Helmut Schmidt zur heutigen politischen Generation
Worte, die ich unterschreiben kann
90 Jahre alt ist er. Und so hellwach, als wäre er 50. Sein Wort hat Gewicht. Denn seine Worte sind gewichtig. Ich spreche von Helmut Schmidt, Altkanzler dieser Republik. Vor- und Nachdenker. Jetzt hat er auf zeit.de Fragen zum aktuellen Stand der Politik beantwortet. Eine der Fragen lautete:
Rücktritt und Abschied von Horst Köhler- was sagen Sie?
Seit gestern steht Deutschland ohne Bundespräsidenten da. Böse Zungen behaupten: „Gab es denn vorher einen?“, doch diese Frage halte ich dem Amt des Bundespräsidenten gegenüber für respektlos – und natürlich denke ich angesichts dieser Frage deshalb auch sofort an meinen Rücktritt.
„Wir haben zu viele kriminelle junge Ausländer“
Donnerlüttchen! Der beliebteste Politiker Deutschlands, Roland Koch, tritt zurück. Er hat keine Lust mehr auf Politik und geht in die Wirtschaft. Wie merkwürdig: Ich gehe in die Wirtschaft, wenn ich Lust auf Politik habe. Denn nirgendwo lässt es sich trefflicher diskutieren als an der Theke.
Sichern Sie Ihr Geld. Geben Sie es aus!
Ich mache mir ernsthaft Sorgen. Um Ihr Geld. Um mein Geld … Denn gestern hat unsere Kanzlerin in ihrer Regierungserklärung sinngemäß gesagt: „Wir müssen das viele Geld für das Euro-Rettungspaket ausgeben, damit Ihr Geld sicher ist.“
Aha. Mein Geld wird also dadurch sicherer, dass es ausgegeben wird!
O-Ton Deutschland. Was sagen Sie dazu?
In der Zeitung „Die Welt“ berichtet in der Rubrik O-Ton Deutschland ein 31-Jähriger über die Erwartungshaltung seiner Generation an den Staat … Er schreibt:
Politiker-Lügen: Auf irgendetwas im Leben muss schließlich Verlass sein
Gelogen? Das ist doch nicht gelogen …
Heute hat die FDP nunmehr offiziell ihre Steuer-Vorschläge beerdigt, mit denen sie in den Wahlkampf gezogen ist. Müssen wir ihr deswegen böse sein?
Aber überhaupt nicht!
Mit freundlichen Grüßen aus Brüssel
Da hatten die Brüsseler Eurokraten so einen schönen Einfall …
Auf der immerwährenden Suche nach neuen Einnahmequellen war man auf die Idee gekommen, zukünftig neben der Maut von den LKWs auch noch eine Art „Gebühr für alles neben der Straßenabnutzung“ zu verlangen. Eine „Anlastung für Stau, Lärm und Luftverschmutzung“. „Da kommen Milliarden zusammen“, wurde mit freudiger Erregung verkündet. Und um das Ganze mit Zahlen zu untermauern, wurde eine bekannte und seriöse Beratungsfirma beauftragt, diese Kosten (= zukünftige Einnahmen) zu ermitteln. Dumm nur: Die Studie ergab, dass damit nur 635 Mio. Euro jährlich einzutreiben sind – europaweit.
Was sagen Sie zum Urteil zur Vorratsdatenspeicherung?
Aua. Die Klatsche, die das Bundesverfassungsgericht heute unseren geschätzten Politikerinnen und Politikern erteilt hat, tut weh. Das Gesetz zur Vorratsspeicherung von Daten ist gekippt. Bis es zu einem neuen Gesetz kommt, dürfen die Telekommunikationsunternehmen und Provider nichts mehr im Auftrag des Staates speichern. Mit dem Entfernen des Gesammelten ist augenblicklich zu beginnen.
Einverstanden? Na dann: RUF MICH AN.
Wir können doch drüber reden …
Warum bin ich nicht selbst darauf gekommen? Alle tun es. Und keiner hat ein schlechtes Gewissen dabei. Die Dame von der 0900-Nummer, die mich abends anbrüllt: „Ruf mich an!“ – und für den Anruf eine Menge Geld nimmt. Auch wenn sie mir das vorher gar nicht gesagt hat.
Rechtsanwälte tun es. Sie lassen sich Gespräche mit Mandanten teilweise fürstlich bezahlen – sofern man nicht privat mit ihnen befreundet ist oder der Einfachheit halber einen heiratet.
Psychologen und Psychiater tun es ebenfalls. Auch sie werden dafür bezahlt, um mit Ihnen zu sprechen.
EU-weit sollen die Bußgelder drastisch steigen
Jeder mag sich ja zum Rosenmontag so seine eigenen Gedanken machen. Merkwürdigerweise mache ich mir diese:
Rosenmontag, Pappnasen marschieren fröhlich in den Städten,
es wird gesungen, geschunkelt, gelacht.
In Brüssel aber denkt man an Maut, Telearbeit und Zigaretten,
flugs werden sich neue Regeln ausgedacht.








