass der Anteil der weiblichen Führungskräfte in der deutschen Wirtschaft immer noch sehr gering ist. Obwohl Frauen die besseren Schulnoten haben, den besseren Uni-Abschluss hinlegen, das bessere Führungsverhalten beweisen …“

„Bäh“, sage ich. „Erstens liegt der Frauen-Führungs-Anteil in der Wirtschaft schon bei 35 %, zweitens: Warum haben Mädchen und  Frauen denn die besseren Schulnoten? Genau das sagt der Herr Psychoanalytiker nämlich: Weil Schulen und Kindergärten total verweiblicht sind. Da dürfen die Jungs ihre Stärken nicht mehr ausleben, sind frustriert, verweigern die Schule, haben die schlechteren Noten. Und wenn sie dann später noch eine weibliche Führungskraft kriegen … wenn das keine Unterdrückung ist!“

„So ein Blödsinn“, sagt meine Holde und schüttelt den Kopf. „Wie hieß denn dein Kindergärtner?“, fragt sie. „Klara“, sage ich.
„Und wie hieß dein Grundschullehrer?“
„Frau Tiefenbacher“, zische ich.
„Und wie hieß dein Klassenlehrer auf dem Gymnasium?“
„Frau Ostermann!“
„Wer hat Dich ausgebildet?“
„Frau Limbach und Frau Graf!“

Triumphierend verschränkt meine Holde ihre Arme vor der Brust. „Und du willst also sagen, dass du dank dieser doch sehr männer-dominierten Ausbildung dem grausamen Schicksal all der Jungs von heute entgangen bist, die es ach so schwer haben, weil sie von Frauen erzogen und unterrichtet werden?“

„Weiß ich nicht“, brummele ich und wende meinen Blick wieder der Zeitung zu. „Als Frau bist du einfach kein Gesprächspartner für dieses Thema.“
„Gib es zu, du hast verloren!“, ruft meine Holde in einem Tonfall, bei dem in einem Hollywood-Schinken jetzt im Hintergrund der Triumph-Marsch aus Aida erklingen würde.
„Ich habe gar nichts verloren. Und eines sage ich dir: Wenn es erst diesen Männer-Gleichstellungsbeauftragten gibt – dann schreibe ich ihm einen Brief, der sich gewaschen hat. Dann kommt er uns besuchen. Und dann kannst du dich warm anziehen!“

„Ist schon gut“, sagt meine Holde sanft und streichelt mir über den Kopf. „Bis dahin ist es ja noch ein wenig Zeit. Und so lange werde ich dich, so gut es geht, unterdrücken. Wir wollen doch nicht aus der Übung kommen.“

Ich habe die Zeitung heute Nachmittag abbestellt.

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